LEBE!MANN : Überraschend flink und wendig

'Dass ich jemals in meinem Leben Panzer fahre, hätte ich auch nicht gedacht.' Unsere Redakteurin Moni Mück war begeistert.
1 von 3

"Dass ich jemals in meinem Leben Panzer fahre, hätte ich auch nicht gedacht." Unsere Redakteurin Moni Mück war begeistert.

13,3 Tonnen Gewicht, 300 PS Leistung, ein 6-Zylinder-V-Dieselmotor und dann der Satz: „Einfach Gas geben, den Rest bekommst du schon hin. Ich bin ja auch noch da.“

svz.de von
21. März 2019, 13:40 Uhr

An meine Fahrschulzeit denke ich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich bin froh, meinen Führerschein zu haben und fahre sehr gern und viel Auto. Und das gar nicht einmal schlecht, wie ich behaupten möchte. Aber die Fahrstunden selbst, habe ich eher, sagen wir einfach - als speziell in Erinnerung.

Und dann kommt mein Team eines Tages mit folgender Idee: Moni – Was hälst du davon, einen Artikel zum Thema Panzerfahren zu machen? Klar, denke ich. Ist bestimmt spannend mit so einem Ungetüm mit zu fahren. Gesagt, getan. Ich rufe Jörg Warncke an. Ihm gehört seit drei Jahren eine Firma, die Panzerfahrten in Mecklenburg-Vorpommern nahe Krakow am See anbietet. Nachdem ich kurz erkläre, was wir vorhaben, ist er sofort begeistert und freut sich auf meinen Besuch, so seine Aussage. Eine Bedingung hat er allerdings. Wenn ich den Artikel übers Panzerfahren schreiben will, muss ich auch selbst Panzer fahren - nicht nur mitfahren. Ich schlucke kurz und sage zu. Na, das kann ja heiter werden.

Ein Montagmorgen Ende Februar. Strahlend blauer Himmel. Gefühlt fast schon Frühling. Wir sind auf dem Weg Richtung Krakow, zu Jörg Warncke und Ricardo Michels. Und meiner ersten Panzerfahrstunde. Die Beiden winken, als wir auf das Gelände der Kiesgrube fahren. Wir erklimmen einen Hügel, begrüßen uns und dann sehe ich ihn, den „Bojewaja Maschina Pjechotui“ kurz BMP1, einen schwimmfähigen Schützenpanzer aus sowjetischer Entwicklung. Offiziell übersetzt heißt BMP so viel wie „Kampfmaschine der Infanterie“, wobei ich gleich zu Beginn anmerken möchte, dass dieser Panzer nicht mehr viel von einer Kampfmaschine hat, denn er wurde entmilitarisiert.

Ricardo Michels, unser Fahrschullehrer, beginnt mit der Sicherheitsbelehrung und einer kurzen Einweisung in die Fahrzeugtechnik und Steuerung.

Aber bevor es dann doch zu viel Theorie wird, macht er mit uns eine Probefahrt. Wir sollen schließlich ein Gefühl dafür bekommen, was dieses Fahrzeug zu bieten hat. Der BMP ist trotz seiner 13,3 Tonnen Gewicht schnell und wendig. Er hat mit seinem 6-Zylinder-V-Dieselmotor eine Leistung von 300 PS und schafft, wenn Ricardo wollte, 65 Stundenkilometer. Er kann Gräben bis zu einer Breite von 2,50 m und Geländestufen von bis zu 70 cm Höhe überwinden. Und vor allem bietet er dem Mitfahrer ein Gefühl von Achterbahn und Karussell, das ich sonst nur von großen Freizeitparks kenne. Mein Adrenalinpegel ist in jedem Fall stark über normal. Ich bin aufgekratzt und ein wenig ängstlich, denn nach der zweiten Runde bremst Ricardo und sagt: „So. Jetzt bist du dran.“

Ricardo setzt mir die Kopfhaube auf, welche die Funksprechverbindung zu ihm sicherstellt, schließlich muss ich ja hören, welche Kommandos mir mein Fahrschullehrer während der Fahrt gibt.

Ohne Funk hätte ich kaum eine Chance etwas zu verstehen, denn leise geht es auf einem Panzer wahrlich nicht zu. Dann nehme ich Platz. Zu meinem Glück muss ich nicht mit geschlossener Luke fahren, sondern darf den Kopf aus der Öffnung halten. Meine Klaustrophobie dankt es mir. Ich finde einen Halblenker vor - also gewissermaßen ein Lenkrad, das oben und unten abgeschnitten wurde. Gas, Bremse und Kupplung sind wie in jedem normalen PKW angeordnet. Nur die Schaltung irritiert mich kurz, eine H-Schaltung am Lenkschwert. Ricardo sagt mir, wie ich den zweiten Gang einlegen muss und schon geht’s los. Erst langsam und holperig, aber mit zunehmend zurückgelegter Strecke werde ich mutiger und mein Fahrstil flüssiger. Geht doch, denke ich. In der zweiten Runde befahre ich einen Hügel, der aus meiner Position allerdings einem Berg ähnelt. Ich erkenne kein Ende und mutmaße wann ich die Spitze erreiche auf der sich der BMP nach vorne neigt um zu kippen. Mein Adrenalinpegel steigt. Ricardo merkt, dass ich nervöser werde. „Einfach weiter Gas geben und die Lenkung gerade halten, dann kann nichts passieren.“ Gut, er wird ja wissen, was er macht. Also weiter Gas und schon ist es vorbei, wir kippen, es geht bergab und ich sehe wieder Piste.

Als ich am Ende der zweiten Runde abbremse, durchströmt mich Adrenalin und Stolz. ‚Wow, ich bin einen 13,3 Tonnen schweren Panzer gefahren. „Und, war doch nicht schwer, oder?“ fragt Ricardo. Nein, schwer war es nicht. Es hat Spaß gemacht, sehr viel sogar. Ob ich es wieder machen würde? Jederzeit! Ob ich verstehen kann, warum so viele Männer davon fasziniert sind? Unbedingt! Ein 13,3 Tonnen schweres Fahrzeug zu bewegen, war für mich etwas Einmaliges. Etwas, das nicht alltäglich ist. Eine Mechanik, die begeistert – Egal ob Mann oder Frau.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen