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Ratgeber

21. November 2017 | 18:50 Uhr

Familie : Ohne Mäkeln und Machtkämpfe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Oft klappt es nicht mit der Gemütlichkeit, wenn alle zusammenkommen. Rezepte gegen Streit am Familientisch.

svz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 17:56 Uhr

Das Kleinkind schmiert die zermatschten Kartoffeln neben den Teller, die Grundschülerin mäkelt am Essen herum, der Teenager checkt unterm Tisch seine Smartphone-News. Und die Eltern sind müde und genervt. Mit Genuss haben die gemeinsamen Tischrunden in der Familie oft wenig zu tun. Dabei könnte es doch so schön sein: Alle sitzen zusammen, und es gibt etwas Gutes zu essen. Warum klappt es dann nicht mit der Gemütlichkeit?

„Wir Erwachsenen bringen viel Unruhe mit an den Tisch, und das überträgt sich auf die Kinder“, sagt Mathias Voelchert, Leiter von Familylab, einem Beratungszentrum für Familien in München. Der Kopf ist noch in der Arbeit, in Gedanken wird schon mal die Einkaufsliste für den nächsten Tag aufgestellt.

„Wir haben gelernt, uns trotz unserer Unruhe zu bändigen. Doch Kinder können das nicht und zeigen unser Stresslevel an“, sagt Voelchert.

Die Kinder nun zu maßregeln, sei kontraproduktiv. Sein Rat: Den Alltagsstress nicht mit an den Tisch nehmen, das Smartphone weglegen und ganz bewusst einen Gang zurückschalten. Dann seien automatisch auch die Kinder ruhiger.

„Kämpfe am Tisch gibt es auch, wenn Eltern zu starre Regeln bei den Mahlzeiten durchsetzen wollen, wenn sie ständig korrigieren, ermahnen und belehren“, ist die Erfahrung von Rainer Hilbert vom Familienberatungszentrum in Kassel. Kleine Kinder wollen in der Regel, nachdem sie satt sind, aufstehen und weiterspielen: „Da ist es wichtig, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird.“

Auch die Jüngsten könnten schon lernen, gewisse Regeln am Tisch einzuhalten. Im Gegenzug sollten sich auch die Eltern Tischregeln verordnen, sagt Hilbert. Dazu gehöre beispielsweise der Grundsatz: „Beim Essen werden keine Konfliktgespräche geführt.“

Nicht immer lassen sich die guten Vorsätze im manchmal turbulenten Familienalltag auch umsetzen. „Oft hängt die Messlatte zu hoch“, sagt Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. In einer Familie von Morgenmuffeln wird es an Werktagen, an denen es ohnehin alle eilig haben, kaum gelingen, ein gemütliches Familienfrühstück zu etablieren. „Und dann muss man es auch nicht erzwingen“, sagt Kersting. Die Abendmahlzeit eigne sich dagegen in den meisten Familien gut, um in Ruhe gemeinsam zu essen.

Aber wenn alles liebevoll zubereitet auf dem Tisch steht, geht oft die Mäkelei los: Das Gemüse wird verschmäht, die Rinde vom Brot ist viel zu hart, und die Nachbarskinder dürfen statt Wasser immer Limo trinken. Auch Streit um die Frage, was gegessen oder zumindest probiert werden muss, belastet die Atmosphäre bei Tisch. „Kinder müssen nicht alles mögen“, sagt Mathilde Kersting. „Aber sie sollten lernen zu probieren.“ Der Streit ums Essen sei in Wahrheit oft ein Machtkampf, sagt Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut Rainer Hilbert: „Kinder merken schon früh, wenn dem Essen – egal aus welchem Grund – eine besondere Bedeutung beigemessen wird.“

„Wenn die Kinder das Essen nicht mögen, dürfen die Eltern das nicht persönlich nehmen“, betont Familiencoach Voelchert. Ebenso wenig sollte jeden Tag das Lieblingsessen der Kinder auf dem Tisch stehen – in der Hoffnung, dass die Kleinen dann lieb sind. „Kinder durchschauen solche Manipulationen.“ Erfolgversprechender für gute Laune am Familientisch ist ein anderer Weg. Wenn es den Eltern schmeckt, wenn sie sich wohlfühlen und das auch zeigen, dann steckt das die Kinder an.

 

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