Lesertelefon : Pflege: Mehr als eine helfende Hand

Wer als pflegebedürftig gilt, bekommt Unterstützung – auch finanzieller Art.
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Wer als pflegebedürftig gilt, bekommt Unterstützung – auch finanzieller Art.

Pflegebedürftige Menschen haben Anspruch auf bestimmte Leistungen. Beim Lesertelefon informieren unsere Experten rund um das Thema Pflege.

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03. März 2016, 05:00 Uhr

Wie gehe ich am besten vor, wenn ich eine Pflegestufe beantragen will?

Rufen Sie Ihre Pflegeversicherung an. In der Regel ist diese an die Krankenversicherung gekoppelt. Sie bekommen dann ein Antragsformular, mit dem Sie auch eine Begutachtung veranlassen. Innerhalb von fünf Wochen muss die Begutachtung stattgefunden haben und der Entscheid vorliegen. Bevor der Gutachter kommt, sollten Sie unbedingt die Pflegeberatung bei sich zu Hause nutzen. Die Berater informieren Sie über den Ablauf der Begutachtung, Dinge auf die Sie achten sollten, die Voraussetzungen für die einzelnen Pflegestufen und die Leistungen. Die Pflegeberatung steht Ihnen laut Gesetz zu, ist kostenfrei und anbieterneutral. Gesetzlich Versicherte können die von Ihrer Kasse oder einem Pflegestützpunkt erhalten. Privat Versicherte wenden sich an die Compass-Pflegeberatung

Mein Antrag auf eine Pflegestufe wurde abgelehnt. Muss ich das so einfach hinnehmen?

Sie haben selbstverständlich das Recht, Widerspruch einzulegen und eine erneute Begutachtung zu verlangen. Der Widerspruch muss innerhalb eines Monats abgeschickt werden. Den sollten Sie aber auch begründen können. Wenn Ihnen das Gutachten noch nicht zugeschickt wurde, fordern Sie es an. Dann machen Sie einen Termin mit der Pflegeberatung. Die Experten wissen, nach welchen Kriterien die Pflegestufen festgestellt werden. Zudem gibt es beim Zeitumfang für den Hilfebedarf Zeitorientierungswerte, die vom realen Umfang der Unterstützung abweichen können. Sinnvoll ist ein sogenanntes Pflegetagebuch, in dem Sie zur Vorbereitung auf die erneute Begutachtung alles eintragen sollten, was Sie als pflegender Angehöriger an Hilfe leisten. Ein solches Pflegetagebuch bekommen Sie von der Pflegeversicherung.

Gibt es irgendwo Vergleichslisten mit den Angeboten der regionalen Pflegedienste?

Eine solche Liste können Sie bei Ihrer Pflegekasse anfordern.

Was ist der Unterschied zwischen Kurzzeit- und Verhinderungspflege?

Die beiden Varianten sind für unterschiedliche Situationen vorgesehen: Die Kurzzeitpflege erfolgt in einer stationären Einrichtung, wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht möglich ist. Das kann beispielsweise während des Badumbaus oder nach einem Krankenhausaufenthalt der Fall sein. Die Verhinderungspflege hingegen ist für Zeiten vorgesehen, in denen die eigentliche Pflegeperson zeitweise nicht zur Verfügung steht. Das können ein Urlaub oder auch Krankheit sein. Die Verhinderungspflege kann auch stundenweise „genommen“ werden.

Wie lange kann man eigentlich die Kurzzeit- und die Verhinderungspflege nutzen?

Für die Kurzzeitpflege stehen 1  612 Euro für maximal acht Wochen im Jahr zur Verfügung. Der Betrag kann auf 3  224 Euro verdoppelt und um weitere sechs Wochen verlängert werden, wenn Sie keine Verhinderungspflege nutzen. Für die Verhinderungspflege gibt es 1  612 Euro für sechs Wochen pro Jahr. Auf 2  418 Euro kann die Summe aus nicht genutzten Mitteln der Kurzzeitpflege aufgestockt werden.

Meine Mutter ist schwerbehindert. Bekommt sie nun auch eine Pflegestufe?

Das kann nur durch eine Begutachtung festgestellt werden. Eine Pflegestufe wird nach anderen Kriterien als eine Schwerbehinderung festgestellt. Bei einer Schwerbehinderung wird beispielsweise geprüft, welche Einschränkungen durch physische und psychische Erkrankungen oder Gebrechen vorliegen. Aus dem Grad der Behinderung resultieren dann bestimmte Unterstützungsmöglichkeiten. Das können arbeitsrechtliche Belange wie der Kündigungsschutz sein, die Benutzung von Behindertenparkplätzen oder auch ein Mehrbedarf bei Empfängern von Sozialhilfe oder Grundsicherung. Für eine Pflegestufe hingegen ist entscheidend, welche Zeit für die Hilfe in der Hauswirtschaft und in der Grundpflege benötigt wird. Grundpflege umfasst die Unterstützung bei der Körperpflege, der Mobilität und der Ernährung. Für Pflegebedürftige kann es sinnvoll sein, zusätzlich den Grad der Behinderung prüfen zu lassen um zusätzliche Leistungen nutzen zu können.

Mein Mann ist an Demenz erkrankt. Ich schaffe es kaum noch, ihn allein zu betreuen. Kann er eine Pflegestufe und die damit verbundene Hilfe bekommen?

Die ärztliche Diagnose ist für Feststellung einer Pflegestufe zwar wichtig, jedoch grundsätzlich nicht ausreichend. Maßgeblich sind die Begutachtung und der darauf basierende Entscheid der Pflegeversicherung. Der Gutachter prüft das Maß an Hilfebedürftigkeit bei Ihrem Vater. Derzeit gilt für die Pflegestufe I ein Unterstützungsbedarf von 90 Minuten täglich, wobei mehr als die Hälfte der Zeit auf die Hilfe bei der Grundpflege entfallen muss. Falls dieser Zeitumfang bei Ihrem Vater (noch) nicht erreicht wird, kann er möglicherweise zumindest Hilfe der Pflegeversicherung wegen erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz erhalten. Das wird oft als Pflegestufe 0 bezeichnet. Damit hat er Anspruch auf Pflegegeld, ein ambulanter Dienst kann zumindest teilweise finanziert werden, und er hat unter anderem Anspruch auf Zuschüsse von jeweils 1  612 Euro pro Jahr zur Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Außerdem werden die Kosten für spezielle Betreuungsleistungen mit 104 Euro im Monat bezuschusst. Bei erhöhtem Bedarf sind es 208 Euro.

Ich habe gelesen, dass ich als pflegender Angehöriger zusätzliche Rentenpunkte bekommen kann. Welche Bedingungen sind daran geknüpft?

Sie müssen mindestens 14 Stunden pro Woche pflegen, dürfen nicht mehr als 30 Stunden pro Woche berufstätig sein und dürfen die Pflege nicht erwerbsmäßig ausüben. Außerdem dürfen Sie als Pflegeperson noch keine eigene Altersrente beziehen. Wenden Sie sich an die Pflegekasse des Betroffenen. Die schickt Ihnen dann einen speziellen Fragebogen, den Sie ausgefüllt zurücksenden. Sind die Voraussetzungen erfüllt, klärt die Pflegekasse alles Weitere mit der Rentenversicherung. Die Pflegekasse zahlt auch die Beiträge komplett. Sie sollten sich umgehend darum kümmern, denn die zusätzlichen Rentenleistungen werden nicht rückwirkend gezahlt.

Ich pflege meinen Mann (Pflegestufe I) zu Hause. Im Frühjahr wollen wir in einem Hotel Urlaub machen, das auf Pflegebedürftige spezialisiert ist. Können wir mit Unterstützung der Pflegekasse rechnen?

Ja. Beantragen Sie für die Zeit des Urlaubs Verhinderungspflege. Diese muss ja während der Abwesenheit der Pflegeperson, also Ihnen, nicht zu Hause stattfinden. Fahren Sie in den Urlaub, bezuschusst die Pflegekasse die pflegebedingten Aufwendungen Ihres Mannes im Pflegehotel. Unterkunft, Verpflegung sowie die Kosten für Sie selbst, sind aus eigener Tasche zu zahlen. Während der Verhinderungspflege erhält Ihr Mann das halbe Pflegegeld weiter.

Meine Tochter pflegt mich seit einem Jahr. Was können wir machen, wenn Sie eigene Termine hat? Muss ich dann einen ambulanten Dienst beauftragen? Ich habe Pflegestufe I.

Das können Sie, müssen es aber nicht. Sie sollten als Erstes bei Ihrer Pflegekasse eine Verhinderungspflege beantragen. In das Formular tragen Sie ein, welche Person Ihnen als „Ersatzpflegekraft“ für Ihre Tochter wann und wobei geholfen hat. Das können ein ambulanter Dienst, aber auch eine vertraute Nachbarin sein. Das Formular wird für die Abrechnung mit der Pflegekasse benötigt.       Wichtig für Sie: Wenn die eigentliche Pflegeperson weniger als acht Stunden am Tag verhindert ist, wird Ihnen das volle Pflegegeld weitergezahlt. Sind es mehr als acht Stunden, bekommen Sie das halbe Pflegegeld weiter.

Mein Mann hat Pflegestufe II. In unserem alten Haus bekamen wir von der Pflegekasse einen Zuschuss für den Badumbau. Nun mussten wir umziehen, da er keine Stufen mehr gehen kann. Allerdings muss auch hier statt der Wanne eine Dusche eingebaut werden. Können wir wieder einen Zuschuss bekommen?

Das kann nur individuell durch eine Begutachtung geklärt werden. Grundsätzlich ist es so, dass ein erneuter Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen von bis zu 4  000 Euro bewilligt werden kann, wenn sich die Pflegesituation verschlechtert hat und durch den Umbau die Pflege verbessert oder erst ermöglicht werden kann.

Meine Mutter (Pflegestufe I) möchte zu einer Freundin in eine Pflege-Wohngruppe ziehen. Gibt es da spezielle Förderungen?

Als Anschubfinanzierung für ambulant betreute Wohngruppen kann die Pflegekasse bis zu 2  500 Euro pro Person, maximal 10  000 Euro je Wohngruppe zahlen. Das Geld kann beispielsweise für notwendige Umbauten eingesetzt werden. Zudem bezahlt die Pflegekasse bis zu 205 Euro monatlich für eine Person, die sich um das Organisatorische kümmert. Für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen können bis zu 4  000 Euro je Person und Maßnahme gezahlt werden. Das gilt mit einer Einschränkung: Die Zahlung ist bei Wohngruppen auf 16  000 Euro beschränkt, wenn die Bewohner die Ansprüche zusammenlegen, etwa für einen Treppenlift.

Meine Mutter hat Pflegestufe I und Demenz. Zu Ihrer Unterstützung haben wir eine Haushaltshilfe engagiert, die mit meiner Mutter sehr gut zurecht kommt. Bisher zahlen wir das Honorar aus eigener Tasche. Gibt es dafür Zuschüsse?

Ja. Pflegebedürftige wie Ihre Mutter haben Anspruch auf 104 Euro monatlich für „zusätzliche Betreuung und Entlastung“. Dieses Geld kann auch für eine Haushaltshilfe eingesetzt werden. Die Summe verfällt übrigens nicht, wenn es einen Monat lang nicht abgerufen wurde. Bis zur Mitte des Folgejahres kann es noch eingesetzt werden. Bei erhöhtem Bedarf – etwa schwerer Demenz – können bis zu 208 Euro monatlich gezahlt werden. Voraussetzung ist, dass die Leistungsanbieter für die „zusätzliche Betreuung und Entlastung“ nach Landesrecht anerkannt sein müssen. Ob das für Ihre Haushaltshilfe zutrifft, müssten Sie klären.

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