Vier Länder betroffen : Neue Streiks bei Ryanair: Das müssen Reisende jetzt wissen

In den kommenden Tagen könnten Ryanair-Flugzeuge in ganz Europa am Boden bleiben.
In den kommenden Tagen könnten Ryanair-Flugzeuge in ganz Europa am Boden bleiben.

In vier Ländern soll bei Ryanair gestreikt werden. In einem Fall könnte die Airline den Ausstand gerichtlich verhindern.

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21. August 2019, 11:47 Uhr

Lissabon | Die portugiesische Gewerkschaft des Kabinenpersonals hat zu einem fünftägigen Arbeitskampf bei dem irischen Billigflieger mit Beginn am Mittwoch aufgerufen, wie die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa meldete.


An diesem Donnerstag und Freitag wollen zudem die irischen und britischen Piloten die Arbeit niederlegen, um ihrer Forderung nach höheren Gehältern und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck zu verleihen. In beiden Ländern versuchte die Airline in letzter Minute, die Pilotenstreiks vor Gericht zu stoppen. Die Entscheidungen der Richter in Dublin und London standen am Mittwochvormittag noch aus.

(Weiterlesen: Flugverspätungen: Diese Ansprüche haben Passagiere)

Flugverkehr in ganz Europa betroffen

Im Falle von Streiks könnten zahlreiche Flüge in Europa ausfallen oder mit großer Verspätung starten, warnte die Airline. Für Portugal erwartet Ryanair aber keine beträchtlichen Störungen, da die Fluggesellschaft einen von der Regierung vorgeschriebenen Mindestflugdienst eingerichtet habe, wie Lusa weiter meldete.


Die dortige Gewerkschaft Sindicato Nacional do Pessoal de Voo da Aviação Civil (SNPVAC) kritisierte allerdings den vorgeschriebenen Mindestservice als einen weiteren Versuch der Regierung, das Recht auf Streiks zu untergraben.

Streiks auch in Irland und Großbritannien

Erst vor einer Woche hatte die irische Gewerkschaft Forsa Streiks für den 22. und 23. August angekündigt. Die irischen Ryanair-Piloten wollen demnach in der kommenden Woche für 48 Stunden die Arbeit niederlegen. Die Piloten fordern demnach mehr Gehalt sowie bessere Arbeitsbedingungen. Auch in Italien soll gestreikt werden, heißt es in einigen Twitter-Beiträgen:


Die Ryanair-Piloten in Großbritannien hatten vor einer Woche ebenfalls mehrtägige Streiks angekündigt. Sie wollen wie ihre irischen Kollegen am 22. und 23. August sowie zusätzlich vom 2. bis 4. September in den Ausstand treten.

(Weiterlesen: Flugreisenden droht Ungemach durch Streiks)

Ryanair steht wegen der starken Konkurrenz, höherer Ausgaben für Treibstoff und Personal sowie aufgrund der Unsicherheiten rund um den Brexit unter Druck. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs von April bis Ende Juni war der Gewinn des Unternehmens im Vorjahresvergleich um 21 Prozent auf 243 Millionen Euro eingebrochen. In Deutschland fliegt die Billigairline von 17 Flughäfen aus Ziele in Portugal, Großbritannien und Irland an.

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Daniel Karmann


Diese Rechte haben Flugreisende

Muss Ryanair mich umbuchen?

Auf die Umbuchung haben Passagiere laut der Fluggastrechte-Verordnung der EU einen Anspruch. Möglich ist auch, dass Passagiere auf andere Transportmittel gebucht werden, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist.

Was ist, wenn ich im Urlaub wegen des Streiks festsitze?

Stranden Passagiere vorübergehend am Flughafen, muss die Fluggesellschaft sie betreuen – unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen und Ausfälle verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Verpflegung. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Hotelübernachtung übernehmen.


Was gilt bei Pauschalreisen?

Ist der Ryanair-Flug Teil einer Pauschalreise, ist nicht die Airline der Ansprechpartner, sondern der Reiseveranstalter. Er ist nach Angaben der Verbraucherzentralen auch bei Streiks verantwortlich für Kosten, die Reisenden durch eine Verspätung entstehen. Das können zum Beispiel Ausgaben für Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten und Telefonate sein. Bei großen Verspätungen können Pauschalreisende außerdem den Reisepreis mindern. Dafür gibt es Rechentabellen: Ab fünf Stunden Verspätung können Urlauber pro Stunde Verspätung fünf Prozent des anteiligen Tagespreises zurückfordern.

Steht mir bei streikbedingten Flugausfällen eine Entschädigung zu?

Bei Pilotenstreiks haben Reisende eigentlich keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung für Ausfälle oder Verspätungen von mehr als drei Stunden. Ein Streik gilt als außergewöhnlicher Umstand. Das gilt aber nur unter der Bedingung, dass die Airline alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um die Folgen des Ausstands zu minimieren.

Allerdings hat sich die Rechtsprechung inzwischen weiterentwickelt, erklärt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. So entschied der Europäische Gerichtshof im April 2018, dass eine Airline bei einem wilden Streik nur unter zwei Bedingungen von der Erstattungspflicht befreit werden könne: Zum einen dürfe das Ereignis, das zu den Behinderungen führte, nicht Teil der normalen Betriebstätigkeit sein. Und zum anderen dürfe es von der Airline nicht beherrschbar sein (Az.: C-195/17).

Aus dem Urteil leitet Degott ab, dass Entschädigungszahlungen auch bei regulären Streiks möglich sind – wenn es den Streikenden nicht nur um die Bezahlung, sondern um die Arbeitskonditionen insgesamt geht. Der Jurist rät, vorsorglich Ausgleichszahlungen zu fordern.

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