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Ratgeber

20. Oktober 2017 | 14:45 Uhr

Unwetter : Nach dem Regen ist vor dem Regen

vom

Schwere Gewitter mit Starkregen: Viele Menschen in Deutschland haben das in diesem Sommer bereits erlebt. Für die ersten Augusttage werden weitere Unwetter vorausgesagt. Wie bereitet man sich auf sie vor, und wie gehen Betroffene hinterher mit Schäden um? Experten geben Tipps.

svz.de von
erstellt am 03.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Es ist mehr als nur die Gefahr, vom Blitz getroffen werden: Gewitter mit Starkregen bergen eine ganze Reihe von Risiken. Vorher, währenddessen, aber auch anschließend kann man viel falsch machen. Welche Ratschläge geben Fachleute, um gut durch die sommerliche Unwettersaison zu kommen?

1. Vor dem Unwetter: die richtigen Vorbereitungen treffen Hausbesitzer und Mieter sollten vor einem schweren Gewitter Elektrogeräte vom Strom nehmen oder einen Überspannungsschutz verwenden, rät der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und das Bundesumweltministerium empfehlen, Chemikalien und andere gefährliche Stoffe zum Beispiel im Keller so zu lagern, dass eindringendes Wasser sie nicht erreicht. Heizöltanks sollten an der Wand verankert sein oder mit Ballast beschwert werden.

Bewegliche Gegenstände am Haus und im Garten gilt es in Sicherheit zu bringen, wenn es kräftig donnert. Dazu gehören Gartenmöbel ebenso wie Fahrräder. Alle Fenster müssen geschlossen werden, anderenfalls kommt die Hausratversicherung nicht für mögliche Schäden an den Möbeln auf, erklärt die Verbraucherzentrale Brandenburg. Und wer im Keller eine Rückstauklappe hat, die verhindert, dass Wasser aus der Kanalisation von unten ins Haus gedrückt wird, sollte deren Funktion regelmäßig überprüfen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

2. Während des Unwetters: Besondere Vorsicht auf den Straßen Autofahrer müssen sich bei Stark- und Dauerregen vor Aquaplaning in Acht nehmen. Das Auto lässt sich dann nicht mehr lenken, weil die Reifen das viele Wasser nicht mehr über ihr Profil ableiten können, erklärt der Tüv Süd. In solchen Situationen gilt: Lenkrad nicht bewegen, Tempo rausnehmen und bei Autos mit ABS nicht zu zaghaft bremsen. Erst wenn die Räder erneut Kontakt zur Straße bekommen, sollte der Fahrer wieder lenken. Kommt der Regen plötzlich oder zu stark, stellt man notfalls den Warnblinker an, fährt rechts ran und bleibt stehen.

Gefährlich sind auch Unterführungen: Wenn sich dort eine durchgängige Wasserfläche bildet, sollten Autofahrer vorher stoppen. „Denn ich kann in der Regel nicht an der Oberfläche sehen, wie tief das Wasser schon ist“, erklärt Hans-Ulrich Sander vom Tüv Rheinland. Sitzt ein Autofahrer fest, heißt es: Motor ausmachen und das Auto so schnell wie möglich verlassen. Der Schlüssel sollte man stecken lassen, damit das Auto später ohne eingerastetes Lenkradschloss bewegt werden kann.

3. Nach dem Unwetter: Schäden melden und Keller trockenlegen  Schäden durch Starkregen und Überschwemmungen sollten Betroffene umgehend fotografieren und ihrer Versicherung melden. Hausbesitzer sind abgesichert, wenn sie neben der Wohngebäudeversicherung einen Schutz für Elementarschäden abschließen, Mieter können ihn als Zusatz zur Hausratversicherung bekommen. Defekte Gegenstände sollten Bewohner erst entsorgen, wenn sie das weitere Vorgehen mit dem Versicherer geklärt haben, erklärt die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Gefahrenquellen dürfen sie aber absichern und beseitigen, damit kein weiterer Schaden entsteht.

Ist ein Keller überflutet, muss geprüft werden, ob der Strom abgestellt ist. Liegt der Stromkasten dort, wo Wasser ist, sollten Betroffene die Feuerwehr oder den Energieversorger rufen, rät das BBK. Mit dem Wasserabpumpen darf erst begonnen werden, wenn der Wasserstand außerhalb niedriger ist als im Haus, so das Bundesumweltministerium.

Damit zurückbleibender Schlamm nicht zu einer schweren, festen Masse wird, wird er mit sauberem Wasser weggespritzt. Organische Materialien beginnen anderenfalls zu stinken und faulen, erklärt Werner Weigl von der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau.

Trockengeräte für den Keller lassen sich im Baumarkt leihen, für 100 bis 150 Euro gibt es aber auch geeignete Geräte für den Hausgebrauch zum Kauf. Nach einem nur kurzfristigen Hochwasser sind ein paar Tage Trockenzeit nötig, die Folgen längerer Überflutungen können einige Wochen Trockenzeit erfordern. Als trocken gilt ein Raum erst wieder, wenn ein Hygrometer etwa 60 Prozent Luftfeuchtigkeit im Raum anzeigt.

 

Bei Gewittern im Freien richtig verhalten

Wir zelten gerade. Wie verhalte ich mich nun bei Gewitter?

Normale Zelte sind bei Blitzeinschlägen nicht sicher, betont der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Gewittert es, sollte man das Zelt verlassen und einen geschützten Ort aufsuchen – ein festes Gebäude auf dem Zeltplatz oder ein Fahrzeug zum Beispiel. Im Zelt zu bleiben, wäre unter anderem deshalb gefährlich, weil ein ins Gestänge einschlagender Blitz meist ungleichmäßig verteilt über die Zeltstangen in die Erde abfließt.

Ich stehe im Wald. Bin ich hier sicher?

Blitze schlagen am höchsten Punkt einer Umgebung ein. Daher gelten einzelne Bäume, Baumgruppen und Waldränder als potenzielle Ziele. Im Inneren eines Waldes ist die Gefahr nach VDE-Angaben zwar geringer. Trotzdem lautet der Rat: Idealerweise sollte man zu allen Bäumen und Ästen mindestens zehn Meter Abstand halten.

Das Gewitter erwischt mich auf freiem Feld. Wohin flüchte ich?

Wenn kein sicherer Unterschlupf in Sicht ist, sollte man sich eine flache Stelle oder eine Mulde im Gelände suchen. Am besten lagert man sich tiefer als das umgebende Gelände,  geht  in die Hocke, stellt die Füße eng nebeneinander und legt die Arme um die Knie.

Kann ich nicht noch schnell mit dem Fahrrad nach Hause fahren?

Hier gibt es zwei Probleme: Die Nähe zu einem Metallgegenstand wie dem Rad oder einem Regenschirm ist gefährlich. Und wie lange dauert es noch, bis Gefahr unmittelbar wird? Beobachtungen zufolge kann ein Blitz fünf Kilometer und mehr entfernt von seiner Ursprungswolke einschlagen. Die Entfernung eines Unwetters lässt sich allerdings abschätzen: einfach die Sekunden zwischen Blitzschlag und Donnerhall zählen und das Ergebnis durch drei teilen. Das ergibt die Entfernung in Kilometern. Faustregel: Liegen zwischen Blitz und Donner zehn Sekunden und weniger, besteht Lebensgefahr.

Ist das Auto ein sicherer Unterschlupf?

Sicher sind Passagiere in Autos mit Ganzmetallkarosserie, erklärt der VDE. Denn dort schützt sie der sogenannte Faradayscher Käfig: Schlägt der Blitz ein, leitet die Außenhaut aus Metall den Strom zur Erde ab.

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