Lesertelefon Extra : Wer zahlt bei Erwerbsminderung?

Immer mehr Arbeitnehmer haben das Gefühl, durch den permanenten Druck am Arbeitsplatz ausgebrannt und erschöpft zu sein. Schlimmstenfalls kann eine solche psychische Erschöpfung zur Berufsunfähigkeit führen.
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Immer mehr Arbeitnehmer haben das Gefühl, durch den permanenten Druck am Arbeitsplatz ausgebrannt und erschöpft zu sein. Schlimmstenfalls kann eine solche psychische Erschöpfung zur Berufsunfähigkeit führen.

Großes Interesse an unserem Telefonforum: Fachleute informierten über Verletztengelder, Erwerbsminderungsrenten und Berufsunfähigkeitspolicen

svz.de von
16. Juli 2014, 11:45 Uhr

Mir wurde jetzt mein Antrag auf Erwerbsminderungsrente bewilligt. Rente bekomme ich aber erst in ein paar Wochen. Ich bin aber schon einige Zeit krank. Außerdem ist die Rente befristet. Was hat es damit auf sich?
Wenn es sich um eine befristete Rente handelt, dann wird die Rente erst im siebten Kalendermonat nach dem Eintritt der Krankheit erstmals gezahlt. Im Übrigen werden Erwerbsminderungsrenten grundsätzlich nur befristet gewährt. Nach Fristablauf prüft die Rentenversicherung auf Antrag, ob die Voraussetzungen für die Rentenzahlung weiter gegeben sind. Sollte sich Ihr Gesundheitszustand nicht verbessert haben, wird Ihnen die Rente gegebenenfalls befristet weitergewährt. Wurde eine Rente dreimal bis zu neun Jahren verlängert und ist eine Verbesserung des Gesundheitszustandes auch dann nicht absehbar, kann Ihre Rente unbefristet gewährt werden.


Mein Mann ist Maurer, hat viele Jahrzehnte auf dem Bau gearbeitet. Wegen Wirbelsäulenschäden ist er jetzt schon über ein Jahr in ärztlicher Behandlung. Kann es sich um eine Berufskrankheit handeln und wie müssen wir dann vorgehen?
Das kann durchaus sein. Zwar kommen als Berufskrankheiten nur Erkrankungen infrage, die in der Berufskrankheiten- Liste erfasst sind, die alle derzeit vom Gesetzgeber anerkannten Berufskrankheiten erfasst. Dazu zählen durchaus auch Erkrankungen an der Wirbelsäule – hervorgerufen etwa durch langjähriges Heben und Tragen schwerer Lasten auf dem Bau. Ihr Mann sollte sich formlos an die zuständige Bau-Berufsgenossenschaft wenden mit der Bitte um Prüfung, ob eine Berufskrankheit vorliegt. Ihr Mann kann aber auch mit dem behandelnden Arzt sprechen und ihn auffordern, beim zuständigen Unfallversicherungsträger den Verdacht des Vorliegens einer Berufskrankheit anzuzeigen.


Ich bin Studentin. Wonach würde sich der Beitrag für eine private Berufsunfähigkeitspolice richten?
Der Preis einer Police richtet sich nach dem Eintrittsalter, der vereinbarten Rentenhöhe, der Laufzeit, dem Gesundheitszustand und dem ausgeübten Beruf. Hier gibt es – je nach ausgeübter Tätigkeit – verschiedene Risikoklassen. Wir empfehlen, relativ früh einen solchen Vertrag abzuschließen, denn je jünger Sie einsteigen, um so günstiger ist Ihr Beitrag. Und in der Regel haben jüngere Menschen weniger Vorerkrankungen, die einen Abschluss behindern könnten. Aber: Der Beitrag ist nicht allein entscheidend. Wichtiger sind die Versicherungsbedingungen. Hier sollten Sie insbesondere auf die Nachversicherungsgarantie achten: Damit können Sie später die vereinbarte Rente – meist bei bestimmten Anlässen wie Gehaltserhöhung oder Familiengründung – aufstocken, ohne, dass ein erneuter Gesundheitscheck erforderlich wird. Wichtig: Ihr Vertrag sollte wenn möglich bis zu Ihrer Regelaltersrente mit 67 laufen.


Ich bin Altenpflegerin, habe mich während der Arbeit an der Hand verletzt. Zunächst wurde die Erkrankung falsch therapiert. Jetzt bin ich schon längere Zeit in der Reha, fürchte aber, mit der Hand nicht mehr arbeiten zu können. Kann ich jetzt schon Antrag auf eine Rente bei der gesetzlichen Unfallversicherung stellen?
Sie brauchen keinen Antrag auf Rente zu stellen, da Ihr Arbeitsunfall ja bei der zuständigen Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege erfasst ist. Diese wird von der behandelnden Einrichtung automatisch über das Ergebnis Ihrer Therapie informiert. Solange Ihre Therapie läuft und ein endgültiges Ergebnis noch nicht vorliegt, würde auch kein Rentenantrag bearbeitet. Und eine Rente bekommen Sie nur, wenn infolge des Arbeitsunfalles eine mindestens 20-prozentige Einschränkung Ihrer Erwerbsfähigkeit vorliegt – und das dauerhaft, also mindestens für 26 Wochen.


Ich bin 29 Jahre alt. Wie würde denn die Höhe meiner Erwerbsminderungsrente ermittelt?
Die Rentenhöhe wird aus den bis zum Beginn der Erkrankung zurückgelegten rentenrechtlichen Zeiten ermittelt. Bei einem Eintritt der Erwerbsminderung in jungen Jahren wird mit der sogenannten Zurechnungszeit so getan, als ob der Versicherte bis zum vollendeten 62. Lebensjahr weiter gearbeitet hätte. Diese Zurechnungszeit wird mit dem durchschnittlichen Verdienst bis zu Krankheitsbeginn bewertet.


Ich bin bereits seit Jahren Erwerbsminderungsrentner. Was ändert sich bei der Erwerbsminderungsrente durch das Rentenpaket der Bundesregierung?
Zum Rentenpaket gehört die Verlängerung der Zurechnungszeit bei Erwerbsminderungsrenten. Sie endet seit 1. Juli mit der Vollendung des 62. Lebensjahres – und nicht mehr wie bisher mit 60. Das führt zu einer höheren Rente. Es wird künftig unterstellt, dass Versicherte bis 62 gearbeitet hätten. Zudem fallen in Zukunft die letzten vier Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung aus der Berechnung heraus, wenn das für den Betroffenen günstiger ist. Krankheitsbedingter Minderverdienst in dieser Zeit – etwa durch den Wegfall von Überstunden oder durch längere Krankheitszeiten – wirkt sich bis jetzt häufig nachteilig auf die Rentenhöhe aus. Allerdings gelten diese Änderungen erst für Neurentenfälle. Das heißt, die Zahlung der Rente muss erstmals nach dem ersten Juli 2014 erfolgt sein. Auf Sie treffen also die Änderungen leider nicht mehr zu.


Ich bin Diabetiker, Anfang 30. Macht es Sinn, überhaupt einen Antrag auf eine private Berufsunfähigkeits-Versicherung zu stellen?
Ja, das kann sinnvoll sein. Stellen Sie bei mehreren Anbietern zeitgleich den Antrag, da die Versicherer Vorerkrankungen unterschiedlich beurteilen. Zeitgleich deshalb, weil Sie dann nicht im Antrag auf eine bereits erfolgte Ablehnung hinweisen müssten. Andernfalls werden Sie in der zentralen Wagnisdatei der Versicherungswirtschaft erfasst. In den Anträgen sollten Sie Ihre Erkrankung keinesfalls verschweigen, sondern die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten. Bei Vorerkrankungen ist es üblich, dass die Versicherer einen Beitragszuschlag für das erhöhte Risiko verlangen. Sie haben in diesem Fall jedoch die Gewissheit, dass der Versicherer bei Berufsunfähigkeit auch zahlt – unabhängig davon, ob die Ursache mit der Diabetis zusammenhängt oder nicht. Andere Gesellschaften schlagen sogenannte Ausschlüsse vor. Da hier die Absicherung lückenhaft ist, ist es nicht zu empfehlen, sich darauf einzulassen. Falls Sie unsicher sind, sollten Sie sich an einen unabhängigen Makler oder Versicherungsberater wenden.


Ich hatte eine private Krankentagegeld-Police. Die wurde mir jetzt gekündigt, weil ich die Versicherung wegen eines Bandscheibenvorfalls in Anspruch genommen habe. Ist das rechtens?
Ja. Die Versicherungsgesellschaft hat das Recht, in einem solchen Fall ein außerordentliches Kündigungsrecht wahrzunehmen. Deshalb sollte man sich vor Antrag auf Zahlung der Leistung auch überlegen, ob es sich lohnt, wegen einer relativ kurzfristigen Erkrankung, diese Leistung in Anspruch zu nehmen.


Ich bin im öffentlichen Dienst tätig. Mein Arzt hat mir aufgrund meiner beruflichen Belastung eine schwere Depression attestiert. Kann das als Berufskrankheit anerkannt werden?
Ob eine Berufskrankheit vorliegt, muss die gesetzliche Unfallversicherung entscheiden. Alle Berufskrankheiten sind in der sogenannten Berufskrankheiten-Liste aufgeführt. Hier sind nur Krankheiten enthalten „die sich aus besonderen Einwirkungen ergeben, denen bestimmte Berufstätige in erheblich höherem Maß ausgesetzt sind als die übrige Bevölkerung“. So sieht das der Gesetzgeber und nur die hier aufgelisteten Krankheitsbilder können von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern als Berufskrankheiten gewertet werden. Nach derzeitiger Rechtslage werden psychische Leiden in der Regel nicht anerkannt. Und zwar deshalb, weil es bisher keine eindeutigen epidomologischen Erkenntnisse gibt, dass bestimmte Berufsgruppen von psychischen Leiden signifikant stärker betroffen sind als andere Bevölkerungsschichten.


Ich bin wegen eines Rückenleidens schon längere Zeit krank, habe deshalb auch eine Umschulung zur Gärtnerin absolviert und eine Reha besucht. Im Abschlussbericht hieß es, dass ich einer gärtnerischen Tätigkeit täglich nur zwischen drei und sechs Stunden nachgehen kann. Dennoch wurde mein Antrag auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt – weil ich noch im Büro arbeiten könnte. Aber einen solchen Job bekomme ich schon seit Jahren nicht!
Versicherte haben einen Anspruch auf eine teilweise Erwerbsminderungsrente, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen außerstande sind, regelmäßig eine Erwerbstätigkeit von wenigstens sechs Stunden täglich zu betreiben. Außerdem müssen Sie insgesamt mindestens fünf Jahre Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben und darüber hinaus in den letzten fünf Jahren vor Ihrer Erkrankung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge entrichtet haben. Das heißt: Da Sie noch einer Bürotätigkeit nachgehen könnten, ist es für die Rentenversicherung unerheblich, ob Sie nur noch drei bis sechs Stunden als Gärtnerin arbeiten könnten.


Ich beziehe bereits eine Teilerwerbsminderungsrente, gehe noch vier bis fünf Stunden täglich arbeiten. Jetzt bin ich mit dieser hohen beruflichen Belastung gesundheitlich überfordert. Deshalb will ich jetzt eine Vollrente beantragen. Wie viele Stunden darf ich da arbeiten, ohne dass mir die Rente gekürzt wird?
Bei einer vollen Erwerbsminderungsrente können Sie monatlich bis zu 450 Euro hinzuverdienen, ohne dass eine Rentenkürzung erfolgt. Zwei Monate im Jahr können es sogar 900 Euro sein. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht – für die Deutsche Rentenversicherung ist allein die Höhe des Hinzuverdienstes entscheidend.

 

Weitere Infos
 

• Die Service-Hotline der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung erreicht man unter der kostenfreien Telefonnummer 0800/6050404 von Montag bis Freitag in der Zeit zwischen 8 und 18 Uhr.

• Auskünfte zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente erteilt die Deutsche Rentenversicherung auf dem kostenlosen Servicetelefon unter der Nummer 0800/10 00 4800.

• Unter www.test.de kann man eine Checkliste von „Finanztest“ mit Hinweisen zu privaten Berufsunfähigkeits-Police abrufen. In der Juli-Ausgabe von  „Finanztest“ finden Sie aktuelle Empfehlungen, wie man richtig einen Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung stellt. 

 

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