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Serie Finanz-Wissen : Private Finanzplanung – wozu?

vom
Aus der Onlineredaktion

Teil 1: Für manch einen sind Geldangelegenheiten zu abstrakt, um sich damit zu beschäftigen. Doch es lohnt sich, ein Ziel zu formulieren

Es gehört zu den „must-have“ der Weltreisenden. Man muss es gesehen haben – das Taj Mahal in Agra. Stellen Sie sich vor, Sie planen eine Reise dorthin. Also eine Fernreise und keinen Ausflug zum nächsten Supermarkt. Wie würden Sie vorgehen?

Der Weltenbummler
Es gibt sie, die Weltenbummler, die einfach so reisen und das machen, was sich gerade so ergibt. Kosten? Nebensache! Ist das Geld alle, kehren sie um. Ob und wann sie das Ziel erreichen, ist nicht so wichtig. Der Weg ist ihr Ziel. Ich bewundere solche Menschen. Ihren Mut, einfach etwas zu wagen. Ihr Streben nach Neuem, ohne ein wirkliches Ziel zu haben, ihr Gottvertrauen, dass alles irgendwie gut gehen wird.

Der Finanzbummler
Diese Menschen gibt es auch bei den Privatfinanzen. Die Politik, die Medien und vor allem die Banken und Versicherungen predigen es jeden Tag. Spare heute, dann hast du für morgen. Denn die Rentenlücke ist da und wird immer größer. Wir müssen gar nicht nach einem finanziellen Ziel suchen. Ziel (Sorge) Nr. 1 – das Taj Mahal der Finanzwelt – ist die Altersvorsorge. Das Ziel ist für viele jedoch so diffus und in weiter Ferne, dass ihnen einfach die Vorstellungskraft fehlt, wie sie dieses Vorhaben anpacken sollen. Vielen Bürgern ist Geld zu abstrakt, als dass es lohnt, sich damit zu beschäftigen.

Das Geschäft mit der Angst
Der Finanzwelt kommt die Angst um den wohlverdienten Lebensabend und die Unwissenheit der Bürger gelegen. Mit Angst kann man Geschäfte machen. Finanzprodukte funktionieren meist langfristig. Wer für sich keine Ziele formuliert hat, hat sich auch keine Gedanken über seine Zukunft gemacht. Er ist damit sehr empfänglich für „Wegelagerer“, die ihm ständig erzählen wollen, was er auf dem Weg nach „Nirgendwo“ so alles braucht.

Was ist Finanzplanung?
Bei der privaten Finanz- und Vermögensplanung ist eine ganzheitliche Betrachtung aller finanziellen Aspekte des „Unternehmens“ Privathaushalt. Sie ist ein systematischer Prozess, der helfen soll, finanzielle Ziele zu konkretisieren und unter Berücksichtigung der finanziellen, rechtlichen, persönlichen und familiären Ausgangslage sowie externer Rahmenbedingungen optimal zu erreichen.

Wie ein Routenplaner
Eine Finanzplanung ist wie ein Routenplaner. Für den Weg zum Supermarkt werden Sie ihn nicht benötigen. Doch bei einer weiten Reise ist er ein guter Helfer, um möglichst entspannt, ohne Umwege und schnell zum Ziel zu gelangen. Sie müssen ihn – wie auch bei einer Finanzplanung – mit einem Ziel und den Rahmenbedingungen füttern. Soll der Weg der schnellste, kürzeste oder gar der ökonomischste sein? Ist Flexibilität, Individualität, Sicherheit oder Bequemlichkeit wichtig?

Der Routenplaner wird Ihnen die statistisch optimalste Strecke und die dafür geeigneten Fortbewegungsmittel empfehlen. Ob Sie diese nutzen, entscheiden Sie jedoch ganz alleine. Auch die beste Statistik hat ihre Grenzen. So kann der Routenplaner Sie genauso wenig vor Staus schützen wie vor Unwetter oder Pannen. Ob Sie Ihr Ziel in der prognostizierten Zeit erreichen, hängt von der Qualität der Routenplanung und von vielen – oft unkalkulierbaren – Faktoren ab. Der Routenplaner (Finanzplanung) ist „nur“ eine sehr nützliche Orientierung, um Alternativen abzuwägen und Sie auch dann zum Ziel zu führen, wenn der geplante Weg – warum auch immer – gerade nicht oder nur bedingt befahrbar ist.

Fazit
Es wird sie immer geben,  die Welten-/Finanzbummler, die einfach mal so losreisen und stets daran glauben, dass alles schon irgendwie funktionieren und jemand sie im Notfall auffangen wird. Genauso wie die (Selbst-)Zweifler, die alles in Frage stellen, die niemandem glauben und lieber nichts unternehmen, als möglicherweise einen Fehler zu machen.

Finanzplanung ist der Versuch, die eigene Lebensphilosophie und Erwartung mit der Realität in Einklang zu bringen und finanzielle Ziele gezielt und kontrolliert in Angriff zu nehmen. Sie sollte Basis für jede in die Zukunft gerichtete finanzielle Entscheidung sein. Eine gute Finanzplanung kostet Geld. Keine Finanzplanung kannSie  jedoch Vermögen und im schlimmsten Fall Ihre Träume kosten.

Honorarberater Andreas Borsch aus Schwerin ist gelernter Bankkaufmann und seit elf Jahren als Honorarberater für Mandanten in ganz Deutschland tätig. Regelmäßig schreibt er nicht nur Artikel für unsere Zeitung, sondern auch für die Internetseite cashkurs.com von Dirk Müller (Mr. DAX – Börsenprofi, Bestsellerautor, Politikberater). Für die TV-Ratgeberreihen „Markt“ und „Plus-Minus“ stand er ebenfalls schon als Experte zur Verfügung. In unserer Serie will Borsch auch Fragen unserer Leser beantworten. Was passt besser zu meinen Finanzen: Miete oder Eigenheim? Wie kann ich 50 Euro monatlich am besten für mein Kind anlegen? Welche Aktienanlagen sind für welchen Typ geeignet? Diese oder andere Fragen können Leser jetzt per E-Mail stellen unter ratgeber@svz.de.




 

 

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