Nicht alle Rentner in der Pflicht

<strong>Auch Rentner</strong> können steuerpflichtig sein. Aber längst nicht alle trifft es.
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Auch Rentner können steuerpflichtig sein. Aber längst nicht alle trifft es.

svz.de von
12. November 2009, 11:59 Uhr

Muss ich als Rentner jetzt wirklich wieder Steuern zahlen ?

Genau genommen war ein Teil der Rente schon immer steuerpflichtig. Der Anteil war mit 27 bis 32 Prozent aber so gering, dass die meisten Rentner unter die Grundfreibeträge fielen und keine Steuern zahlen mussten. Seit 2005 gilt das neue Alterseinkünftegesetz. Seither ist ein größerer Teil der Rente steuerpflichtig. Entscheidend ist das Jahr des Renteneintritts. Wer 2005 oder früher in Rente ging, muss 50 Prozent versteuern. Jedes Jahr wird der Betrag für Renten-Neuzugänge um zwei Prozentpunkte angehoben. Wer also 2006 in Rente ging, muss 52 Prozent versteuern, 2007 sind es 54 Prozent und so weiter. Diese Regelung gilt für alle gesetzlichen Renten wie Altersrente, Witwenrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente. Pensionen müssen zu 100 Prozent versteuert werden. Unfallrenten aus der Berufsgenossenschaft sind dagegen steuerfrei.

Welche Rolle spielt die Steueridentifikationsnummer, die ich vor Kurzem bekommen habe?

Jeder Bundesbürger - vom Kleinkind bis zum Rentner - hat Anfang 2009 seine Steueridentifikationsnummer erhalten. Diese soll in absehbarer Zeit die bisherigen Steuernummern im Bereich der Einkommensteuer ersetzen. Darunter werden alle steuerrelevanten Daten gespeichert. Insbesondere für Rentner hat das Auswirkungen. Die Rentenversicherungsträger melden die Bezüge künftig automatisch an die Finanzämter - erstmals wurde damit im Oktober begonnen. Das Finanzamt kann so nachrechnen, ob eine Steuerpflicht besteht oder nicht - und zwar rückwirkend bis 2005.

Werden beim Datenaustausch zwischen Rentenversicherungsträgern und Finanzamt nur gesetzliche Renten überprüft?

Nein. Der Datenaustausch betrifft alle Renten - egal, ob gesetzlich oder privat. Wer eine private Rente bisher nicht bei der Steuer angegeben hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Finanzamt angeschrieben.

Ich bin seit 2001 Rentnerin und alleinstehend. Mit meiner Witwenrente komme ich auf etwa 1700 Euro monatlich. Muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Sie müssen eine Steuererklärung abgeben. Von Ihrer Bruttorente müssen Sie 50 Prozent versteuern. Abzüglich der Freibeträge liegen Sie sehr wahrscheinlich über dem Grundfreibetrag von derzeit 7834 Euro für Alleinstehende und sind damit steuerpflichtig.

Ich bin alleinstehend und beziehe eine monatliche Altersrente von etwa 1400 Euro. Nebenbei arbeite ich noch in einem Minijob und erhalte dort monatlich rund 400 Euro. Muss ich eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt abgeben?

Nein, sehr wahrscheinlich müssen Sie keine Steuererklärung abgeben. Ihre monatliche Bruttorente liegt unter 1500 Euro und ihr zu versteuerndes Einkommen damit unter dem Grundfreibetrag. Für den Minijob zahlt im Regelfall der Arbeitgeber eine pauschale Abgabe, inklusive Lohnsteuer.

Muss ich in meiner Einkommensteuererklärung zu meiner Bruttorente (monatlich ca. 1000 Euro) das Pflegegeld für meine Mutter dazurechnen?

Nein, Pflegegelder sind steuerfrei. Weil Ihre Rente unter dem Grundfreibetrag liegt, brauchen Sie keine Einkommensteuererklärung abgeben.

Ich habe seit 2004 eine monatliche Altersrente von 1700 Euro, bin alleinstehend und habe außerdem noch monatlich 450 Euro Mieteinnahmen. Muss ich eine Einkommensteuererklärung abgeben?

Ja, es handelt sich um eine Pflichtveranlagung. 50 Prozent Ihrer Rente und auch die Mieteinnahmen sind steuerpflichtig. Hier können Sie aber noch die Ausgaben und die Abschreibung für die Mietwohnung dagegenrechnen.

Was muss ich tun, wenn mich das Finanzamt zur Abgabe einer Steuererklärung auffordert?

Wir raten, die Steuererklärung möglichst bald abzugeben. Fordert Sie das Finanzamt mehrmals auf, ohne dass Sie reagieren, wird Ihre Steuer geschätzt. Das kann nachteilig für Sie sein, weil Sie nicht von Steuersparmöglichkeiten profitieren können.

Ich bin Rentner und neben meiner Altersrente habe ich jährlich Zinseinkünfte in Höhe von rund 2000 Euro. Nun hat mir die Bank die Abgeltungsteuer abgezogen. Kann ich mir die wiederholen?

Wenn Sie eine Steuererklärung abgeben, erhalten Sie die Abgeltungsteuer zurück. Wie hoch die Rückzahlung ist, hängt von der Höhe Ihrer Rente ab. Wenn Sie trotz Zinseinkünften den Grundfreibetrag unterschreiten, erhalten Sie die gesamte Abgeltungsteuer zurück. In diesem Fall lohnt es sich, eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) zu beantragen. Wenn Sie diese der Bank vorlegen, wird künftig keine Steuer mehr abgezogen.

Ich bin seit 2006 Rentner. Meine Frau arbeitet aber noch. Zusammen haben wir monatliche Einkünfte von etwa 3500 Euro. Im Sommer haben wir an unserem Haus die Fenster ausgetauscht. Ich weiß, dass wir eine Steuererklärung abgeben müssen. Können wir da die Kosten für die Fenster geltend machen?

Dass Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, ist richtig, weil Sie sehr wahrscheinlich über dem Grundfreibetrag für Ehepaare von derzeit 15668 Euro liegen. Von den Kosten für den Fensteraustausch können Sie nur die Lohnkosten der Handwerker steuerlich geltend machen. 20 Prozent (maximal 1200 Euro) können Sie erstattet bekommen. Vo raussetzung ist, dass auf der Rechnung Arbeitsleistung und Material getrennt aufgeführt sind. Ihrer Steuererklärung müssen Sie den Kontoauszug beilegen, aus dem die Überweisung der Rechnung an den Handwerksbetrieb hervorgeht.

Meine Altersrente beträgt 940 Euro. Außerdem erhalte ich eine Witwenrente von 460 Euro. Das Finanzamt hat mir eine Nichtveranlagungsbescheinigung ausgestellt. Muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Nein. Das Finanzamt hat bereits geprüft, ob Sie steuerpflichtig sind. Bei der Beantragung der Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) haben Sie Ihre Einkünfte bereits angegeben. Auf deren Grundlage wurde entschieden, dass Sie keine Steuern zahlen müssen. Allerdings haben Sie die NV-Bescheinigung beantragt, weil Ihre Zinseinnahmen über 801 Euro liegen und mit der Bescheinigung die Abgeltungsteuer verhindert wird. Ab einer bestimmten Höhe sind Sie dann aber wieder verpflichtet, eine Erklärung abzugeben.

Mein Vater hat einen Körperbehindertenausweis, auf dem 100 Prozent Körperbehinderung und der Buchstabe H eingetragen sind. Er bezieht Alters- und Witwenrente, die zusammen mehr als 1500 Euro im Monat ausmachen. Welche Kosten kann er absetzen?

Er kann als außergewöhnliche Belastungen den Pauschbetrag für Behinderung in Höhe von 3700 Euro geltend machen. Der Pauschbetrag umfasst nur laufende und typische Kosten der Behinderung. Ab 2008 kann er zusätzliche Kosten, die ihm aus der Behinderung entstanden sind, steuerlich absetzen. Außerdem kann er die Kosten für eine Haushaltshilfe (maximal 924 Euro gegen Vorlage einer Rechnung)und Privatfahrten steuerlich geltend machen. Ohne Kilometernachweis werden bis zu 3000 Kilometer anerkannt, mit Kilometernachweis bis zu 15 000 Kilometer.

Wenn Sie ihren Vater pflegen, können Sie in ihrer Einkommensteuererklärung den Pflegepauschbetrag in Höhe von 924 Euro für Ihren Vater steuerlich geltend machen.

Meine Mutter ist 2008 verstorben. Kommt das Finanzamt jetzt noch auf uns zu?

Falls die Einnahmen Ihrer Mutter über dem Grenzfreibetrag waren, kann das Finanzamt an Sie als Erbin herantreten.

Ich bin zwar noch nicht im Rentenalter, beziehe seit 2008 aber eine Teil-Erwerbsunfähigkeitsrente in Höhe von 650 Euro. Außerdem arbeite ich noch in Teilzeit. Ist meine Rente steuerpflichtig?

Grundsätzlich ja, weil eine Erwerbsunfähigkeitsrente zu den gesetzlichen Renten zählt. Wenn Sie die Rente seit 2008 erhalten, müssen 56 Prozent versteuert werden.

Stimmt es, dass ich als Rentner auch Gesundheitskosten von der Steuer absetzen kann?

Ja, das ist richtig. Sie können alle Arzthonorare, die Praxisgebühr und Kosten für Heilpraktiker absetzen. Auch Kosten für Brillen und Hörgeräte werden vom Finanzamt anerkannt. Fahrten zum Arzt oder zur Krankengymnastik können Sie ebenfalls absetzen. Diese müssen Sie jedoch dokumentieren bzw. die Fahrscheine oder Quittungen vom Taxi aufheben und mit der Steuererklärung einreichen. Allerdings wirken sich diese außergewöhnlichen Belastungen nur aus, wenn eine zumutbare Belastung überschritten wird. Diese Belastung wird individuell ermittelt und ist abhängig vom Familienstand, von der Zahl der Kinder und von der Höhe des Einkommens.

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