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Recht und Gesetz

24. November 2017 | 01:09 Uhr

Urlaub : Frust und Nervenkrieg am Flieger

vom
Aus der Onlineredaktion

Verspätungen, 11 448 Flugausfälle und Gepäckverluste. Service der Billigairlines durch Konkurrenzdruck oft schlecht

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Endlich Ferienzeit, endlich Urlaub. Doch wer das Flugzeug nehmen will, um vor dem Regen in die Sonne zu flüchten, muss sich immer häufiger auf Probleme und Chaos gefasst machen: Die Zahl der Verspätungen, Flugausfälle und Gepäckverluste hat zugenommen. 11 448 Verbindungen wurden in diesem Jahr bis zum 27. Juli gestrichen. Das waren rund 1500 mehr als im Vorjahreszeitraum, wie aus Daten hervorgeht, die das Fluggastrechteportal „EU-Claim“ für unsere Redaktion zusammengestellt hat.

Bei der Zahl der Verspätungen von mehr als drei Stunden ging es um gut 200 Fälle auf 3011 nach oben. Hauptursachen für die Streichungen und Verzögerungen in diesem Jahr seien die großen Probleme von Air Berlin und der Streik an den Berliner Flughäfen im März gewesen, erklärte EU-Claim-Expertin Jasmin Dienstel. „Die Verzögerungen nehmen aber schon seit Jahren zu.“

Frust und Nervenkrieg statt Entspannung über den Wolken und ungetrübte Vorfreude auf Sonne und Meer: Besonders die Kunden der Fluglinie Air Berlin werden oft auf die Geduldsprobe gestellt. 3640 Mal blieben Maschinen der Problem-Airline in diesem Jahr laut den EU-Claim-Daten schon am Boden – dreimal so häufig wie im Vorjahr. 470 Verbindungen wurden alleine im Juli annulliert, plus 42 Verspätungen.

Hinzu kommt das Gepäck-Chaos: Oft sind Koffer und Taschen längst aufgegeben, wenn der Flug gestrichen wird. Manchmal geht das Gepäck wie durch Geisterhand verloren. „Liebe AirBerlin. Wie verliert man auf einem Inlandsflug ohne Umsteigen einen Koffer?“, fragte Show-Legende Frank Elstner kürzlich auf Twitter, als er ohne sein Gepäck in Berlin gelandet war.

Kein Einzelfall. Nicht nur, aber vor allem am Flughafen Tegel bilden sich immer wieder irrwitzige Schlangen vor den Gepäckschaltern, versuchen Hunderte von Passagieren gleichzeitig, an ihre verschwundenen Koffer zu kommen, warten stundenlang. Den Ärger bekommt dann der Bodendienstleister „Wisag“ zu spüren, der für den Lost&Found-Bereich zuständig ist.

Verantwortlich für die Misere ist indes der Konkurrent „AeroGround“, der für Air Berlin den Bodenservice leistet – oder eben nicht. Nachdem die Airline im März zu „AeroGround“ gewechselt war, ging es bergab und das Chaos brach aus – mit Auswirkungen auf ganz Deutschland.

Robert Hengster, bei der Gewerkschaft Verdi für den Luftverkehrsbereich zuständig, sieht die Verantwortlichen in Brüssel: Die EU-Kommission erzwinge eine Öffnung des Marktes und habe einen brutalen Konkurrenzkampf der Airlines in Gang gesetzt.

Was tun bei Gepäckverlust und Co?
Die Rechte und Möglichkeiten geschädigter Passagiere:

Verspätung: Wer das Endziel seiner Reise mit mehr als drei Stunden Flugverspätung erreicht, hat einen Anspruch auf bis zu 600 Euro Entschädigung von der Fluglinie. Es dürfen dann allerdings keine außergewöhnlichen Umstände – etwa extreme Wetterlagen – vorliegen. Das Recht gilt auch für nichteuropäische Airlines, wenn der Start innerhalb der EU lag. Die Entschädigungssumme richtet sich nach der Reiseentfernung. Bei bis zu 1500 Kilometern sind es maximal 250 Euro, bei bis zu 3500 Kilometern 400 Euro, darüber hinaus können 600 Euro Entschädigung fällig werden. Um das Geld zu erhalten, muss man sich an die Fluggesellschaft wenden. Es gibt indes auch Verbraucherportale wie „EU-Claim“ oder „FairPlane“ sowie Schlichtungsstellen wie „SOEP“, die Kunden dabei helfen, zu ihrem Recht zu kommen.

Flugausfall: Zu den Ansprüchen zählen die Erstattung des Tickets oder eine Ersatzbeförderung, eine finanzielle Entschädigung sowie eine Betreuung am Flughafen. Die Ansprüche gelten nicht, wenn die Airline 14 Tage zuvor über die Annullierung informiert hat oder außergewöhnliche Umstände zum Ausfall geführt haben. Der Entschädigungsanspruch ist der gleiche wie bei Verspätungen. Sollte durch den Flugausfall eine Übernachtung erforderlich sein, hat der Kunde Anrecht auf eine Hotelübernachtung auf Kosten der Airline.

Gepäckverlust: Taucht der Koffer nach der Landung nicht auf, muss der Verlust noch auf dem Zielflughalten bei der Airline oder dem Reiseveranstalter angezeigt werden. Dies kann am „Lost & Found“-Schalter unter Vorlage des Tickets erfolgen. Anschließend muss der Verlust binnen sieben Tagen schriftlich – am besten per Fax oder Einschreiben – bei der Airline oder dem Reiseveranstalter angezeigt werden. Eine mündliche Mitteilung genügt nicht. Das gilt auch, wenn nur einzelne Gegenstände fehlen, die im Gepäck waren. Der Umfang des Schadens sollte detailliert aufgelistet werden. Die Haftung des Veranstalters beziehungsweise der Fluggesellschaft ist auf derzeit 1369 Euro begrenzt – mehr gibt es demnach nicht. Die gleiche Höchstsumme gilt für die Beschädigung des Gepäcks.

Verspätung des Koffers: Kommt das Gepäck mit Verspätung doch noch an, können Kunden von Pauschalreisen den Reisepreis mindern. Pro Tag ohne Koffer können 25 Prozent des Tagesreisepreises geltend gemacht werden. Dafür muss die Anzeige über das nicht vorhandene Gepäck von Zeugen bestätigt und unverzüglich beim Veranstalter gemeldet werden.

 

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