Ruhezeiten auf Friedhöfen : Was mit alten Gräbern, Gebeinen und Grabsteinen passiert

Grabstellen werden in Deutschland zwischen sechs und 20 Jahren genutzt, bevor sie erneut vergeben werden.
Grabstellen werden in Deutschland zwischen sechs und 20 Jahren genutzt, bevor sie erneut vergeben werden.

Wie lange besteht ein Grab? Und was passiert mit den Knochen oder dem Grabstein? Ein Überblick mit Fragen und Antworten.

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06. August 2019, 19:21 Uhr

Hamburg | Eine Grabstätte wird für eine bestimmte Zeit genutzt, nicht fest gekauft. Für das sogenannte Grabnutzungsrecht fallen Gebühren an, deren Höhe regional stark schwanken kann. Grundsätzlich gibt es zwei Grabarten: Das Reihengrab wird vom Friedhof zugeteilt, beim teureren Wahlgrab können Angehörige zwischen vorgegebenen Flächen wählen. (Weiterlesen: Kostenfalle Pflegeheim – So viel kostet der Aufenthalt im Monat)

Was passiert nach einer Beerdigung?

Nach der Beerdigung müssen die sterblichen Überreste eines Menschen für mehrere Jahre im Grab bleiben. Für Sarg- und Urnenbestattungen gelten sogenannte Mindestruhezeiten. Die Ruhezeit beginnt mit der Erdbestattung oder Urnenbeisetzung und wird durch eine Umbettung nicht unterbrochen. Die Ruhezeit hat zwei Funktionen:

  • in diesem Zeitraum soll der Leichnam vollständig zersetzt sein und
  • sie dient der kulturell geprägten Totenruhe und Trauerzeit.

Vor Ablauf der Ruhezeit darf in einem Grab keine weitere Erdbestattung stattfinden. Nur in Ausnahmefällen und mit amtlicher Genehmigung ist es möglich, den Leichnam während der Ruhezeit in ein anderes Grab umzubetten.

Um Grabsteine müssen sich Angehörige nach dem Ende der Ruhezeit selbst kümmern. Foto: dpa/Swen Pförtner
dpa/Swen Pförtner
Um Grabsteine müssen sich Angehörige nach dem Ende der Ruhezeit selbst kümmern. Foto: dpa/Swen Pförtner


Wie lange dauert die Ruhezeit?

Die Bestattungs- und Friedhofsgesetze der einzelnen Bundesländer regeln die Mindestruhezeiten. In den Nordländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen beträgt sie für Erdgräber zwischen 20 und 30 Jahre. Außerdem variieren die Ruhezeiten je nach Art des Grabs und der Bodenbeschaffenheit des Friedhofs. (Weiterlesen: Diagnose Demenz – Hier finden Angehörige Hilfe)

Was passiert nach Ende der Ruhezeit?

Das Nutzungsrecht von Wahlgräbern können Angehörige verlängern, Reihengräber müssen eingeebnet werden. In der Regel räumen von Angehörigen beauftragte Fachbetriebe, zum Beispiel Steinmetze, das Grab mit einem kleinen Bagger und ebnen es ein. Bevor die Grabstätte neu vergeben wird, muss sie nach der Einebnung noch ruhen, damit die Erde absinken kann. Danach werden sie neu zugeteilt und zur Anlaufstelle für neue Trauernde.

Was passiert mit Knochen und anderen Überresten?

Trotz der langen Ruhezeit kann es vorkommen, dass beim Auflösen des Grabes einzelne Knochen zum Vorschein kommen. Die Friedhofsgärtner achten meist darauf, dass andere Friedhofsgänger davon möglichst nichts mitbekommen.

So vorsichtig gehen in der Regel nur Archäologen mit Gebeinen um. Friedhofsgärtner bemühen sich dagegen um Diskretion. Archivfoto: dpa/Jens Wolf
dpa/Jens Wolf
So vorsichtig gehen in der Regel nur Archäologen mit Gebeinen um. Friedhofsgärtner bemühen sich dagegen um Diskretion. Archivfoto: dpa/Jens Wolf


Die Knochen und sonstige Überreste werden sortiert und am Boden des Grabes oder an einer gesonderten Stelle des Friedhofs vergraben. Angehörige müssen darüber nicht informiert werden.

Was passiert mit dem Grabstein?

Um wertvollen Grabschmuck müssen sich ebenfalls die Angehörigen kümmern. Sie entscheiden auch darüber, was mit dem Grabstein passiert. Dabei gibt es unter anderem diese Optionen:

  • behalten und auf privatem Grund als Andenken aufstellen
  • behalten und umfunktionieren, zum Beispiel als Tischplatte
  • behalten und für ein weiteres Grab umarbeiten lassen
  • ein Unternehmen mit der Entsorgung beauftragen. Dann wird der Stein zerkleinert und kommt im Straßen- oder Landschaftsbau zum Einsatz.

Auch für die Entsorgung eines Grabsteins fallen Gebühren an. Wenn Angehörige die Gemeinde mit der Räumung des Grabes beauftragen, entscheidet diese, was mit dem Grabstein passiert.

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