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Recht und Gesetz

21. November 2017 | 18:43 Uhr

Wohnung : Mietern auf den Zahn fühlen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie finden Privatvermieter aus der Vielzahl der Interessenten den oder die Richtigen?

Wer Haus oder Wohnung privat vermietet, legt Wert auf zuverlässige Mieter. Doch wie finden? Am besten mit einer Mischung aus Bauchgefühl und kühlem Verstand. Im Vorfeld sind ein paar Leitfragen hilfreich. Wie lange will ich vermieten: dauerhaft oder zeitlich begrenzt? Und wen suche ich: Familie, Single, Senior oder Wohngemeinschaft?

Die Antworten geben angehenden Vermietern erste wichtige Hinweise zu Mieterauswahl, Mietvertrag und zur Formulierung der Wohnungsannonce. „Sie kann entsprechend gestaltet werden“, sagt Inka-Marie Storm vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Vermerke wie „als Singlewohnung geeignet“ oder „ruhiges Paar gesucht“, sind ebenso zulässig wie der Hinweis auf ein befristetes Mietverhältnis.

Der Besichtigungstermin bietet Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen der potenziellen Mieter. Der Eigentümer hat das Recht, ihnen auf den Zahn zu fühlen. Schließlich geht es für ihn darum, möglichst solide Hausbewohner zu bekommen. Deshalb erkundigt er sich nach persönlichen Daten, den Familienverhältnissen und dem Einkommen. Wichtig ist zu erfahren, mit wie vielen Leuten der Interessent einziehen will und ob Haustiere gehalten werden. „Diese Dinge muss und darf ich abklären“, betont Storm.

Zum Nachweis der Bonität lässt sich der Immobilienbesitzer mindestens Kontoauszüge und rückwirkende Gehaltszettel vorlegen. Eine Selbstauskunft ist üblich. Zu den weiteren Möglichkeiten gehört die klassische Bonitätsprüfung, meist als Schufa-Auskunft. In Städten mit Wohnungsnot haben Mieter den Nachweis oft schon dabei.

Entgegen landläufiger Meinung hält Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund (DMB) in Berlin generelle Vorbehalte gegenüber Menschen mit niedrigem Einkommen für fehl am Platz. „Hartz IV-Empfänger sind die sichersten Mieter, weil die Arbeitsagentur die Miete direkt zahlt“, meint er. Die erwünschten geordneten finanziellen Verhältnisse wären somit gegeben.

Hat ein Vermieter am Ende die Wahl zwischen mehreren Wunschkandidaten, würden Storm und Ropertz auf Bauchgefühl und Sympathie vertrauen. Ropertz erklärt: „Es ist meine Wohnung, mein Haus. Da will ich keine unsympathischen Leute drin haben.“ Erst recht nicht, wenn Eigentümer und Mieter unter einem Dach leben.

Mietverträge werden in der Regel unbefristet geschlossen. Wer lediglich befristet vermieten will – etwa, weil in drei Jahren die flügge gewordene Tochter einziehen soll – schreibt den Grund für die Befristung ins Papier. Der Vertrag endet automatisch am Ende der vereinbarten Laufzeit. Ohne Angabe solcher Gründe gilt der Vertrag als unbefristeter und „kündigen wird kompliziert“, erläutert Stefan Bentrop vom Verein Privater Bauherrn (VPB). Die Rechtssprechung erwarte von Vermietern ein Vorausdenken von drei bis fünf Jahren.

Die Miete soll die Kosten des Vermieters decken, aber auch Gewinn bringen. Bei Neuvermietungen dürfen Eigentümer im Prinzip so viel Geld verlangen, wie sie wollen: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Über die eigentliche Miete hinaus zahlen die meisten Mieter Betriebskosten. Deren Höhe sollte, wie die Grundmiete, im Vertrag stehen. Der Grund: „Wenn nichts geregelt ist, ist alles mit der Miete abgegolten“, erläutert Bentrop.

Wenn es kracht zwischen Vermieter und Mieter, kennt Stefan Bentrop zunächst nur einen Weg. „Sprecht mal miteinander!“ Der Gang zum Anwalt, womöglich sogar zum Gericht, kann teuer kommen. Wer eine Rechtschutzversicherung in Anspruch nehmen will, sollte den Vertrag vor dem Vermieten der Immobilie abgeschlossen haben. Die Assekuranzen achten erfahrungsgemäß auf das Datum des Mietvertrags.

 

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