zur Navigation springen
Recht und Gesetz

20. Oktober 2017 | 03:46 Uhr

Lebensversicherung : Aus für Garantiezins

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die gute Rendite war das Verkaufsargument für den Altersvorsorgeklassiker Lebensversicherung – das ist bald vorbei.

Die klassische Kapitallebensversicherung mit Garantiezins steht vor dem Aus: Künftig soll der bisher für alle Lebensversicherer verbindliche Zins nur noch für einige kleine Assekuranzen gelten. Größeren Unternehmen will das Bundesfinanzministerium den Zins, mit dem Kunden sicher rechnen können, laut Referentenentwurf nicht mehr vorgeben. Dies gilt nur für Neuverträge.

Was ist Garantiezins?

Mit dem Garantiezins können Besitzer von Kapitallebensversicherungen nach Abzug der Vertragskosten sicher rechnen. Ein Großteil der mehr als 90 Millionen Verträge des Altersvorsorgeklassikers basiert auf diesem Modell. Die Höhe wird bisher vom Bundesfinanzministerium auf Empfehlungen von Versicherungsmathematikern und der Finanzaufsicht Bafin festgelegt. Die Änderungen gelten jeweils nur für Neuverträge. Assekuranzen dürfen den Kunden weniger bieten, aber nicht mehr. Sie sollen so ihre langfristigen Versprechen auch in der Zukunft erfüllen können. Die garantierte Rendite – auch Höchstrechnungszins genannt – ist angesichts der Niedrigzinsen am Kapitalmarkt von einst 4,00 Prozent auf mittlerweile 1,25 Prozent gesunken. Daneben gibt es weitere Renditekomponenten, beispielsweise die Überschussbeteiligung, über die die Unternehmen jedes Jahr neu entscheiden.

Warum will die Regierung den Garantiezins nicht mehr vorgeben?

Das Bundesfinanzministerium verweist auf die schärferen Eigenkapitalvorschriften „Solvency II“ ab Anfang 2016, mit denen die Versicherungsbranche krisenfester gemacht werden soll. Danach müssen Versicherer für langfristige Versprechen an Kunden wie den Garantiezins mehr Eigenmittel zurücklegen. Der bisherige Höchstrechnungszins werde für Zwecke der Aufsicht nicht mehr benötigt, heißt es im Finanzministerium. Versicherer könnten aber weiterhin Garantieversprechen abgeben.

Lohnt sich die Lebensversicherung für die Altersvorsorge noch?

Ohne einen Garantiezins macht die Lebensversicherung als Altersvorsorge aus Sicht des Bundes der Versicherten keinen Sinn mehr. „Der Garantiezins war der Hauptgrund dafür, dass es immer noch rund 90 Millionen Verträge in Deutschland gibt“, sagt Sprecherin Bianca Boss. Als Schutz vor finanziellen Risiken durch den Todesfall reiche eine Risiko-Lebensversicherung völlig aus. Sie ist deutlich günstiger als eine kapitalbildende Lebensversicherung, da sie nur den Todesfall absichert und die eingezahlten Beiträge nicht erstattet werden. Die Versicherer argumentieren hingegen, dass neue Lebensversicherungen mit einer flexiblen Verzinsung sogar mehr Gewinn abwerfen können als die klassischen Verträge.

Sollte man alte Lebensversicherungen nun besser kündigen?

Der Bund der Versicherten warnt vor Hysterie: Denn bestehende Versicherungsverträge, in denen ein Garantiezins zugesagt wird, sind von der geplanten Neuerung nicht betroffen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen