Lärm durch Parkett

Ein Wohnungsinhaber muss es hinnehmen, wenn der über ihm lebende Eigentümer den leiseren Teppichboden durch Parkett ersetzt.
Ein Wohnungsinhaber muss es hinnehmen, wenn der über ihm lebende Eigentümer den leiseren Teppichboden durch Parkett ersetzt.

Wenn die Geräusche der Nachbarn nerven: Urteil über Schallschutz in Eigentumswohnungen

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01. März 2015, 13:11 Uhr

Kein Anspruch auf leisen Teppich: Beim Schallschutz in Wohnungen gelten nach einem Austausch des Bodens weiter die Grenzwerte der Bauzeit des Hauses. Der Bundesgerichtshof (BGH) erlaubte Wohnungseigentümer am Freitag, einen Teppich durch Parkett zu ersetzen, auch wenn das Holz mehr Lärm macht. Mit dem Urteil der höchsten deutschen Zivilrichter können auch Mieter nicht darauf hoffen, dass sie die Miete mindern dürfen, wenn sie sich in einer ähnlichen Situation am Parkett ihrer Nachbarn stören.

Ein Rentner-Paar aus Travemünde verlor vor dem BGH in Karlsruhe gegen die über ihm wohnenden neuen Eigentümer. Diese hatten den alten Teppich in einer Wohnanlage aus den 1970er Jahren herausgerissen und mit Parkett ersetzt. Deshalb wurde es lauter in der unteren Wohnung.

Aus Sicht des Landgerichts als untere Instanz war die Belästigung aber noch unter der einst geltenden Trittschallgrenze von 63 Dezibel und damit zumutbar – auch wenn die Schallschutz-Bestimmungen heute sehr viel schärfer sind. Sie liegen inzwischen um 10 Dezibel niedriger. Das sah jetzt auch der BGH so, der damit seine bisherige Rechtsprechung zum Thema fortsetzte (Aktenzeichen: V ZR 73/14).

Voraussetzung ist, dass es mit dem neuen Boden nicht lauter wird, als zur Zeit der Gebäude-Errichtung erlaubt war.

Allerdings können Wohneigentümer durchaus untereinander ein höheres Schallschutz-Niveau vereinbaren – in ihrer sogenannten Gemeinschaftsordnung.

Die Wohnungen der Kläger befinden sich im Maritim-Hochhaus von Travemünde – einer 30-stöckigen Anlage mit Hotel und 320 Appartements. Bei der mündlichen Verhandlung vor dem BGH hatte ihr Anwalt darauf verwiesen, dass beim Bau in den 70er Jahren mit dem hohen Standard mit Teppich geworben wurde. „Die gehobene Ausstattung war verbindlich“, hatte er betont.

Der BGH argumentierte, allein aus dem „besonderen Gepräge“ einer Wohnanlage leite sich kein Anspruch auf einen leiseren Teppichboden ab. Die Auswahl des Bodenbelags betreffe die Gestaltung des Sondereigentums und stehe im Belieben des Eigentümers.

Es sei auch nicht auszuschließen, dass der Teppich in das Hochhaus nur eingebaut wurde, weil es in den 1970er Jahren „schick“ war, so die Vorsitzende BGH-Richterin Christina Stresemann.

Die Anwältin der Beklagten hatte zudem darauf hingewiesen, dass es im Maritim-Hochhaus schon 53 Wohnungen gebe, die Fliesen, Parkett oder Laminat hätten.

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