Todesfall : Teure Absicherung?

Eine Beerdigung kostet Geld. Diese Kosten wollen viele Senioren ihren Hinterbliebenen ersparen und schließen eine Sterbegeldversicherung ab.
Eine Beerdigung kostet Geld. Diese Kosten wollen viele Senioren ihren Hinterbliebenen ersparen und schließen eine Sterbegeldversicherung ab.

Experten erklären, wann sich eine Sterbegeldversicherung lohnt und welche Alternativen es gibt.

svz.de von
22. September 2017, 23:08 Uhr

Die trauernde Familie soll nicht auch noch eine teure Beerdigung bezahlen müssen, so der Gedanke vieler älterer Menschen. Schon eine einfache Bestattung kostet mehrere tausend Euro. Hier setzt die Sterbegeldversicherung an: Der Versicherte zahlt monatliche Beiträge und die Familie erhält im Todesfall die vereinbarte Versicherungssumme. Diese liegt laut der Verbraucherzentrale Hamburg meist zwischen 6000 und 8000 Euro. „Einige hinterlegen bereits die Sterbegeldversicherung bei einem Bestattungsunternehmen“, weiß Kerstin Becker-Eiselen, als Abteilungsleiterin der Verbraucherzentrale zuständig für Versicherungen. „Der Hinterbliebene muss sich dann nur dort melden, und alles Weitere ist geregelt.“ Ähnlich funktioniert ein Bestattungsvorsorgevertrag direkt beim Wunschbestatter.

Der monatliche Beitrag ist individuell und richtet sich nach verschiedenen Faktoren. Da ist zum einen die Höhe der gewünschten Auszahlungssumme und die Einzahlungsdauer, zum Beispiel 20 Jahre.

Entscheidend ist auch das Einstiegsalter. Je älter man ist, desto mehr zahlt man. „Ein Teil ist der Sparvertrag und ein Teil der Risikobeitrag. Sinn ist ja, dass zu jedem Todeszeitpunkt die volle Summe ausgezahlt wird“, argumentiert Holger Rohde von der Stiftung Warentest.

Die Verbraucherzentrale Hamburg stellt auf ihrer Homepage einen aktuellen Fall vor. Ein 66-Jähriger will 8000 Euro absichern und bekommt eine Police, in die er 19 Jahre lang monatlich 56, 52 Euro einzahlt. Stirbt der Mann in den ersten drei Jahren nach Vertragsabschluss, bekommen die Erben nur die eingezahlte Summe. Das ist nicht unüblich. „Diese Versicherer stellen keine oder nur geringe Gesundheitsfragen“, erklärt Rohde.

Für Becker-Eiselen zeigt das Beispiel, dass sich eine Sterbegeldversicherung nicht für jeden lohnt. „Wenn der Tod sehr spät eintritt, haben Sie in der Regel viel mehr eingezahlt, als Sie am Ende rausbekommen.“ Im besagten Fall hätte der Mann nach 19 Jahren 13000 Euro an die Versicherung gezahlt, seine Hinterbliebenen bekämen aber nur die vereinbarten 8000 Euro.

Wer bei Vertragsabschluss jünger und bei guter Gesundheit ist, zahlt zwar geringere Beiträge. Allerdings haben vor allem Senioren das Thema Sterbegeldversicherung im Blick. „Es ist ein Spiel mit der Angst“, kritisiert Becker-Eiselen. „Viele Vereine und Verbände haben Kooperationen mit Versicherungsunternehmen und bieten diese Versicherungen Älteren an, deren Daten sie besitzen.“

Rohde rät nicht generell von einer Sterbegeldversicherung ab, empfiehlt aber Alternativen, zum Beispiel selbst Geld anzusparen. Jüngeren Leuten raten die beiden Experten zu einer Risikolebensversicherung. „Wer noch eine Risikolebensversicherung bekommt, weil er gesund und fit ist, sollte diese abschließen“, so Becker-Eiselen. Holger Rohde plädiert für eine Risikolebensversicherung mit einer geringen, im Laufe der Jahre fallenden Versicherungssumme und parallel dazu einen Fondssparplan.

Nun setzen sich aber vor allem ältere Menschen mit dem Thema Beerdigung auseinander. Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas in Königswinter, findet deshalb eine Sterbegeldversicherung durchaus sinnvoll „für jemand, der wissen will, dass mit den Finanzen für die Bestattung alles geregelt ist und der nicht auf einen Schlag eine größere Summe auf die Seite legen kann“.

Ältere Menschen bekämen kaum noch eine Risikolebensversicherung, gibt Helbach zu bedenken. Auch jungen Leute müsse klar sein, dass diese eine begrenzte Laufzeit hat. „Das ist der Vorteil der Sterbegeldversicherung: Das Kapital wird in jedem Fall ausgezahlt.“ Als Geldanlage sei diese Versicherung zwar ungeeignet, erklärt auch Helbach. Aber der Sicherheitsaspekt sei nicht zu unterschätzen.

Helbach gibt außerdem zu bedenken, dass eine Sterbegeldversicherung – anders als womöglich ein Sparbuch – nicht aufgelöst werden müsse, wenn man im Alter Pflegekosten vom Sozialamt erstattet bekommt.

Die Sorge, dass es ans Angesparte geht, hält wiederum Becker-Eiselen für übertrieben. Viele Senioren wüssten nicht, dass es da gewisse Sperren gibt. „Eine Sterbegeldversicherung ist natürlich der leichtere Weg, aber der ist teuer erkauft.“

Wer sich dennoch für diese Absicherung entschieden hat, sollte sich laut Stiftung Warentest einen Anbieter suchen, der keine Wartezeiten verlangt, sondern ab sofort im Todesfall die vereinbarte Summe zahlt. „Es gibt riesige Unterschiede“, sagt auch Helbach. Manche Anbieter hätten spezielle Regelungen bei Unfalltod oder mögliche Überschussbeteiligungen. „Da muss man sich schon die Mühe machen, ein paar Anbieter auszukundschaften.“

Autorin: Christina Bachmann

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