Mauritius : Gipfelstürmer und Wellen-Reiter

Eine Aussicht, die man stundenlang genießen könnte: Die Lagune von Le Morne schimmert in den schönsten Blautönen. Kite-Surfer fühlen sich hier aufgrund des Riffs besonders wohl. Wanderer hingegen genießen den Blick von oben.⋌ Fotos: Jessica Weiser
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Eine Aussicht, die man stundenlang genießen könnte: Die Lagune von Le Morne schimmert in den schönsten Blautönen. Kite-Surfer fühlen sich hier aufgrund des Riffs besonders wohl. Wanderer hingegen genießen den Blick von oben.⋌ Fotos: Jessica Weiser

Mauritius lockt mit traumhaften Aussichten und einmaligen Erlebnissen

svz.de von
20. Juli 2019, 16:00 Uhr

„What A Hit“ hätte augenscheinlich nichts dagegen, die nächste halbe Stunde einfach in den kühlen Fluten des Indischen Ozeans stehen zu bleiben. Der zehnjährige Wallach, einst auf Rennbahnen in Südafrika und auf Mauritius erfolgreich, macht einen tiefenentspannten Eindruck. Dass der Zweibeiner auf seinem Rücken unbedingt schwimmen möchte – und zwar mit ihm –, ignoriert er. „Du musst ihn vorwärtstreiben“, ruft mir Jean-François Elladoo, Stallmeister im Equestrian Center des Maritim Resort & Spa in Balaclava, zu.

Der erfahrene Reiter begleitet mich bei meinem Abenteuer. Leider bin ich etwas ratlos. Treiben schön und gut. Aber wie? Mit den Beinen? Fehlanzeige! Das Wasser steht mir zwar nur bis zum Oberschenkel und nicht bis zum Hals – antreiben kann ich „What A Hit“ so aber nicht. Elladoo schaut sich das Schauspiel belustigt an und hat schließlich Erbarmen. „Die Zügel in eine Hand nehmen und ihm damit ein Zeichen geben“, lautet seine knappe Anweisung.

Gesagt, getan. Ein kräftiger Klaps auf den Hals – und der Wallach setzt sich tatsächlich in Bewegung. Zumindest für ein paar Meter. Dann überlegt er es sich doch wieder anders. „Du musst wohl absteigen, neben ihm herschwimmen und dann schnell wieder auf seinen Rücken.“ Der Stallmeister weiß, wovon er spricht – bereits seit 2011 gehört Elladoo zum Team des Maritim Equestrian Center. Ich befolge seinen Ratschlag, ohne nachzudenken, zur Sicherheit trage ich schließlich eine Schwimmweste.

Bei diesen Aussichten schlagen Reiterherzen höher.
Bei diesen Aussichten schlagen Reiterherzen höher.
 

Was für die Beobachter am Strand nach einer Abkühlung für Ross und Reiter aussieht, ist in Wirklichkeit ziemlich schweißtreibend – zumindest für mich. Aber es funktioniert, und die Anstrengung lohnt sich.

Der Moment, in dem ich merke, dass das Pferd mir vertraut und ins tiefe Wasser folgt, ist ein ganz besonderer. Tatsächlich schaffe ich es auch rechtzeitig und mehr oder weniger elegant wieder auf den Pferderücken, um mich schwimmend ins flache Wasser zurücktragen zu lassen. Ein tolles Gefühl, das wohl manches Reiterherz höherschlagen lässt.

In den Genuss, mit Jean-François Elladoo und den Pferden schwimmen zu gehen, kommen allerdings nur erfahrene Reiter. „Für Laien ist das zu gefährlich“, sagt er. Schließlich gehe es ohne Sattel und Helm ins Wasser. „Da braucht man einen guten Sitz und Erfahrung.“ Natürlich können aber auch Anfänger bei ihm das Glück der Erde auf dem Pferderücken erleben. Entweder bei Reitstunden oder Ausritten über die 25 Hektar große Anlage des Resorts. Mein persönlicher Höhepunkt dabei ist der Abstecher zum Sandstrand, den es im flotten Trab hoch- und runtergeht. Und obwohl ich gerade erst wenige Tage auf der Insel bin, bin ich das erste Mal verliebt. In die Pferde und in den Ausblick auf das türkisfarbene Meer.

Belohnt werden Anstrengung und Mut mit tollen Ausblicken.

Noch spektakulärer ist der allerdings an einer ganz anderen Stelle auf der Insel – und zwar vom 556 Meter hohen Morne Brabant. Der steinerne „Klotz“ liegt auf der gleichnamigen Halbinsel im Südwesten von Mauritius und schreit förmlich danach, erklommen zu werden.

Trotz der scheinbar geringen Höhe macht es mir der Morne Brabant an diesem Morgen jedoch nicht leicht. Dicke Regenwolken, aus denen es ergiebig schüttet, schieben sich über den Himmel. Pünktlich zum Start der Wanderung lässt sich dann aber plötzlich die Sonne blicken. „Regen ist auf Mauritius keine Seltenheit. Aber das Wetter wechselt hier schnell, und jetzt im Winter sind die Temperaturen für Wanderer besonders angenehm“, sagt Will, der als Guide bei Yanature arbeitet, einem Anbieter für Wandertouren auf der Insel.

Obwohl es mit etwa 25 Grad und einer leichten Brise tatsächlich sehr angenehm ist, kommt die Gruppe schon auf den ersten Metern ins Schwitzen. Ich wünsche mich auf den Pferderücken zurück, aber auch „What a Hit“ würde spätestens kurz vor dem Gipfel kapitulieren. „Auf den letzten Metern muss man klettern“, warnt Will. „Schwindelfrei sollte man auch sein.“ Ein Pärchen aus Indien resigniert angesichts dieser Warnung und dem markanten Schild mit der Aufschrift „Dangerous climbing“ (deutsch: Gefährliches Klettern) und bleibt zurück, während der Rest sich an den Aufstieg macht. Belohnt werden Anstrengung und Mut mit tollen Ausblicken, zum Beispiel auf die grünen Berghänge der Insel und auf die kleine Île aux Bénitiers.

Anstrengend: Auf- und Abstieg am Morne Brabant Brabant.
Anstrengend: Auf- und Abstieg am Morne Brabant Brabant.
 

Nicht zu toppen ist aber das Panorama, das sich den Wanderern am stählernen Gipfelkreuz bietet. Es ist erneut Liebe auf den ersten Blick. Während das Meer hinter der Riffkante dunkelblau in der Sonne schimmert, leuchtet es davor in den unterschiedlichsten Türkistönen. Erahnen kann man in der Ferne auch den Unterwasser-Wasserfall – eine optische Täuschung, die durch Meeresströmungen und Sand verursacht wird.

Mark Twain schrieb einst: „Wenn man einem Inselbewohner glaubt, dann könnte man die Meinung bekommen, dass Mauritius zuerst geschaffen wurde und dann der Himmel; und dieser Himmel ist eine genaue Kopie von Mauritius.“ In diesem Moment, an dieser Stelle, ist man versucht, die Aussage des berühmten amerikanischen Schriftstellers, der die Insel im Jahr 1896 bereiste, zu glauben.

Man könnte auf der Insel, die mit einer Größe von 1900 Quadratkilometern nicht einmal so groß ist wie das Saarland, noch so vieles erleben und sich dabei noch mehr verlieben. Sei es in die farbenfrohe Unterwasserwelt, in rasante Sportarten oder in die Rum-Destillerien des Landes – aber ein Urlaub allein reicht dazu kaum aus.

Mauritius

Anreise: Air Mauritius fliegt in Kooperation mit Air France und KLM über Paris oder Amsterdam – zum Beispiel ab Hannover. airmauritius.com Condor und Eurowings (Oktober bis April) bieten Direktflüge von Frankfurt nach Mauritius. condor.com, eurowings.com

Übernachten: Zum Beispiel: Maritim Resort & Spa in Balaclava: 212 Zimmer und Suiten, sechs Restaurants, großes Angebot an Sportmöglichkeiten. Reitunterricht und Ausritte gegen Gebühr. Preise für zwei Wochen: 1675 Euro pro Person im DZ (Aufenthalt bis 14. September 2019), 2485 Euro pro Person im DZ (Aufenthalt vom 1. bis 21. Dezember 2019 bei Buchung bis  31. Oktober), Preise inkl. Flughafentransfer, Halbpension. Zuzüglich Flug. Maritim Hotel-Reisedienst, Tel. 06151 905790, maritim-reisedienst.de

La Mariposa in La Preneuse: kleines, renoviertes Hotel mit 27 Zimmern und 2 Appartements, direkt am Strand mit Blick auf den Morne Brabant, Preise ab 115 Euro pro Zimmer (Nebensaison) inkl. Frühstück, lamariposa.mu

Mietwagen: Es herrscht Linksverkehr. In Acht nehmen sollte man sich vor den Schlaglöchern und dem Gegenverkehr. Ein internationaler Führerschein ist erforderlich.

Ausflüge: Wer nicht selbst ans Steuer will, mietet einen Fahrer. taxitourmauritius.com

Geführte Wanderungen bietet Yanature. trekkingmauritius.com

Beste Reisezeit: Die Trockenzeit dauert von Mai bis November, die Regenzeit von Dezember bis April. Von Januar bis März kann  es zu Tropenstürmen kommen. Grundsätzlich ist Mauritius aber ein ganzjähriges Reiseziel.

Infos: tourism-mauritius.mu

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