Rückgaberecht : Umtausch ausgeschlossen?

Nach dem Fest ist alljährlich Umtausch-Zeit in den Kaufhäusern.
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Nach dem Fest ist alljährlich Umtausch-Zeit in den Kaufhäusern.

Nach dem Fest beginnt oft der zweite Ansturm auf die Geschäfte / Kunden haben kein Recht auf Rückgabe

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26. Dezember 2013, 20:00 Uhr

Die grelle Krawatte zu Weihnachten kam nicht gut an. Genauso wenig wie der kitschige Wandteller. Das Problem: Die Beschenkten können die ungeliebten Präsente nicht ohne weiteres wieder in den Laden bringen. Denn bei einwandfreier Ware haben Kunden grundsätzlich keinen Anspruch auf Umtausch. „Wenn man im Laden etwas kauft, gilt die Regel: Vertrag ist Vertrag“, sagt Edda Costello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Dennoch kommen viele Händler ihren Kunden entgegen. Manche gewähren zum Beispiel einen Umtausch individuell auf Nachfrage. Dann sollten sich die Käufer die ausgehandelten Konditionen unbedingt aufschreiben lassen. Im Gespräch kann man auch klären, ob es verlängerte Umtauschfristen gibt. So könne man etwa eine Rückerstattung bis zum 15. Januar aushandeln, schlägt Castello vor. Oder aber an der Kasse hängt ein entsprechender Aushang mit den Umtauschregeln. Manchmal stehen die Konditionen für den Umtausch auch auf der Quittung.

Den Kassenzettel noch zur Hand zu haben, ist im Falle eines Umtauschs ohnehin hilfreich. Mit ihm kann man leichter beweisen, wann man die Ware gekauft hat. Hat man per Lastschrifteneinzug bezahlt, reicht der Kontoauszug.

In jedem Fall bestimmt der Händler die Konditionen der Rückgabe. Er entscheidet, innerhalb welchen Zeitraums er die einwandfreie Ware zurücknimmt und ob das Preisetikett noch dran sein muss. Außerdem legt er fest, ob er seinem Kunden das Geld zurückgibt, ihm einen Gutschein ausstellt oder die Ware gegen ein anderes Produkt umtauscht. Die meisten Händler schließen zudem Bademode, Unterwäsche oder reduzierte Ware vom Umtausch aus. „Am besten erfragen Sie bereits beim Kauf, wie es mit einem Umtausch aus Kulanz aussieht“, rät Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland.

Noch andere Umtauschregeln gelten für Geschenke, die im Internet oder per Katalog bestellt worden sind. „Im Online- und Versandhandel gilt grundsätzlich das Fernabsatzrecht mit einer Widerrufsfrist von 14 Tagen“, erklärt Falk. Denn Bestellkunden sollen, wie Ladenkunden auch, die Möglichkeit haben, das Produkt in den Händen zu halten. Wenn es ihnen dann nicht gefällt, können sie es zurücksenden. Selbst für einen nach den eigenen Wünschen zusammengestellten Computer aus dem Internet gilt dieses Widerrufsrecht. Denn die Computerteile können wieder leicht voneinander getrennt werden. So entschied der Bundesgerichtshof (Az.: VIII ZR 295/01). Hingegen gilt dieses Widerrufsrecht nicht bei verderblicher Ware oder entsiegelten CDs.

Wenn das Widerrufsrecht in Anspruch genommen wird, trägt grundsätzlich der Händler die Kosten für die Rücksendung. Bei einem Warenwert von unter 40 Euro kann der Händler aber dem Kunden diese Kosten beispielsweise in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen übertragen. „Die Hinsendekosten trägt immer der Händler“, sagt Falk.

Ganz andere Regeln gelten bei mangelhafter Ware. Der Verbraucher kann defekte Ware innerhalb von zwei Jahren reklamieren. Der Käufer muss in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf nicht beweisen, wann der Mangel bestanden hat. „Nach sechs Monaten aber muss der Kunde beweisen, dass der Mangel bereits beim Kauf vorgelegen hat“, erklärt Falk. Der Verkäufer kann die mangelhafte Ware zunächst zweimal reparieren. Danach muss er sie tauschen oder das Geld zurückgeben. Am besten sollte eine Reklamation schriftlich erfolgen.

Dieses Gewährleistungsrecht gilt beim Einkauf in einem Unternehmen innerhalb der gesamten EU. Allerdings gelten je nach Land unterschiedliche Fristen, innerhalb derer Käufer Mängel dem Verkäufer melden müssen, um ihren Anspruch auf Nachbesserung zu wahren, warnt das Europäische Verbraucherzentrum in Kehl auf seiner Internetseite. Bei Waren, die zum Beispiel in Deutschland, Frankreich, Österreich, Großbritannien oder Griechenland gekauft wurden, besteht keine zeitgebundene Anzeigepflicht. Bei Waren, die aber etwa in Italien gekauft wurden, dürfen Mängel nicht später als zwei Monate nach ihrem ersten Auftreten dem Verkäufer gemeldet werden.

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