zur Navigation springen
Recht und Gesetz

12. Dezember 2017 | 20:40 Uhr

Geld-Serie : Betongold – Glück oder Last?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil 10: Das eigene Heim als Geldanlage – diese Rechnung kann schnell nach hinten losgehen / Tipps und Beispielrechnungen

svz.de von
erstellt am 21.Sep.2014 | 21:00 Uhr

Die Krise in Europa geht weiter. Scheitert der Euro? Gibt es eine starke Inflation? Geld war noch nie so billig wie heute. Es ist nicht verwunderlich, dass wir Deutschen deshalb den eigenen vier Wänden sehr zugeneigt sind. Aber ist das Eigenheim wirklich die beste Geldanlage? Ähnlich einer Eheschließung ist die Anschaffung eines eigenen Heimes eine Lebensentscheidung, ein Schritt, den man auf keinen Fall bereuen möchte. Der sich auf keinen Fall ungeschehen machen lässt. Und der das eigene Glück bedrohen oder begründen kann.

Wünsche: Was wollen Sie wirklich? Ja, Eigentum kann als ein Teil der Altersversorgung verstanden werden. Und ja, Sie können im Eigentum so ziemlich tun und lassen, was sie wollen. Aber: Auch wenn Ihre ganze Umgebung, Ihre Hausbank und die ganze Welt behauptet, Immobilieneigentum wäre todsicher und Sie wären schlecht beraten, sich jetzt nichts anzuschaffen – alle Sinnhaftigkeit nutzt Ihnen nicht, wenn Sie insgeheim keine Lust haben, die Verantwortung, die mit dem Eigentum untrennbar einhergeht, wahrzunehmen.

Mögen Sie keine Gartenarbeit, so sollten Sie sich kein Grundstück ans Bein binden – oder gleich den Gärtner mitkalkulieren. Lieben Sie es, Ihren Vermieter wegen eines tropfenden Wasserhahns anzurufen – so sollten Sie sich kein eigenes Bad kaufen. Hassen Sie es, den Gehsteig zu kehren und Böden zu putzen – so sollten Sie sich auch kein Haus mit 150 Quadratmeter Wohnfläche anschaffen.

Kriterien: Jede Geldanlage wird nach drei Kriterien beurteilt. Liquidität (Wie schnell komme ich an mein Geld), Sicherheit (Bekomme ich mein eingesetztes Kapital garantiert zurück?) und Rendite (Um wie viel Prozent wächst mein eingesetztes Geld pro Jahr?).

Rechnung: Stellen Sie sich vor, Sie verfügen über 250 000 Euro. Stecken Sie das Geld nicht in ein Haus, sondern legen es 30 Jahre für 3 Prozent an, erhalten Sie nach Steuerabzug 5625 Euro Zinsen pro Jahr bzw. 470 Euro pro Monat. Wenn die Kaltmiete für Ihre jetzige Wohnung unter 470 Euro liegt, machen Sie Verlust, liegt sie höher, dann Gewinn. Vorausgesetzt, die Zinsen für meine Geldanlage steigen während der 30 Jahre nicht.

In den meisten Fällen jedoch wird der Hausbau/-kauf finanziert. Dann geht die Rechnung schnell nach hinten los, denn jetzt müssen Sie die höheren Kreditzinsen für den Vergleich heranziehen. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren, einem Kreditzins von 3,5 Prozent und einer Tilgung von 2 Prozent pro Jahr zahlen Sie eine monatliche Rate von 1146 Euro (davon durchschnittlich 545 Euro Zinsen). Nach 20 Jahren haben Sie 275 000 Euro ausgegeben und noch 105 000 Euro Schulden. Ihr Haus hat bis dahin schon 380 000 Euro gekostet und bedarf damit einer jährlichen Wertsteigerung von mind. 2,12 Prozent, damit Sie nach 20 Jahren eine Null schreiben.

Die Kauf-Nebenkosten für den Makler, Grundbuch, Notar und die Grunderwerbsteuer, die schnell mehr als 25 000 Euro betragen können, sind in diese Rechnung noch gar nicht einbezogen.

Auch die Kosten, die bisher Ihr Vermieter tragen musste, wie die jährliche Grundsteuer, Wartung der Heizung, Instandhaltungskosten und die Gebäudeversicherung für das Haus belasten nun Ihr Haushaltskonto und zusätzlich die obige Rechnung erheblich.

Fazit: Ist das Eigenheim also eine Geldanlage? Nein!

Verstehen Sie mich nicht falsch. Wohneigentum ist ein Traum vieler Menschen. Es bedeutet für Viele Freiheit und Selbstverwirklichung. Letztendlich ist es jedoch wie ein Cabrio, eine Weltreise oder ein neues Smartphone – ein Luxus.

Der bei einer Baufinanzierung zu zahlende Tilgungsanteil bedeutet für Sie zusätzlichen Konsumverzicht, wenn Sie nicht schon in den Jahren zuvor diese Gelder nachhaltig ansparen konnten.

Wie ein Ehepartner später bereuen kann, die eigene Karriere zugunsten des anderen geopfert zu haben, so kann es auch sein, dass Sie in 15 Jahren bereuen, die letzten 15 Jahre wegen der Kreditraten keinen Urlaub gemacht zu haben.

Haben Sie alle Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen und fühlt sich der Gedanke an ein Haus wie Verliebtsein an, dann sollten Sie Ihren Traum von den „eigenen vier Wänden“ in Angriff nehmen. Wenn nicht, lassen Sie es. Egal was andere sagen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen