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Wie man das Kind auf ein Geschwisterchen vorbereitet : Raus aus dem Paradies

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Das Kind ist kein Säugling mehr und aus dem Gröbsten raus: Für viele Eltern ein guter Zeitpunkt, um ein zweites Kind zu planen. Doch wie bereitet man das Kind auf ein Geschwisterchen vor?

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2012 | 10:21 Uhr

Das Kind ist kein Säugling mehr und aus dem Gröbsten raus: Für viele Eltern ein guter Zeitpunkt, um ein zweites Kind zu planen. Vielen stellt sich dann die Frage, wie und wann sie ihren Sohn oder ihre Tochter am besten auf das Geschwisterchen vorbereiten. Denn mit der ungeteilten Aufmerksamkeit der Eltern ist es erstmal vorbei, wenn zwei Kinder nach Mama schreien. "Das ist für das eine oder andere Erstgeborene wie die Vertreibung aus dem Paradies", sagt Hans Dusolt, Leiter der Caritas-Familienberatungsstelle in München. Das Kind schon während der Schwangerschaft zu seinem Verbündeten zu machen, kann Eltern helfen, die Situation zu entspannen.

Am meisten Sorgen machten sich Eltern darüber, dass ihr Kind den jüngeren Bruder oder die jüngere Schwester nicht gernhaben und eifersüchtig sein wird, sagt Beate Friese vom Elterntelefon "Nummer gegen Kummer" in Wuppertal. "Diese Reaktionen kann es in der Tat geben. Allerdings kann man das ältere Kind gut auf die neue Situation vorbereiten."

Allzu früh sollte man dem Sohn oder der Tochter allerdings nicht sagen, dass Nachwuchs unterwegs ist. "Man sollte die erste Zeit der Schwangerschaft abwarten, bis kein größeres Risiko wie das einer Fehlgeburt besteht", rät Andreas Böhmelt, Familienpsychologe in Münster. Sonst müssten Eltern dem Kind erklären, warum nun erst einmal doch kein Nachwuchs kommt. "Am besten sagen Eltern ganz klar: Ich muss dir etwas ganz Wichtiges sagen. Wie du vielleicht schon bemerkt hast, wird mein Bauch dicker. Das liegt daran, dass da ein Kind drin wächst."

Viel mehr müssen Eltern bei diesem ersten Gespräch erst einmal nicht sagen. "Es ist wichtig, das Kind nicht sofort mit zu vielen Informationen zu überhäufen", sagt Friese. Zuerst reiche die Tatsache, dass ein Kind unterwegs ist und man sich darauf freue.

Wichtig sei, dass Eltern den Sohn oder die Tochter in die Schwangerschaft miteinbeziehen. Sie können etwa sagen: "Schau mal, mein Bauch wird immer dicker! Magst du ihn mal anfassen?", "Möchtest du mit mir Kleidung für das Baby kaufen gehen?" oder "Ich gehe morgen für eine Untersuchung zum Arzt. Möchtest du mitkommen?". Das alles zeige dem Kind, dass es nicht plötzlich hinten anstehe.

Dabei kommt es jedoch auf die richtige Balance an, denn Eltern können es mit ihrer Aufmerksamkeit auch übertreiben. "Das Kind muss gelernt haben, auch mal alleine zu spielen, ohne dass die Mutter oder der Vater ständig danebensitzen", sagt Diplompsychologe Dusolt.

Dennoch kann es das Erstgeborene verunsichern, wenn ein zweites Kind unterwegs ist. "Eltern müssen klarmachen und sagen, dass sie das ältere Kind jetzt noch genauso gern haben wie bisher", sagt Böhmelt, Mitglied des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Gut sei auch, ihm die positiven Veränderungen zu zeigen, die mit einem kleineren Geschwisterchen einhergehen. "Du hast eine tolle Rolle: Du bist dann der ältere Bruder oder die ältere Schwester, du kannst schon vieles, was das Baby auch noch von dir lernen kann."

Eltern dürften allerdings auch nicht zu viel von sich erwarten.

"Man kann seine Zeit und seine Energie nicht verdoppeln, wenn man zwei Kinder hat", sagt Caritasmitarbeiter Dusolt. Daher könnten sie nicht immer vermeiden, dass das Erstgeborene nach der Geburt eines Geschwisterchens auch mal zurückstecken müsse.

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