Versandhändler Neckermann.de hat Insolvenz beantragt : Neckermann setzt Versandhandel vorerst fort

<strong>Bestellte Ware </strong>wird, sofern sie vorrätig ist, vorerst noch ausgeliefert. <foto>dpa</foto>
Bestellte Ware wird, sofern sie vorrätig ist, vorerst noch ausgeliefert. dpa

Der Versandhändler Neckermann.de hat Insolvenz beantragt. Viele Kunden sind nun verunsichert. Verbraucherschützer raten Kunden von Vorkasse ab. Welche Rechte haben Kunden jetzt?

svz.de von
19. Juli 2012, 09:10 Uhr

Der Versandhändler Neckermann.de hat Insolvenz beantragt. Gestern sind zwei Rechtsanwälte aus Frankfurt zu vorläufigen Insolvenzverwaltern benannt worden. Viele Kunden sind nun verunsichert. Allerdings besteht vorerst kein Grund zur Unruhe. Solange das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet sei, gehe das Geschäft normal weiter, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Man sollte jetzt allerdings nicht mehr auf Vorkasse bestellen." Denn das Geld könne unter Umständen verloren gehen. Doch welche Rechte haben Kunden jetzt?

Wird schon bestellte Ware weiterhin ausgeliefert?

"Die Verträge bestehen ja weiterhin", sagt Julia Rehberg. "Das heißt: Wenn ich bestellt habe, muss auch geliefert werden." Kunden sollten die georderten Waren aber erst bezahlen, wenn sie auch tatsächlich bei ihnen zu Hause angekommen seien. Verbraucher könnten auch überlegen, ob sie ihre erst kürzlich aufgegebene Bestellung widerrufen. "Da es sich ja um Online-Geschäfte handelt, ist das durchaus möglich."

An wen sollten sich Kunden bei Problemen wenden?

Bisher wurde nur der Insolvenzantrag gestellt. Das heißt: "Kunden müssen sich derzeit noch direkt an Neckermann.de wenden", erklärt Rehberg. Wird dann das Verfahren offiziell eröffnet, wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt. Dieser sei dann auch Ansprechpartner für die Kunden.

Wie sieht es mit Gewähr - leistungsansprüchen aus?

Trotz des Insolvenzantrags läuft der Geschäftsbetrieb derzeit normal weiter. "Das heißt, dass man als Kunde weiterhin ein Gewährleistungsrecht hat", sagt Julia Rehberg. Wird dann das Insolvenzverfahren eröffnet, könnte es mit der Durchsetzung der Ansprüche schwieriger werden. Seine Forderung müsse man in diesem Fall an den Insolvenzverwalter richten. "Man steht dann aber meist am Ende der Reihe."

Wie geht es nun für Neckermann weiter?

Der Versandhandel wird zunächst fortgesetzt, teilte das Unternehmen gestern mit. Die beiden vorläufigen Insolvenzverwalter schauen sich nach Angaben des Amtsgerichtes Frankfurt nun die Verhältnisse im Unternehmen an und prüfen unter anderem, wie viel Vermögensmasse noch vorhanden sei. Sie hätten vier Wochen Zeit, um ein Gutachten zu erstellen und den Antrag zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen, hieß es. Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt. Sie braucht aber für alle Entscheidungen die Zustimmung der Aufseher. Ob die Insolvenzverwalter die Führung der Firma übernehmen oder ob es eine Insolvenz in Eigenverwaltung geben wird, blieb zunächst offen.

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