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Verpackung als Kleidung : Packpapier auf dem Laufsteg

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Klebeband, Packpapier und Schaumfolie sind selten schön anzusehen. Eine Firma beweist mit einer Kleiderkollektion, dass Verpackung sexy sein kann.

svz.de von
erstellt am 24.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Von weitem fällt einem an dem elegant geschnittenen Abendkleid gar nichts auf. Ein figurbetontes Bandeau-Oberteil ohne Träger, ein ausschweifender Faltenrock im modischen Vokuhila (vorne kurz, hinten lang)-Schnitt und als Verzierung ein Dutzend blaue und weiße Blüten, die in einer geschwungenen Linie auf dem Kleid angebracht sind und einen richtigen Eye-Catcher bilden. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich die Blüten als geschickt gefaltete Papierblumen und der Rock als braunes Packpapier. Die Abschlüsse am Bandeau-Top sind aus einer Kordel aus Kunststoff gemacht.

Das Kleid ist eines von drei Outfits, das die Verpackungsfirma Paul Hildebrandt AG aus Henstedt-Ulzburg hat anfertigen lassen – aus Materialien, die eigentlich zum Einwickeln und Verpacken von Paketen und anderen Sendungen benutzt werden.

„Verpackung trifft Haute Couture“ heißt das Projekt, mit dem das Unternehmen ein klares Ziel verfolgt: Das modische Potenzial von Wellpappe, Klebeband und Styroporflocken unter Beweis stellen. Denn das komme im herkömmlichen gebrauch des Materials viel zu kurz. „Verpackung ist einfach nicht sexy“, sagt Jan Marcus, Vorstandsvorsitzender der Paul Hildebrand AG. Obwohl er die Idee zunächst für „totalen Unfug“ hielt, ließ sich der Unternehmenschef von den ersten Entwürfen schnell überzeugen. Eine Design-Firma aus Hamburg wurde mit der Planung und der Herstellung der Stücke beauftragt – ohne feste Vorgaben. An einer Palette von mehr als 50  000 verschiedenen Produkten konnten sich die Modemacher austoben, Hauptsache gut sollte es aussehen. Nicht alles ließ sich verwenden, das Material musste sowohl robust sein, als auch flexibel und leicht zu verarbeiten. Weil die meisten Produkte aus dem Verpackungssortiment in erdigen Farbtönen wie braun oder grau daherkommen, mussten sie außerdem noch bunt eingefärbt werden.

Das Ergebnis ist verblüffend: Ein japanischer Kimoni, ein afrikanisch-inspiriertes und ein europäisches Kleid, die auf den ersten Blick nicht von richtiger Abendmode zu unterscheiden sind. Tragbar sind die schicken Kleider allerdings nicht – die Schnitte sind lediglich an die Kleiderpuppe angepasst.

Die verschiedenen Ethno-Looks sind kein Zufall, sondern bewusst so gewählt. „Wir haben auch unter unseren Mitarbeitern die verschiedensten Kulturen dabei“, sagt Kemper. Eine davon ist Marketing-Chefin Ha Nguyen, die aus Vietnam kommt. Sie war es auch, die die Idee für das ungewöhnliche Mode-Projekt hatte.

Zu sehen sind die Kleider momentan nur in den Räumen des Unternehmens. Eines davon, das europäische Blüten-Kleid, steht in einer Glasvitrine im Eingangsbereich. „Die Kunden bleiben schon häufiger mal stehen, um sich die Kleider anzuschauen“, sagt Kemper. Außerdem sollen sie bei künftigen Messen-Auftritten auch als Hingucker fungieren.

Trotzdem sind die Kreationen eigentlich zu schade, um sie nicht öffentlich auszustellen. „Es gibt schon Überlegungen, an ein Museum heranzutreten“, sagt Pressesprecher Tobias Kemper. Und das nächste Projekt? „Vielleicht wird es ein Brautkleid“, verrät Marketing-Leiterin Nguyen. Und dann vielleicht sogar in einer tragbaren Variante.

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