Alster Hamburg : Der Herr der Schwäne

Im Frühjahr: Unter Aufsicht kehren die Schwäne aus ihrem Winterquartier auf den Alstersee zurück.  Foto: KRappe
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Im Frühjahr: Unter Aufsicht kehren die Schwäne aus ihrem Winterquartier auf den Alstersee zurück. Foto: KRappe

Die Alsterschwäne schwimmen Anfang April wieder von ihrem Winterquartier in die Hamburger Innenstadt

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30. März 2019, 16:00 Uhr

Hamburg | Blaulichteinsatz. Alltag in Hamburg. Nicht an diesem Morgen. Vor einem Boot der Wasserschutzpolizei gleiten mehrere Motorkähne, auf denen in weißen Lettern „Schwanenwesen“ prangt, über den schmalen Fluss. Sie eskortieren die etwa 120 Höckerschwäne auf ihrem Weg aus dem Winterquartier im Eppendorfer Mühlenteich zurück in den Alstersee im Stadtzentrum. Mittendrin Olaf Nieß. Immer wieder lässt er den Motor von „WS4 Schwan“ aufheulen. Fährt ganz nah an das ein oder andere Tier heran. „Mit diesen Manövern flößen wir den Schwänen Respekt ein, damit niemand trödelt oder abdriftet“, sagt der 52-Jährige. Schwanenauftrieb bedeutet Frühlingsanfang in der Hansestadt.

Olaf Nieß ist Schwanenvater

Er besetzt den wohl ältesten Behördenpost der Stadt, den es bereits seit 1674 in Hamburg gibt. Alsterschwäne sind das lebendige Wahrzeichen der Stadt. Schon 1664 war es unter Strafe verboten, einen Schwan zu töten, zu verletzen oder zu beleidigen. „In früheren Jahrhunderten war es nur Monarchen vorbehalten, Schwäne auf öffentlichen Gewässern zu halten. Doch auch die Hamburger Stadtväter nahmen sich dieses Privileg heraus und demonstrierten damit Freiheit und Unabhängigkeit“, erzählt Nieß: „Wer einen Schwan beschimpfte, der beleidigte symbolisch die Stadt Hamburg.“

Entstanden ist der Alstersee, indem man im 13. Jahrhundert den Fluss Alster mittels eines Dammes, dem Reesendamm, aufstaute. Die Unterteilung in Binnen- und Außenalster geschah erst 400 Jahre später. Anfang des 17. Jahrhunderts war es unruhig im Lande. In weiser Voraussicht beauftragte der Rat der Stadt den Niederländer Johan van Valckenburgh, einen Festungsring um den Ort zu ziehen. Diese Anlage verlief auch mitten durch den See. Dort, wo sich die Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Lombardsbrücke mit ihren markanten gusseisernen Kandelabern befindet, gab es schon damals eine hölzerne Zug- und Klappbrücke. Später entwickelte sich aus dem einstigen Staudamm der mondäne Jungfernstieg mit exquisiten Geschäften und dem legendären Café-Bistro Alsterpavillon.

Die Schwäne und ihre Eskorte sind zwischen Goerne- und Streekbrücke angekommen. Im Zickzack gleiten die Tiere vorüber.

Ewige Schwanenliebe

Hinter der Krugkoppelbrücke weitet sich der Fluss zur Außenalster. Zahlreiche weiße Villen, die sich reiche Reeder und Kaufleute ab Mitte des 19. Jahrhunderts errichten ließen, zieren das Ufer. Ab hier verteilen sich die Schwanenpaare eigenständig in ihre angestammten Brutgebiete. „Sie benötigen einige Tage, um sich zu orientieren“, erwähnt Nieß: „Schwäne werden 30 bis 40 Jahre alt, sind monogam und standorttreu. Eine Schwanenehe hält ein Leben lang“

„Wir kaufen keine Schwäne hinzu und züchten sie nicht. Sie vermehren sich auf natürliche Weise. Höckerschwäne sind einheimische Vögel und sehr widerstandsfähig.“ Die offizielle Bezeichnung des Schwanenvaters lautet übrigens Revierjagdmeister, also Berufsjäger. Olaf Nieß und sein Team kümmern sich um weit mehr als nur um Schwäne.

Sie sind für die gesamte Stadtfläche, und das sind immerhin 755 Quadratkilometer, zuständig und für alle Wildtiere, die in Gefahr geraten oder die öffentliche Sicherheit gefährden, verantwortlich.

Wenn im November die Nächte kühler werden, verschwinden die stolzen Vögel von Hamburgs Wasserflächen. Einige finden ihren Weg von selbst zurück ins vier Hektar große Winterquartier. Nachzügler werden eingesammelt.

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