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Recht und Gesetz

23. Oktober 2017 | 13:52 Uhr

Fahrerflucht : Ich bin dann mal weg

vom
Aus der Onlineredaktion

Es ist ärgerlich und kann schwerwiegende Folgen haben: Ein Unfall geschieht und der Schuldige haut ab

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Außenspiegel ab, Kratzer in der Tür, Rücklicht kaputt. Der Schaden am Auto ist meist eher klein, der Ärger aber riesengroß, wenn sich der Schuldige aus dem Staub macht. Unfälle mit Fahrerflucht sind längst ein Massendelikt, ein Dauerproblem und nehmen aus Sicht mancher Polizeipräsidien in Großstädten sogar zu.

Die Bandbreite dabei ist riesig: Kleinere Blechschäden machen den Löwenanteil der Fahrerflucht-Unfälle aus, mit denen es die Polizei zu tun hat. Sehr viel seltener – aber umso tragischer – sind Unfälle, bei denen der Verursacher Verletzte oder gar Tote zurücklässt.

Während nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl von schweren Unfällen mit Sachschaden in den letzten mehr als 25 Jahren deutschlandweit drastisch gesunken ist, steigt der Anteil von Unfallflüchtigen daran leicht. So zählten die Statistiker 1991 rund 440 000 dieser schwerwiegenden Unfälle mit Sachschaden. Unfallflucht spielte in 8,3 Prozent dieser Fälle eine Rolle. Im vergangenen Jahr waren es nur noch gut 130 000 Unfälle dieser Art, in 10,6 Prozent der Fälle aber floh einer der Beteiligten. Bei Unfällen mit Fahrerflucht, bei denen jemand verletzt oder gar getötet wurde, blieb die Quote der Flüchtigen konstant bei 4,5 Prozent.

Zahlen für alle Unfälle mit Fahrerflucht deutschlandweit gibt es schlichtweg nicht, das sagen auch Bundesverkehrsministerium, Bundesjustizministerium, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) oder der Auto Club Europa (ACE). Schon gar nicht solche, die gleichzeitig auch das gestiegene Verkehrsaufkommen berücksichtigen.

Vor drei Jahren hatte der ACE die Angaben von Polizeibehörden verschiedener Bundesländer ausgewertet und schätzte die Zahl angezeigter Fluchtdelikte auf jährlich rund 500 000 – ohne Dunkelziffer, denn längst nicht jeder Kratzer wird angezeigt. „Hat ja keinen Sinn, die Polizei findet die Leute ja doch nicht“, sagt etwa ein 53-Jähriger, der seit 35 Jahren Auto fährt und mindestens siebenmal Opfer von Unfallflucht war. Er fährt dann den Wagen in die Werkstatt, lässt den Spiegel ersetzen, den Kratzer polieren. „Haken dran“, sagt er, „so ist der Aufwand am geringsten.“

Tatsächlich ist die Aufklärungsquote bescheiden, vor allem bei kleinen Blechschäden. Je nach Region oder Bundesland schwankt sie zwischen 20 und knapp unter 50 Prozent. Meist gibt es nur wenige Spuren und mangels Verhältnismäßigkeit dann wenig Bereitschaft vom Staatsanwalt, etwa ein Gutachten zu beantragen, erläutern Unfallermittlungsbeamte. Keinen Spaß verstehen Polizei und Staatsanwaltschaft aber, wenn Menschen schwer zu Schaden kommen oder gar sterben. „Ich kann mich an keinen Fall der letzten 20 Jahre erinnern, der da nicht aufgeklärt worden wäre“, sagt Rieger. Die Verkehrsopferhilfe, eine Einrichtung der deutschen Autohaftpflichtversicherer, nimmt sich nach Angaben eines Sprechers jährlich rund 200 solcher besonders schwerwiegender Unfallflucht-Delikte an.


 

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