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Ein Gewinn für den Bürger? : Neue Regeln vereinfachen die Steuererklärung

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Die von der schwarz-gelben Koalition geplanten Steuervereinfachungen sind nach Monate langen Verhandlungen beschlossene Sache. Der Finanzausschuss des Bundestages billigte am gestrigen Mittwoch das Gesetzespaket.

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erstellt am 08.Jun.2011 | 06:28 Uhr

Die von der schwarz-gelben Koalition geplanten Steuervereinfachungen sind nach Monate langen Verhandlungen beschlossene Sache. Der Finanzausschuss des Bundestages billigte gestern nach Angaben der Union das Gesetzespaket. Es sieht im Kern eine Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschalbetrages noch in diesem Jahr vor. Arbeitnehmer sollen um bis zu 585 Millionen Euro im Jahr entlastet werden. Unternehmen wird weniger Bürokratieaufwand im Volumen von vier Milliarden in Aussicht gestellt. Hinzu kommen Verbesserungen bei Kinderbetreuungskosten sowie bei Kindergeld und Kinderfreibetrag. Zusammengefasst beinhaltet das Paket die folgenden wesentlichen Maßnahmen:

Werbungskostenpauschale:

Die höhere Werbungskostenpauschale für Arbeitnehmer ist Kernstück der etwa 40 Steuervereinfachungen. Die auch als Arbeitnehmer-Pauschbetrag bekannte Pauschale soll noch in diesem Jahr von 920 auf 1000 Euro steigen. Entlastet werden diejenigen Steuerzahler, die geringere Werbungskosten als 1000 Euro im Jahr haben. Wer über 1000 Euro liegt, muss weiter Quittungen einreichen. Nach früheren Berechnungen des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine bedeutet die Maßnahme für Millionen Arbeitnehmer weder eine Steuerermäßigung noch eine Vereinfachung. Bestenfalls profitiere ein Bürger mit drei Euro im Monat. Den Staat kostet dies 330 Millionen Euro pro Jahr.

Kinderbetreuung:

Auf weitere 60 Millionen Euro verzichtet die öffentliche Hand, weil bei der Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten nicht mehr zwischen beruflich oder privat bedingten Aufwendungen unterschieden wird. Die bisherige Unterscheidung ist aufwendig und füllt ein ganzes Blatt der dreiseitigen "Anlage Kind" in der Steuererklärung, hat aber praktisch keine steuerliche Bedeutung oder Auswirkung auf die Entlastungshöhe. Der Erklärungsaufwand soll nun reduziert werden. Außerdem kommen mehr Eltern in den Genuss des Abzugs.

Kindergeld/ Freibeträge:

Bei der Gewährung von Kindergeld und Freibeträgen soll auf die Einkommensüberprüfung bei volljährigen Kindern in der Schul- oder Berufsbildung ab 2012 verzichtet werden. Bisher entfallen Kindergeld und -freibetrag ab 8004 Euro Eigeneinkünften eines Kindes. Das macht die Gewährung und detaillierte Erfassung kompliziert. Aber nur etwa ein Prozent der volljährigen Kinder überschreitet diese Einkunftsgrenze. Die Prüfung ist Ursache vieler Einsprüche und Klageverfahren. Diese geplante Erleichterung kostet den Staat etwa 200 Millionen Euro im Jahr.

Entfernungspauschale:

Fährt ein Arbeitnehmer abwechselnd mit öffentlichen Verkehrsmitteln und seinem eigenen Auto zur Arbeit, muss er ein Fahrtenbuch führen. Steuerpflichtige können sowohl tage- als auch streckenweise wählen, welcher Abzug günstiger ist. Öffentliche Verkehrsmittel sind meist bei kurzen Entfernungen teurer als 30 Cent pro Entfernung. Der Fiskus muss intensiv prüfen, um die Höhe der Werbungskosten zu ermitteln. "Durch Umstellung der heute notwendigen tageweisen auf eine jährliche Vergleichsrechnung entfällt für den Betroffenen die Notwendigkeit, entsprechende Aufzeichnungen zu führen und im Erklärungsvordruck darzulegen", heißt es.

Steuererklärung:

Festhalten will die Koalition an der umstrittenen Möglichkeit einer zweijährlichen Steuererklärung. Bundesländer und Verbände hatten den Vorschlag zuvor abgelehnt. Die Vereinfachung der zweijährlichen Steuererklärung zielt auf Bürger, die über Jahre etwa gleich viel verdienen. Die wenigsten werden aber auf eine Steuererstattung zwei Jahre warten. Deshalb nutzt eine Fristverlängerung nur dem, der keine Erstattung erhält.

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