Lesertelefon : Steuerklasse wechseln kann sich lohnen

Tipps für die Steuererklärung gab es gestern bei unserem Telefonforum.
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Tipps für die Steuererklärung gab es gestern bei unserem Telefonforum.

Auftakt zu neuer Serie: Zahlreiche Leser nutzten gestern unser Telefonforum.

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05. April 2017, 05:00 Uhr

Wir haben im letzten Jahr ein Pflegebett für meinen Mann angeschafft. Können wir diese Kosten absetzen?
Die Aufwendungen sind durch die Pflegebedürftigkeit entstanden und zählen damit zu den sogenannten außergewöhnlichen Belastungen. Erstattungen der Kranken- oder Pflegekasse müssen Sie in die Steuererklärung ebenfalls eintragen, sie werden angerechnet. Anders als beim Bereich der Werbungskosten werden die außergewöhnlichen Belastungen im Zahlungsjahr in voller Höhe berücksichtigt und nicht über mehrere Jahre abgeschrieben.

Ich beziehe seit dem letzten Jahr eine Rente. Sollte ich die Steuererklärung jetzt allein einreichen? Mein Mann ist noch berufstätig.
Grundsätzlich können alle Eheleute zwischen der Zusammenveranlagung und der Einzelveranlagung (zwei Steuererklärungen) jedes Jahr frei wählen. Weil ein Teil der Rente steuerfrei ist und Ihr steuerpflichtiges Einkommen deshalb wahrscheinlich niedriger ausfällt als das Ihres Mannes, dürfte die Zusammenveranlagung für Sie günstiger sein. Durch die Zusammenveranlagung gleichen sich Einkommensunterschiede zwischen den Eheleuten aus und führen zu einer geringeren Steuerbelastung. Allerdings gibt es beim Abzug der Vorsorgeaufwendungen (Versicherungsbeiträge) und für außergewöhnliche Belastungen bestimmte Fälle, in denen Einzelveranlagungen zum höheren Abzug führen und somit günstiger sind. Um dies genau beurteilen zu können, muss man den Fall mit einem Steuerprogramm durchrechnen.

Wir haben die Steuerklassen III/V und mussten mit dem Steuerbescheid im letzten Herbst einen größeren Betrag nachzahlen. Jetzt hat das Finanzamt zusätzlich auch noch Vorauszahlungen verlangt. Ist das rechtens?
Zunächst zur Nachzahlung: Die Steuerklassen III/V führen bei größeren Einkommensunterschieden zwischen den Eheleuten regelmäßig zu Nachzahlungen. Wenn auch für das Folgejahr eine Steuernachzahlung von mindestens 400 Euro im Jahr erwartet wird, ist das Finanzamt gesetzlich verpflichtet, eine Vorauszahlung festzusetzen. Vorauszahlungen sind quartalsweise aufzuteilen und zum Fälligkeitstermin vom Steuerpflichtigen eigenständig zu überweisen, wenn keine Einzugsermächtigung erteilt wurde. Die Nachzahlung bei Ihnen ließe sich vermeiden, wenn Sie die Steuerklassen IV/IV mit dem Faktorverfahren wählen. In diesem Fall wird die voraussichtliche tatsächliche Steuerbelastung relativ genau bereits beim Lohnsteuerabzug gewährleistet. Allerdings müssen Sie berücksichtigen, dass im Fall von Arbeitslosigkeit die Ersatzleistung bei der Steuerklasse IV mit Faktor geringer ausfällt als bei der Steuerklasse III. Falls jedoch der Partner mit der früheren Steuerklasse V arbeitslos werden sollte, erhält dieser bei der Steuerklasse IV bzw. IV mit Faktor eine höhere Leistung.

Ich habe im letzten Jahr meinen Enkel mit einem festen Monatsbetrag unterstützt. Er ist 27 Jahre alt und studiert noch. Kann ich diese Zahlung in meiner Steuererklärung geltend machen?
Unterstützungsleistungen an gesetzlich unterhaltsberechtigte und finanziell bedürftige Personen, beispielsweise wie in Ihrem Fall bei Verwandten in gerader Linie, können als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Die Eintragung erfolgt in der Anlage Unterhalt zur Steuererklärung. Voraussetzung ist, dass auch niemand mehr Kindergeld für die unterstützte Person erhält. Dies trifft in Ihrem Fall zu, da Kindergeld nur bis zum 25. Lebensjahr gewährt wird. Allerdings sind die absetzbaren Unterhaltszahlungen auf das steuerliche Existenzminimum (8652 Euro für 2016) im Jahr begrenzt. Hierbei müssen Sie auch die Unterhaltsleistungen durch die Eltern berücksichtigen. Zahlungen zur Kranken- und Pflegeversicherung werden zum absetzbaren Höchstbetrag noch hinzugerechnet. Eigenes Einkommen des unterstützten Angehörigen kürzt hingegen den absetzbaren Betrag, soweit eine Bagatellgrenze von 624 Euro überschritten ist.

Wir sind Rentner und mussten bisher keine Steuererklärung einreichen. Aufgrund der größeren Rentenerhöhungen im letzten Jahr sind wir jetzt unsicher, ob sich dies geändert hat.
In der Regel gleichen sich die Rentenerhöhungen und die regelmäßige Anpassung des steuerfreien Existenzminimums etwa aus, sodass aufgrund der jährlichen Rentenanpassungen keine erstmaligen Steuernachzahlungen entstehen. Aufgrund der etwas höheren Rentenanpassungen im letzten Jahr gibt es jedoch einige Rentner, die vorher knapp unter dem Grenzbetrag lagen, ab dem für sie eine Steuerzahlung entsteht und die jetzt erstmalig darüber kommen. Ob tatsächlich Steuern anfallen, muss aber letztlich in jedem Einzelfall gesondert berechnet werden. Als Faustregel gilt für das zurückliegende Jahr 2016 folgendes: Rentner mit Rentenbeginn 2005 oder früher brauchen bis zu einer Jahresrente von 18 300 Euro keine Steuerzahlung zu befürchten. Für Eheleute gilt der doppelte Betrag. Bei Rentenbeginn 2016 verringert sich dieser Betrag auf rund 14 400 Euro. Maßgeblich ist hierbei die Bruttorente vor Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Bei Rentenbeginn zwischen den Jahren 2005 und 2016 liegen die Beträge zwischen den genannten Werten.

Wir haben im letzten Jahr für unser Haus, das wir sowohl selbst nutzen als auch mit einer Wohnung vermieten, das Dach neu gedeckt. Welche Kosten können wir davon absetzen?
Sie müssen zunächst diese Baukosten, die das ganze Haus betreffen, auf den vermieteten und den selbstgenutzten Wohnraum aufteilen. Aufteilungsmaßstab ist in der Regel das Verhältnis der Wohnflächen. Der Teil der Baukosten, der auf die vermietete Wohnung entfällt, ist in voller Höhe absetzbar. Das gilt zumindest dann, wenn die Dachreparatur als Erhaltungsaufwand einzuordnen ist. Den Anteil für die selbst genutzte Wohnung können Sie als Handwerkerleistung absetzen. Hierbei zählt allerdings nur der Handwerkerlohn einschließlich Fahrtkosten und Maschinenleistungen, nicht jedoch das Material. Falls der Handwerker die Materialleistung nicht gesondert ausgewiesen hat, sollten Sie eine zusätzliche Bescheinigung einholen. Anderenfalls sind die Handwerkerleistungen nicht steuerbegünstigt.

Ich bin Berufssoldat und habe im vergangenen Jahr erstmals eine Steuererklärung eingereicht. Überraschenderweise musste ich Steuern nachzahlen. Das Finanzamt erklärte mir, dass dies an den Versicherungen liegen würde. Kann das sein und kann ich meinen Antrag zurückziehen? Ich bin ledig und brauche eigentlich keine Steuererklärung einzureichen.
Die Ursache hängt vermutlich mit einer sogenannten Vorsorgepauschale beim Lohnsteuerabzug zusammen. Bestimmte Berufsgruppen wie Soldaten und Polizisten haben aufgrund der Versorgung über den Dienstherrn häufig nur sehr geringe eigene Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Wenn diese tatsächlichen Beiträge niedriger sind als die Mindest-Vorsorgepauschale (in der Regel 1900 Euro, 3000 Euro bei Verheirateten mit Steuerklasse III), die bei der Berechnung der Lohnsteuer berücksichtigt wird, ergibt sich eine steuerliche Nachzahlung. Allerdings besteht in diesen Fällen auch eine Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung. Sie sollten prüfen, ob Sie durch weitere Versicherungsbeiträge wie beispielsweise für eine private Haftpflichtversicherung oder durch andere Aufwendungen wie Fahrtkosten oder Verpflegungsmehraufwendungen bei den Werbungskosten diese Steuernachzahlung reduzieren oder vermeiden können. Die Steuererklärung zurückzuziehen ist rechtlich nicht möglich. Allerdings ist auch festzustellen, dass die Finanzverwaltung bisher diesen Sachverhalt zur Vorsorgepauschale nicht automatisiert feststellen kann. Es gibt deshalb weiterhin Steuerpflichtige, die nach dem Gesetz eine Steuererklärung abgeben müssen, aber nicht aufgefordert werden, wenn sie dieser Verpflichtung nicht nachkommen.

Kann ich die Kosten für den Tüv bei meinem Auto als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen?
Das scheidet bereits deshalb aus, weil diese Überprüfung in der Werkstatt und nicht auf dem Grundstück und damit im Haushalt durchgeführt wird. Andere Aufwendungen zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit beispielsweise für Feuerlöscher oder andere Einrichtungen im Haus sind hingegen absetzbar.

Die Fragen beantworteten folgende Experten: Uwe Rauhöft (Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine), Sarah Lena Winkel (Lohnsteuerhilfe Bayern e. V.), Karin Pyrek (Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V.) und Tina Sichting (Finanzverwaltung).

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