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Kunst auf der Haut : Tattoos – von pastellig bis polynesisch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für welches Motiv man sich entscheidet, wird oft auch von aktuellen Trends beeinflusst. Aber ist das klug?

svz.de von
erstellt am 30.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Für manche ist es nur ein modisches Accessoire. Andere sehen darin eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Tattoos sind längst kein Randphänomen mehr. Laut einer Allensbach-Studie von 2014 sind mittlerweile 13 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren tätowiert. Und sie folgen bei der Wahl ihrer Hautbilder aktuellen Trends. Derzeit sind polynesische Tattoos beliebt, sagt Maik Frey, Verbandssprecher der Deutschen Organisierten Tätowierer in Siegen. Dabei handelt es sich um geometrische Ornamente, wie sie die Inselvölker des Südseeraums gestochen haben. „Die Bilder werden unter dem Begriff Maori-Tattoo subsumiert, was nicht korrekt ist, weil die Maori, das indigene Volk Neuseelands, anders tätowiert haben als etwa die Samoaner.“

Gefragt sind auch Tattoos im realistischen Stil. „Sehr beliebt ist es, sich das Gesicht eines Angehörigen, nicht selten der Kinder, stechen zu lassen“, so Frey. Auch Filmmotive, Totenköpfe oder Tiere seien populär. Außerdem sind optische Illusionen populär – dreidimensional wirkende Schmetterlinge etwa oder Würfel, die scheinbar aus der Haut herauskullern.

Farbige Tattoos und solche in Graustufen mögen die Deutschen gleichermaßen. „Wer regelmäßig ins Sonnenstudio geht oder oft am Strand ist, sollte sich eher für ein schwarz-graues Tattoo entscheiden, denn es verblasst nicht so schnell“, rät Frey. Hier liegt auch die Schwachstelle eines weiteren Trends: der Aquarell-Tattoos. „Für sie werden Pastelltöne verwendet. Der ohnehin geringe Farbkontrast verblasst nach wenigen Jahren, und es muss nachgearbeitet werden.“ Ein besonders beliebtes Motiv dieses Trends seien Füchse und andere Tiere, oft im kubistischen Stil dargestellt.

Nicht nach Trends richten

Nancy Mietzi hält wenig davon, sich ein bestimmtes Motiv stechen zu lassen, nur weil es gerade Trend ist. „Wer sich eine Pusteblume wünscht, aus der ein Vogel fliegt, oder eine Unendlichkeits-Schleife, die übrigens als das neue Arschgeweih gilt, dem würde ich raten, sich das wirklich genau zu überlegen.“ Bekannt geworden ist Mietzi durch die Sixx-Sendung „Horror Tattoos“, in der sie missglückte und leidgewordene Tattoos mit neuen Motiven, sogenannten Cover-ups, übersticht. Der Klassiker sei der Name des Liebsten, von dem man sich getrennt hat, erzählt Mietzi. Ähnliches gelte für Sprüche. „So etwas versuche ich auszureden“, sagt Frey.

Wer sich nicht überzeugen lässt, landet im Zweifelsfall eben bei Mietzi oder bei Markus Lühr, Geschäftsführer des Unternehmens Tattoolos, das sich auf die Entfernung der Hautbilder spezialisiert hat. „Wir verzeichnen einen sehr starken Kundenanstieg.“ Jedes Jahr veröffentlicht er eine Liste der zehn am häufigsten entfernten Motive. „Im vergangenen Jahr führten Schriftzüge das Ranking an, gefolgt von Tribals und Permanent Make-up.“ Die Mehrheit der Kunden sei weiblich.

Wer sich entschließt, sich von der Farbe zu trennen, investiert dafür nicht nur viel Geld – die Entfernung beläuft sich etwa auf das Zehnfache des Tattoopreises. Sie kostet aber auch Zeit: „In der Regel sind acht bis zwölf Behandlungen im Abstand von etwa sechs Wochen nötig.“

Häufiger Grund für den Besuch ist das Motiv, das sich als Fehlentscheidung herausstellt. Kaum seltener sei aber die Qualität des Tattoos ausschlaggebend. „Es gibt massig Tätowierer, allein in Berlin mehr als 4000, aber nur ein Bruchteil davon ist wirklich gut“, sagt Lühr.

Das bestätigt auch Nancy Mietzi: „80 Prozent derer, die in die Sendung kommen, wollen ein Cover-up, weil das Tattoo schlecht gestochen wurde.“ Es gebe viele schlechte Tätowierer, warnt sie . Einen Grund dafür sieht sie darin, dass der Beruf nicht geschützt ist. „Es gibt keine Zugangsregelungen, ein Gewerbeschein reicht aus.“ Aber sie hat einen Tipp, um schlechte Tätowierer zu entlarven: „Behauptet ein Tätowierer, er beherrsche jedes Motiv und jeden Stil, und man kommt auch noch schnell dran, sollte man hellhörig werden.“ Denn bei einem guten Tätowierer müsse man schon einmal ein bis zwei Monate warten, bis man einen Termin bekommt. Aushängende Hygienezertifikate, eine gute Beratung und Preise, die nicht zu niedrig angesetzt scheinen, sind Hinweise auf ein gutes Studio. Frey rät dazu, sich den Tätowierer nach dem gewünschten Stil auszusuchen: „Ich tätowiere seit 27 Jahren. Wenn jemand wegen eines großflächigen japanischen Motivs zu mir kommt, schicke ich ihn trotzdem zu Kollegen, von denen ich weiß, dass sie das perfekt beherrschen“, sagt der Verbandssprecher. Er betreibt in Esslingen ein Studio. „Wer ein Porträt im Realistic Stil möchte, ist hingegen bei mir an der richtigen Adresse.“

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