Reform : Deftige Betriebskosten und hohe Mieten

Die Ausgaben für Heizen, Warmwasser und Co.  sind längst zur „zweiten Miete“ geworden.
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Die Ausgaben für Heizen, Warmwasser und Co. sind längst zur „zweiten Miete“ geworden.

Ausgaben für Heizen, Warmwasser und Co. sind längst zur „zweiten Miete“ geworden / Kommt jetzt Entlastung?

svz.de von
01. Juli 2014, 16:57 Uhr

Hohe Mieten, deftige Betriebskostenabrechnung: Vielerorts müssen Mieter fürs Wohnen tief in die Tasche greifen. Die Bundesregierung hat Entlastungen geplant, doch es hagelt Kritik.

Was ist die „zweite

Miete“? Damit sind die Betriebskosten gemeint, die Mieter neben der regulären monatlichen Miete bezahlen müssen. Darunter fallen „warme Betriebskosten“ wie etwa Heizung und Warmwasser oder „kalte Betriebskosten“ – dazu gehören unter anderem Abwasser, Grundsteuer, Müllbeseitigung, Versicherungen oder Gartenpflege. Da diese Kosten inzwischen einen beträchtlichen Teil der Gesamtwohnkosten ausmachen, wird häufig von „zweiter Miete“ gesprochen.

Darf der Vermieter

alle möglichen

anfallenden Kosten

umlegen? Nein. Dies ist gesetzlich geregelt – unter anderem in der Betriebskostenverordnung. Vor allem muss der Vermieter den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und bestimmte Fristen beachten. Streit über die Richtigkeit der Betriebskostenabrechnung beschäftigt die Gerichte immer wieder.

Wie hoch sind die

Betriebskosten im

Schnitt? Nach neuesten Daten des Deutschen Mieterbunds müssen Mieter in Deutschland 2,20 Euro pro Quadratmeter im Monat an Betriebskosten aufwenden. Rechnet man alle denkbaren Posten zusammen, sind es 3,19 Euro pro Quadratmeter im Monat, wie aus Daten für das Abrechnungsjahr 2012 hervorgeht.

2013 dürften die Betriebskosten nach Einschätzung des Mieterbundes gestiegen sein. Steigende Nebenkosten tragen nach Einschätzung des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) derzeit stärker zu höheren Wohnkosten bei als der Anstieg der Mieten.

Den größten Anteil

der Betriebskosten

machen Heizen und

Warmwasser aus –

woran liegt das? In den vergangenen Jahren gab es bei den Energiekosten eigentlich nur eine Richtung: nach oben. Zuletzt waren die Preise jedoch weitgehend stabil. Damit wird das Wetter für die rund 21 Millionen Mieterhaushalte zum entscheidenden Faktor für die Energiekosten. Während der vergangene Winter verhältnismäßig warm war, war es im Jahr zuvor bitterkalt, so dass die Heizungen teilweise bis Mai liefen. Die Kombination aus verhältnismäßig hohen Vorauszahlungen und niedrigem Verbrauch dürfte in diesem Jahr viele Mieter auf Erstattungen hoffen lassen. Für die Zukunft ist dies aber keine Garantie. Risiken auf den Energiemärkten gibt es vor allem angesichts der Krisenherde Irak und Ukraine.

Was plant die

Bundesregierung zur Entlastung

der Mieter? Die Pläne von Schwarz-Rot zielen vor allem auf die Mietpreisentwicklung ab. Daher soll es eine „Mietpreisbremse“ geben. Künftig ist geplant, dass die neue Miete in angespannten Märkten maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen darf. Wer bisher schon mehr verlangte, soll das aber weiterhin tun dürfen. Zudem sind neu errichtete und umfassend modernisierte Wohnungen ausgenommen. Die angespannten Märkte sollen die Länder selbst ausweisen.

Aus der Union und von Hauseigentümern wurde erneut Kritik an den Plänen laut, etwa dass sie zu wenig praxistauglich seien. In Kraft treten sollen die neuen Regeln im kommenden Jahr.

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