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Ratgeber

16. Dezember 2017 | 12:17 Uhr

Nicht immer gleich vor Gericht

vom

svz.de von
erstellt am 18.Mai.2010 | 06:16 Uhr

Vor unserem Grundstück steht öfter der Traktor des Nachbarn, der in der Landwirtschaft arbeitet. Er stellt meistens den Motor nicht ab. Der Traktor läuft dann eine Viertelstunde und länger. Ist das erlaubt?

Nein. Bei Land- und Wasserfahrzeugen ist das unnötige oder unnötig laute Laufen von Motoren zu unterlassen.

Wir haben vor zwei Jahren ein Grundstück mit Eigenheim gekauft. Der Nachbar zur einen Seite hat recht dicht an unserer Grenze hohe Birken stehen. Laub und Pollen fliegen regelmäßig zu uns herüber. Außerdem werfen sie Schatten. Uns wird das zu viel. Was können wir unternehmen?

Als Sie das Grundstück kauften, konnten Sie sehen, dass hohe Birken auf dem angrenzenden Gelände stehen. Wenn Sie das stört, hätten Sie das Grundstück nicht erwerben dürfen. Beseitigungsansprüche haben Sie nicht.

Fünf kleine Fichten hat der Nachbar jetzt etwa 50 Zentimeter nahe an die Grundstücksgrenze gepflanzt. Ich habe ihm gesagt, so gehe das nicht, weil er einen bestimmten Abstand einhalten müsse. Er entgegnete, er könne auf seinem Grundstück machen, was er wolle. Stimmt das?

Da kann man nur sagen: Im Prinzip ja, aber es gilt das Gebot der Rücksichtnahme. Auch wenn es in Mecklenburg-Vorpommern kein Nachbarrechtsgesetz gibt, das Grenzabstände von Bäumen und Sträuchern regelt, muss man ein solches Verhalten als rücksichtslos einschätzen. Denn es ist ja klar, dass die Fichten eine große Wuchshöhe erreichen und sich auch schnell zu den Seiten hin ausbreiten. Ausnahmen könnte man allenfalls bei sehr großen Grundstücken gelten lassen, wenn solche Bäume in Ecken stehen, wo man sich tatsächlich nicht ins Gehege kommt und eine Bebauung bzw. gärtnerische oder landwirtschaftliche Nutzung nicht in Frage kommt.

Auf einem geteilten Grundstück gehört uns die hintere Hälfte. Die können wir aber nur über das Vorderliegergrundstück erreichen. Dafür wurde uns im Grundbuch auch ein Wegerecht eingetragen. Der Vorderlieger macht nun aber ständig Stress, weil wir das Tor zu diesem Weg offen lassen würden. Er will jetzt den Weg einfach zumachen, wenn wir uns nicht wohlgefällig verhalten. Darf er das?

Nein, Sie haben ein gesichertes Wegerecht. Der Vorderlieger kann aber tatsächlich verlangen, dass Sie und Ihre eventuellen Besucher das Tor schließen. Schließlich handelt es sich bei dem Weg um sein Grundstück. Übrigens: Sollten wegen des offenen Tors irgendwelche Schäden eintreten, könnten Sie auch schadensersatzpflichtig gemacht werden.

Mein Nachbar hat draußen am Haus eine Telefonklingel angebracht. Die ist so laut, dass ich jedes Mal zusammenschrecke, wenn sie klingelt. Muss ich das dulden?

Man könnte sicher den Schallpegel messen und feststellen, ob Grenzwerte überschritten werden. Dann wären gerichtliche Schritte möglich, wobei das Gericht vielleicht noch ein Gutachten anfordern würde. Es ist aber stets besser, wenn Sie erst mal miteinander reden. Vielleicht liegt die Einigung darin, die Lautstärke zu reduzieren oder die Klingel an anderer Stelle anzubringen. Heutzutage kann man sich außerdem ein schnurloses Telefon kaufen und den Hörer auch im Garten mit sich herumtragen, so dass die Vorrichtung Ihres Nachbarn eigentlich nicht erforderlich ist.

Unser Gemüsegarten grenzt direkt ans Nachbargrundstück. Wir halten den Garten sauber. Aber auf der anderen Seite wuchert das Unkraut. Zum Beispiel blüht jetzt der Löwenzahn, und keiner macht ihn weg. Wir ärgern uns dann ständig über die herüberfliegenden Samen. Kann man denn dagegen nichts machen?

Nein. Was gute Pflanzen sind und was Unkraut ist, folgt einer subjektiven Definition. Viele finden den Löwenzahn schön. Es ist eine Geschmackssache. Sie werden mit dem Zustand leben müssen.

Am Nachbarhaus hängt ein Ding, das aussieht wie eine Videokamera. Der Nachbar behauptet aber, es sei nur eine Attrappe, die eventuelle Einbrecher abhalten solle. Aber ich glaube ihm nicht und gehe davon aus, dass das Gerät auch Aufnahmen von meinem Grundstück macht. Kann ich die Entfernung der Kamera verlangen?

Ja. Wenn sich der Nachbar entschließt, sein Grundstück mit einer Videokamera überwachen zu lassen, muss er diese so ausrichten, dass die Optik Ihr Grundstück nicht erfasst. Ansonsten werden Ihre Persönlichkeitsrechte und auch die eventueller Gäste verletzt. Das gilt übrigens auch für eine Attrappe. Auch die muss so angebracht sein, dass nicht der Eindruck entstehen kann, Ihr Grundstück werde "gefilmt".

Unsere Nachbarn haben eine Sitzecke direkt hinter der Grenzhecke eingerichtet. Oftmals sitzen sie dort bis weit nach Mitternacht. Wir hören die Gespräche bis in unser Schlafzimmer. Müssen wir das dulden?

In reinen Wohngebieten dürfen Geräusche nachts die Schwelle von 35 dB (A) nicht überschreiten. Die Lautstärke eines normalen Gesprächs liegt bei 50 dB (A). Wenn sie gegen die Verhaltensweisen Ihrer Nachbarn vorgehen wollten, müssten Sie also Geräuschpegelmessungen durchführen und die Ereignisse protokollieren. Versuchen Sie es doch erst einmal mit einem vernünftigen Gespräch. Das wirkt manchmal Wunder.

Zur Erntezeit fahren die Mähdrescher schon um fünf Uhr durch unser Dorf. Das ärgert mich Jahr für Jahr, da ich jedes Mal von dem Lärm geweckt werde. Muss ich mir das eigentlich gefallen lassen?

Mit solchen Ereignissen muss man rechnen, wenn man auf dem Lande wohnt. Sie sind hinzunehmen. Nicht dulden müssten Sie, wenn die Mähdrescher lange im Stand bei laufendem Motor stehen und der Lärm Sie belästigt.

Mir reicht es mit der Katze des Nachbarn. Die kommt ständig auf unser Grundstück und macht da auch manchmal ihr "Geschäft". Auf meine Beschwerde sagt der Nachbar, das sei bei Katzen eben nicht zu ändern. Muss ich das wirklich hinnehmen?

Anders als bei Hunden lassen sich tatsächlich keine Vorkehrungen gegen solche Besuche treffen. Es kann auch niemand verlangen, die Tiere ständig im Haus einzusperren. Insofern werden Sie den Besuch der einen Katze tolerieren müssen. Etwas anderes wäre es, wenn auf dem Nachbargrundstück sehr viele Katzen gehalten würden und es zu einer wahren Katzeninvasion käme. Nicht hinnehmen müssen Sie im Übrigen, wenn das Tier Schäden anrichten sollte.

Auf dem Nachbargrundstück bolzen die Kinder immer. Uns stört der Lärm und dass der Ball oft zu uns herüberfliegt. Was können wir dagegen tun?

Nichts. Solange es sich um ein natürliches, altersgerechtes Verhalten der Kinder handelt, müssen Sie diese Einwirkungen hinnehmen. Sprechen Sie mit den Kindern, dass sie das Spielen zumindest auf bestimmte Tageszeiten beschränken. Und haben Sie Verständnis für die Ausgelassenheit der Nachbarskinder.

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