Fichtelgebirge : Auf Humboldts Spuren

Ausflugsziel: Nahe Wunsiedel ragt mit dem Luisenburger Felsenlabyrinth ein Granitsteinmeer aus der Landschaft heraus. ⋌ Foto: Juhran
Ausflugsziel: Nahe Wunsiedel ragt mit dem Luisenburger Felsenlabyrinth ein Granitsteinmeer aus der Landschaft heraus. ⋌ Foto: Juhran

Im Fichtelgebirge begann der Universalgelehrte seine Karriere im Dienste der Wissenschaft

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25. Mai 2019, 16:00 Uhr

In Goldkronach bin ich glücklicher, als ich je wagen durfte zu glauben“, schrieb Alexander von Humboldt, nachdem er 1793 seinen Dienst als preußischer Oberbergmeister im Fichtelgebirge angetreten hatte. Mit gerade einmal 22 Jahren sollte er für den preußischen König die Förderung und Verhüttung von Erzen in der Region zu neuer Blüte führen. Dabei war er äußerst erfolgreich. Es gelang ihm bis zur Beendigung seiner Dienstzeit 1797 nicht nur den Bergbau wieder profitabel zu machen. Er brachte den Menschen Arbeit, sorgte sich um soziale Belange und revolutionierte das Bildungswesen. Seine Erfahrungen im Fichtelgebirge prägten Humboldt nachhaltig auf seinem Weg, der ihn schließlich zu einem der angesehensten Wissenschaftler weltweit werden ließ.

Zeitreise durch die Berggeschichte

Ständig von einer Grube zur nächsten per Pferd unterwegs, pendelte Humboldt ruhelos zwischen Arzberg, Steben, Goldkronach, Wunsiedel und anderen Orten. Besonders tiefe Spuren hinterließ der junge Wissenschaftler im beschaulichen Goldkronach. Mit einem unstillbaren Arbeitseifer gelang es ihm, das bedeutendste deutsche Goldrevier in der Fürstenzeche für den königlichen Hof neu zu erschließen.

Die Fürstenzeche ist nicht mehr begehbar, aber im benachbarten Tagesstollen „Mittlerer Name Gottes“ versteht es der ehrenamtliche Führer Heinz Zahn äußerst anschaulich, seine Besucher auf eine Zeitreise durch die glanzvolle Geschichte des Berges mitzunehmen. „Unter Humboldt wurde die Förderung deutlich verbessert, da er horizontale Stollen zur Entwässerung und zum Transport der Erze mit Hunden (kleine Loren) treiben und sicherere Holzstützen verbauen ließ“, lässt Zahn seine Begleiter wissen. In dem engen Stollengang ist es kühl. Wasser tropft von den Wänden und sammelt sich am Boden. Am Ende des streckenweise nur gebückt zugänglichen Stollens taucht im Lichtkegel der Lampe Zahns eine Quarzader auf, in der winzige Goldpartikel glitzern. Wissenschaftler, die hier vor wenigen Jahren Proben entnahmen, konnten einen durchaus abbauwürdigen Goldgehalt von bis zu sechs Gramm Gold pro Tonne Erz nachweisen.

Goldkronacher bereiten Geburtstag vor

Wie vielschichtig sich die Alltagsarbeit des jungen Wissenschaftlers gestaltete, erfährt man im Goldbergbaumuseum in Goldkronach. Voller Forscherdrang entwickelte er effektivere und sichere Methoden für den Abbau von Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn oder Alaun. Intensiv beschäftigte er sich mit den „matten Wettern“ (schlechte Luftzufuhr) in den Gruben, erfand eine Grubenlampe und eine Atemmaske zur Rettung verunglückter Bergarbeiter. In Steben, Arzberg und Goldkronach gründete Humboldt Bergschulen, die als Vorgänger der Berufsschulen gelten, und stattete sie mit selbst erarbeiteten Unterrichtsmaterialien aus.

Engagiert bereiten sich die Goldkronacher auf den Geburtstag des berühmten Gelehrten mit einer Sonderausstellung und Festveranstaltungen vor. Selbst 160 Jahre nach seinem Tod vermag es der Naturforscher Scharen von ehrenamtlichen Helfern, Gymnasiasten und Besuchern mit seinem Wissensdrang zu begeistern.

Von Goldkronach sind es nur wenige Kilometer nach Ruppertsgrün, von wo sich die landschaftliche Vielfalt des Fichtelgebirges sportlich per E-Bike entdecken lässt. Vorbei an Fichten, Kiefern und Birken gelangt man nach einigen Kilometern an die mit reinstem Trinkwasser erfrischende Saalequelle. „Nahe der Quelle ließ Humboldt Anlagen zum Abbau von Gelbkreidevorkommen errichten“, fand der Historiker und Kreisarchivar Adrian Roßner heraus. Die in der Kreide enthaltenen Ocker-Pigmente waren seinerzeit ein gefragter Rohstoff für die Herstellung von Farben.

Granitsteinmeer in der Landschaft

Etwa dreieinhalb Kilometer nordwestlich der Quelle war es wiederum Humboldt, der bei einem Spaziergang den Magnetismus des örtlichen Serpentingesteins entdeckt hatte. „Abgesehen vom damals kaum vorhandenen Wald ist der Panoramablick von hier oben noch genau so fantastisch und unverbaut wie zu Humboldts Zeiten“, schwärmt Roßner. Hinter Wiesen, Weiden und Wäldern taucht am Horizont der etwa 15 Kilometer entfernte Ochsenkopf und daneben der Schneeberg auf, die mit 1.051 Metern höchste Erhebung des Fichtelgebirges.

Weiter geht es nach Wunsiedel. Nahe der Stadt im Herzen des Fichtelgebirges ragt mit dem Luisenburger Felsenlabyrinth ein zerklüftetes Granitsteinmeer aus der Landschaft heraus, das neben Goethe und Humboldt auch Königin Luise faszinierte. Während sich die meisten Besucher der abenteuerlichen Landschaft mit ihren engen Schluchten und bizarren Felsformationen erfreuen, standen für Humboldt biologische Forschungen im Mittelpunkt.

Eine tiefe Bewunderung bleibt

Seine Spuren führen schließlich nach Arzberg, wo er fünf Jahre tätig war. Ein Humboldt-Rundwanderweg führt über das Museum des Bergwerkes „Kleiner Johannes“ bis zum „G“steinigt“ – einem idyllisch gelegenen Wanderlehrpfad im Tal des Flüsschens Röslau. Als Krönung wartet im Gasthof Kronfleisch als Spezialität des Fichtelgebirges auf die Wanderer.

Auch wenn es unmöglich ist, innerhalb einiger Urlaubstage alle Wirkungsstätten Humboldts im Fichtelgebirge zu erkunden, bleibt nach der Spurensuche eine tiefe Bewunderung für den Mann, der eine ganze Region zu neuer Blüte führte. Goethe brachte es auf den Punkt: „Man kann sagen, er hat an Kenntnissen und lebendigem Wissen nicht seinesgleichen; und eine Vielseitigkeit, wie sie mir gleichfalls noch nicht vorgekommen ist! Was ist das für ein Mann.“ Und was ist das für eine Landschaft, möchte man den Worten hinzufügen.

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