zur Navigation springen
Ratgeber

22. November 2017 | 10:30 Uhr

Pflegestufen hängen nicht vom Alter ab

vom

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2012 | 10:00 Uhr

Nach einem schweren Berufsunfall liegt mein Mann noch in der Klinik, muss dann zur Reha. Danach kann er nicht in unser Haus zurück, weil es total umgebaut werden müsste. Wie soll es weitergehen?

Nehmen Sie eine Pflegeberatung in Anspruch, um gemeinsam die nächsten Schritte im Sinne Ihres Mannes zu planen. Da die meisten Pflegeeinrichtungen in Schwerin über Warteleisten verfügen, wäre eine Kurzzeitpflege für Ihren Mann nach der Reha angebracht. Somit gewinnen Sie erst einmal bis zu 28 Tage Zeit, um gegebenenfalls Wartezeiten zu überbrücken.

Ich plane, ins Heim zu gehen. Was ist, wenn mein Einkommen und Vermögen für die Heimkosten aufgebraucht sind? Wie viel Geld darf man für die eigene Beerdigung zurückbehalten?

Wenn Ihr eigenes Geld nicht mehr ausreicht, um die Heimkosten zu bezahlen, springt das Sozialamt ein. Das wiederum prüft, ob eventuell Kinder für die Begleichung der Kosten hinzugezogen werden können. Was als Selbstbehalt beispielsweise für die Bestattung zurückgehalten werden kann, erfahren Sie bei Ihrem Sozialamt.

Wir sind 75 Jahre alt und wollen unser Haus verkaufen, um in eine Senioreneinrichtung zu ziehen. Eine Pflegestufe haben wir noch nicht. Müssen wir das Geld für den Hausverkauf für die Heimkosten einsetzen?

Ja. Ohne Pflegestufen bezahlen Sie die Heimplätze komplett aus eigener Tasche. Dafür müssen Sie Ihr Einkommen und Ihr Vermögen verwenden. Kommt eine Pflegestufe dazu, wird ein Teil der Kosten von der Pflegekasse getragen.

Mein Vater ist sehr krank, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich, und ich möchte meine Arbeit unterbrechen, um ihn zu pflegen. Dafür soll es jetzt ja auch Geld geben. Stimmt das?

Ja. Das regelt das neue Gesetz zur Familienpflegezeit. Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeit maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden wöchentlich reduzieren. Wenn Sie beispielsweise nur noch die Hälfte der üblichen Arbeitszeit arbeiten, können Sie aber 75 Prozent Ihres vollen Gehalts als Entgelt bekommen. Ihr Arbeitgeber stockt das Gehalt quasi auf. Allerdings müssen Sie nach Ende der Pflegephase diesen Vorschuss wieder zurückzahlen. Das geschieht, indem Sie dann voll arbeiten und weiterhin nur 75 Prozent Monatslohn erhalten, bis alles wieder ausgeglichen ist. Doch Ihr Chef muss mitspielen und damit einverstanden sein. Und Sie müssen während der Familienpflegezeit eine spezielle Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, um das Risiko für Ihren Arbeitnehmer zu minimieren. Diese Policen haben geringe Beiträge. Während Sie Ihren Vater pflegen, bleiben Sie sozialversichert.

Meine Mutter ist derzeit in Kurzzeitpflege in einer Einrichtung und soll nun nicht mehr nach Hause. Was kann ich machen?

Fragen Sie zunächst in der Einrichtung, in der Ihre Mutter derzeit gepflegt wird nach, ob Ihre Mutter eventuell vollstationär aufgenommen werden kann. Wenn nichts frei ist, lassen Sie sich von der Pflegekasse Ihrer Mutter eine Liste jener Heime geben, die in der Nähe sind. Oder aber nutzen Sie unter www.pflegeheim-navigator.de bzw. unter www.pflege lotse.de einen so genannten Pflege-Navigator, in dem die in Ihrer Wohnortnähe befindlichen Heime aufgelistet sind - mit Pflegeleistungen, besonderen Angeboten und Kostenstrukturen.

Was zahlt die Kasse dazu, wenn wir für unseren Vater das Bad umbauen lassen?

Vorausgesetzt, Ihr Vater hat eine Pflegestufe, dann kann er für den Badumbau einen Zuschuss für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen bekommen. Der beträgt maximal 2557 Euro. Der entsprechende Antrag kann formlos bei der Pflegekasse gestellt werden.

Gibt es auch Unterstützung von der Pflegkasse für jemanden wie meine Mutter? Sie ist dement, hat aber keine Pflegestufe.

Wenn Ihre Mutter eine Demenzerkrankung hat, kann sie Betreuungsbedarf bis zu 2400 Euro im Jahr für zusätzliche Betreuungsleisten nutzen. Wer wie viel Geld bekommt, empfiehlt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) für Kassenpatienten oder Medicproof für Privatversicherte nach einer Begutachtung des Betroffenen. Anspruch haben auch jene Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, die noch keine Pflegestufe haben. Die bewilligte Leistung ist ein Zuschuss, der zweckgebunden nur für gesetzlich normierte Sachleistungsangebote in Betracht kommt wie beispielsweise familienentlastende Dienste, Betreuungsgruppen und stundenweise Entlastung betreuender Angehöriger. Je nach Betreuungsaufwand werden Kosten in Höhe von 100 oder 200 Euro monatlich erstattet.

Ich bin 91 Jahre alt, habe diverse Erkrankungen und benötige täglich sehr viel Hilfe, die ich aus eigener Tasche bezahle. Wie bekomme ich eine Pflegestufe und Pflegegeld?

Zunächst einmal: Die Erteilung einer Pflegestufe hängt nicht vom Alter ab. Vielmehr ist der reale Hilfebedarf ausschlaggebend. Bei Pflegestufe I muss beispielsweise der durchschnittliche Hilfebedarf am Tag mindestens 90 Minuten betragen, davon müssen mehr als 45 Minuten auf die so genannte Grundpflege entfallen. Dazu zählt die Nahrungsaufnahme, Mobilität und die Körperpflege.

Ich bin privat versichert, werde demnächst operiert und danach Hilfe benötigen. Eine Pflegestufe kommt ja erst nach sechsmonatiger Hilfebedürftigkeit infrage. Wie kann ich die Hilfe davor bezahlen?

Wenn Sie nach dem Krankenhaus Hilfe im Haushalt benötigen, können Sie einen ambulanten Dienst beauftragen. Jedoch sind die Kosten meistens selbst zu tragen. Es sei denn, Ihr Hausarzt schreibt eine entsprechende Verordnung aus. Dann kann eventuell die Beihilfe bei der Finanzierung einspringen.

Mein Mann kommt demnächst aus der Klinik. Er bleibt pflegebedürftig. Keine Ahnung, wie das zu Hause gehen soll.

Vom Sozialdienst der Klinik wird vor der Entlassung aus dem Krankenhaus in der Regel über notwendige Pflegemaßnahmen informiert. Dennoch ist es sinnvoll, sich mit einer unabhängigen Pflegeberatung in Verbindung zu setzen, die gemeinsam mit Ihnen im häuslichen Umfeld herausfindet, ob und was bei Ihnen Zuhause zu machen ist, oder ob eventuell eine Heimunterbringung die für Ihren Mann bessere Lösung ist. Sollten Sie Ihren Mann daheim pflegen wollen und können, nehmen Sie die von der Pflegeversicherung angebotenen Pflegekurse in Anspruch. Die sind kostenfrei und geben Ihnen und Ihrem Mann Sicherheit.

Unsere Mutter hat Pflegestufe II. Bisher war sie bei uns im Haus. Jetzt suchen wir ein gutes Heim. Worauf sollten wir dabei achten?

Damit Sie Ihre Mutter so oft wie möglich besuchen können, sollte sich die Einrichtung in Ihrer Wohnortnähe befinden. Schauen Sie sich infrage kommende Häuser persönlich an, sprechen Sie mit Personal und Heimbewohnern, um herauszufinden, wie hoch der Grad an Zuwendung ist, was neben der medizinischen Versorgung geboten wird. Wichtig ist auch, ob eigene Möbel und Erinnerungsstücke mitgebracht werden können. Schauen Sie auch mal auf den Speiseplan, und welche Freizeitangebote es gibt. Die Heime werden jährlich einer Qualitätskontrolle unterzogen und erhalten Noten. Diese Noten könnten interessant sein, sollten aber nicht als alleinige Entscheidungsmittel dienen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen