Müritz-Nationalpark-Weg : Abseits ausgetretener Pfade

Die markierten Wege dürfen im Nationalpark nicht verlassen werden. An einigen Seen führen aber Stege direkt ans Wasser, oder Beobachtungsstände gewähren einen Blick direkt aufs Wasser und die Uferregionen. Der Müritz-Nationalpark wurde 1990 gegründet und ist mehr als 300 Quadratkilometer groß. ⋌ Fotos: Kristine Greßhöner
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Die markierten Wege dürfen im Nationalpark nicht verlassen werden. An einigen Seen führen aber Stege direkt ans Wasser, oder Beobachtungsstände gewähren einen Blick direkt aufs Wasser und die Uferregionen. Der Müritz-Nationalpark wurde 1990 gegründet und ist mehr als 300 Quadratkilometer groß. ⋌ Fotos: Kristine Greßhöner

Eine Wanderung auf dem 175 Kilometer langen Müritz-Nationalpark-Weg

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19. Mai 2019, 05:00 Uhr

Es rauscht in den Wipfeln. Der Wind trägt das Trompeten der Kraniche hinüber. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Mit einem hölzernen „Klong“ stoßen die schmalen Fichtenstämme aneinander und wiegen sich hin und her. Sonst herrscht nur Stille. Völlige Stille. Wer mitten in Deutschland wandern will, wer auf Höhenmeter verzichtet und andere Menschen meiden möchte, ist in den einsamen Weiten des Müritz-Nationalparks gut aufgehoben. Mit seinen 175 Kilometern führt der Nationalpark-Weg den Wanderer einmal im Kreis.

Das blaue M auf weißem Grund ist schon von Weitem zu sehen. Das Nationalparkamt kümmert sich um diese Wegmarkierungen, die ausnahmslos an Pfählen und Masten hängen und nie an Bäumen.


Mit Geduld und Fernglas lassen sich von dort aus Fisch- und Seeadler beobachten.
 

Der Handy-Empfang ist stellenweise sehr schlecht, dafür fällt die Orientierung anhand des Lageplans und der Wegezeichen leicht. Tiefe Sandfurchen ziehen sich längs des Fußweges, durch den sich an diesem sonnigen Tag zwei Radfahrer mit schwerem Gepäck quälen. Ein Stück weiter ist der Waldweg durchzogen von Baumwurzeln und federt angenehm beim Gehen. Knöchelhohe Schuhe sind sinnvoll, um ein Umknicken zu vermeiden.

Serrahn: Im Nationalpark ist die Natur sich selbst überlassen, hier der Aussichtsturm am Großen Serrahnsee nahe Zinow.
Serrahn: Im Nationalpark ist die Natur sich selbst überlassen, hier der Aussichtsturm am Großen Serrahnsee nahe Zinow.
 

Keckernd fliegt ein Grünspecht davon, als das Unesco-Weltnaturerbe erreicht ist – der Buchenwald. Zwischen Zinow und Serrahn führt ein Wald-Erlebnis-Pfad hindurch. Stabile Hängematten schaukeln zwischen den Bäumen und laden zum Verweilen ein. Am Großen Serrahnsee steht eine der zahlreichen Beobachtungshütten. Mit Geduld und Fernglas lassen sich von dort aus Fisch- und Seeadler beobachten. Hütten dieser Art – mit Holzbänken und weitem Blick über die Landschaft – gibt es entlang der Müritz besonders viele. Beliebt sind sie bei Ornithologen und Fotografen, die in der Dämmerung auf den Einflug der Kraniche warten oder Kormorane und andere Wasservögel beobachten.

Zwar gibt es auf der Strecke hin und wieder Asphaltstraßen, auf denen Autofahrer zu ihren abseits gelegenen Häusern fahren, doch sind das Ausnahmen. Oft ist der Wanderer allein. Idyllisch wirkt es derweil, wenn ein Fuchs den Weg quert, wenn eilig ein Waschbär das Weite sucht, ein Milan am Himmel kreist oder eine Blindschleiche blitzschnell im hohen Gras verschwindet.

Einsam bedeutet nicht gleich eintönig. Denn gut vorbereitet, lässt sich die Wanderung individuell und abwechslungsreich gestalten. Wer kompromisslos Ruhe und Einsamkeit sucht, wird das Heilbad Waren meiden und den Weg in der ruhigeren Jahreszeit zwischen Oktober und Ostern erwandern. Wer nicht den ganzen Weg erlaufen möchte, startet zum Beispiel von Waren oder Neustrelitz aus und fährt abends per Bus oder Bahn zurück zum Ausgangspunkt.

Für alle anderen gilt: Halten Sie die Augen offen! Die Tier- und Pflanzenwelt ist immer für eine Überraschung gut.

Darüber hinaus gibt es in und um die Ortschaften entlang des Weges viel zu entdecken. In Neustrelitz lohnt der Besuch des Kulturquartiers. In dem dunkel eingerichteten und dadurch sehr stimmungsvollen Museum geht es um die Mecklenburg-Strelitzer Identität, die Schicksale der Töchter und Söhne des Adels und nicht zuletzt die Geschichte des 1945 zerstörten Residenzschlosses. Weiter führt der Weg entlang des Zierker Sees. Für kurze Zeit sind Wanderer und Radfahrer auf dem Radweg Berlin–Kopenhagen vereint. In Prälank lockt im Café ein kühles Radler, bevor der Weg über Sand und Asphalt nach Kratzeburg führt, wo es eine naturkundliche Ausstellung gibt. Die am Eingang angebrachte, überdimensionale Fledermaus ist ein Hingucker für große und kleine Kinder. Malerisch zwischen zwei Seen liegt der gemeinnützige Familienferienpark Dambeck, der auch Wanderern eine unkomplizierte Übernachtung anbietet.

Durch das Quellgebiet der Havel führt die Wanderung weiter, Wälder und Wiesen wechseln sich ab. Immer wieder glitzern hinter hohem Schilf Wasseroberflächen. Baden ist oft verboten, da die Gewässer im Nationalpark geschützt sind. Auch die Beschaffenheit der Wege variiert – mal spaziert man über weichen Waldboden, mal kickt man Kieselsteine weg. In Bocksee ist es ruhig, einen Supermarkt gibt es entlang der Strecke nicht, auch kein Café.


Feldwege führen auf den Nationalpark-Weg zurück und damit in die ersehnte Einsamkeit.

Kein Problem, als Picknickplatz dient ein umgestürzter Baum im Wald. Von Weitem ist der Kirchturm von Groß Dratow zu sehen, das Nationalparkgebiet endet. Bis nach Federow führt der Weg wenig beschaulich und wenig geschützt vor der Sonne an einer Straße entlang.

Mit seinem modernen und lehrreichen Nationalparkzentrum gilt das Dörfchen als populärster aller Zugänge zum Nationalpark und ist Startpunkt geführter Wanderungen. Per Webcam kann man dort direkt in ein Fischadler-Nest blicken, das ein paar Kilometer entfernt auf einem Hochspannungsmast thront. Hinter Federow, unterbrochen nur vom Warener Stadtgebiet, wandelt sich die Landschaft wieder. Weite Wiesen und Wald und damit Feldwege führen auf dem Nationalpark-Weg zurück in den Nationalpark und damit in die ersehnte Einsamkeit.

Der Müritz-Nationalpark-Weg

Destination: Der Müritz-Nationalpark misst 322 Quadratkilometer und ist zweigeteilt; ein geschütztes Gebiet liegt nordwestlich, eines östlich von Neustrelitz.

Anreise: Aufs Auto kann man verzichten, per Bahn ist der Nationalpark und damit auch der Rundwanderweg gut erreichbar. Bahnhöfe gibt es in Neustrelitz, Kratzeburg und Waren. Innerhalb des Nationalparks wie zwischen Speck und Boek sind die meisten Strecken für Kraftfahrzeuge gesperrt.

Unterkünfte: Wanderer auf dem Nationalparkweg finden besonders naturnahe und ruhige Zimmer, manche sogar in Alleinlage, bei den sogenannten Nationalpark-Partnern (mueritz-nationalpark-partner.de).

Karte: Eine Rad- und Wanderkarte im Maßstab 1:50000 ist im Klemmer-Verlag erschienen. Darauf sind für Tageswanderungen zusätzlich kürzere Rundwege eingezeichnet.

Mobil vor Ort: Wer nicht nur zu Fuß gehen will, kann auch radeln, paddeln oder sich fahren lassen; Hauptsaison für den Nationalparkbus (mit Fahrradanhänger) und die Schiffe der Weißen Flotte ist in der Zeit von April bis Oktober. Im Internet auf mueritz-rundum.de und 1000seen.de/wandern finden sich Vorschläge, wie Besucher ohne Pkw die weitläufige Umgebung erkunden können.

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