Ohne Strom keine Kreuzfahrt

Auf Kreuzfahrtschiffen ist die Stromversorgung für Passagiere und Besatzung überlebenswichtig. Der Energieverbrauch eines großen Kreuzfahrtschiffs entspricht etwa einem durchschnittlichen Verbrauch von 50 000 bis zu 100 000 Haushalten.dpa
Auf Kreuzfahrtschiffen ist die Stromversorgung für Passagiere und Besatzung überlebenswichtig. Der Energieverbrauch eines großen Kreuzfahrtschiffs entspricht etwa einem durchschnittlichen Verbrauch von 50 000 bis zu 100 000 Haushalten.dpa

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16. Mai 2011, 07:12 Uhr

Bei einem tagelangen Stromausfall auf einem Kreuzfahrtschiff haben Reisende Anspruch auf Schadenersatz. "Man hat ja keine Erholung von einer solchen Reise, sondern Stress", erklärt Paul Degott, Rechtsanwalt aus Hannover. Grundsätzlich könnten Urlauber den gleichen Betrag, um den der Reisepreis gemindert wird, als Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit fordern.

Das Kreuzfahrtschiff "MSC Opera" mit rund 1700 Passagieren an Bord trieb am Wochenende nach einem Stromausfall mit Unterbrechungen zwei Tage manövrierunfähig vor der schwedischen Insel Gotland. Nach Angaben der Reederei in München funktionierte die Toilettenspülung nicht, es gab kein Licht und kein warmes Wasser. Speisen und Getränke konnten nicht gekühlt werden.

Die zuständige italienische Reederei MSC versuchte, alle Reisenden auf der Ferieninsel Gotland unterzubringen. Dort aber waren nicht genug Betten aufzutreiben. So mussten die Urlauber an Bord ausharren, bis ein Schlepper das 58 600 Tonnen schwere Schiff gestern nach Nynäshamn am schwedischen Festland bugsiert hatte. Von dort werden die 124 deutschen Passagiere laut MSC Kreuzfahrten in Bussen nach Helsingborg gebracht. Anschließend soll es per Fähre nach Deutschland und mit Bus oder Bahn nach Hause gehen. Die "MSC Opera" war am 8. Mai in Amsterdam gestartet und sollte nach 11 Tagen Kreuzfahrt auf der Ostsee wieder in Amsterdam einlaufen. Der Strom fiel am 7. Tag der Reise aus.

Auf Kreuzfahrtschiffen ist die Stromversorgung für Passagiere und Besatzung überlebenswichtig und daher mehrfach abgesichert. "Alle Systeme, die zum Überleben notwendig sind, werden beim Ausfall der Generatoren binnen 45 Sekunden von einem Notstromaggregat übernommen", sagt Professor Michael Rachow, Ingenieur für Schiffsanlagenbau im Fachbereich Seefahrt der Hochschule Wismar. So würden unter anderem die Beleuchtung und Belüftung sowie die Navigation sichergestellt. Der Antrieb des Schiffes könne jedoch nicht vom Notdiesel übernommen werden. "Ebenso wenig gehört der Betrieb der Toiletten oder etwa die Zubereitung von warmem Essen zur lebenswichtigen Versorgung", so Rachow.

Die Urlauber könnten nun den Anteil des Reisepreises für fünf Tage zurückfordern, erklärt Rechtsanwalt Degott. Denn bei einer Kreuzfahrt handle es sich um einen komplexen Reisevertrag, der alle Hauptleistungen wie Anreise und Unterkunft umfasst. Die Reederei oder der Veranstalter müsse einen störungsfreien Ablauf garantieren. Wenn Licht und Toilettenspülung nicht funktionieren, sei der Vertrag nicht erfüllt. Und bei einem Stromausfall wie diesem liege keine höhere Gewalt vor.

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