LEBE!MANN : Keine halben Sachen

Bewegung an der frischen Luft ist für ihn der perfekte Ausgleich vom Alltag.
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Bewegung an der frischen Luft ist für ihn der perfekte Ausgleich vom Alltag.

Seit der Goldmedaille im Gewichtheben bei den Olympischen Spielen 2008 kennen viele Menschen Matthias Steiner. Heute ist der gebürtige Österreicher nicht nur 45 kg leichter, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann.

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21. März 2019, 11:04 Uhr

Die Bilder gingen um die Welt. Der damals 26-jährige Matthias Steiner schafft in seinem letzten Versuch bei den Olympischen Spielen in Peking das Unfassbare. Mit seiner persönlichen Bestleistung im Zweikampf krönt er sich zum Olympiasieger. Der Niederösterreicher ist ganz oben angekommen.

Dabei sah es zu Beginn seiner Laufbahn nicht danach aus, dass er eine große Sportlerkarriere hinlegen würde. Im Jahr 2000 diagnostizierten Ärzte bei ihm die Autoimmun-Erkrankung
Diabetes Typ 1 und rieten davon ab, Leistungssport zu betreiben. „Motiviert hat mich das zunächst einmal gar nicht“, gibt er zu. Steiner war noch mitten in seiner Ausbildung zum Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur und wollte sich danach voll und ganz auf den Leistungssport konzentrieren. Er wusste zunächst nicht, wie es weitergehen soll. Er fühlte sich allein. „Das ist eine harte Diagnose. Der Stoffwechsel ist gestört und es passt vorne und hinten nichts mehr“, beschreibt er seine damalige Situation. Die Motivation kam jedoch wieder und so feierte er in den folgenden Jahren große Erfolge als Gewichtheber.

2013 ist Matthias Steiner aus dem Profisport zurückgetreten. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war sein Alter. Er weiß, dass man mit Anfang 30 im Gewichtheben nicht mehr der Jüngste ist. Als alt würde er sich aber noch lange nicht bezeichnen. „Ich fühle mich heute mit 36 noch wie 20.“ Zusammen mit seiner Frau, der Moderatorin und Journalistin Inge Steiner, gründete er im selben Jahr die Steinertainment GmbH.

Schon während seiner aktiven Zeit hat sich Matthias Steiner intensiv für Menschen mit Diabetes engagiert. Die Unterstützung von  Kindern mit Typ 1 Diabetes liegt dem Familienvater besonders am Herzen.

Mittlerweile sind weitere Projekte dazu gekommen. Matthias Steiner ist Geschäftsmann, Sänger, Fitness- und Ernährungscoach und Buchautor. Die Arbeit an seinem Buch „Das Steiner Prinzip – Vom Schwergewicht zu Wohlfühl-Ich“, welches er innerhalb eines Jahres mit seiner Frau geschrieben hat, handelt von dem bewussten Umgang mit dem eigenen Körper. Innerhalb eines Jahres hat Steiner durch eine aktive und gesunde Lebensweise 45 kg Körpergewicht verloren. Davon erzählt das Buch und so möchte er die Leser motivieren.

Der Nachfolger „Das Steiner Prinzip – Dein 12-Wochen-Plan“ ist eine Anleitung, wie man mit Körpergewichtsübungen und bewusster Ernährung fit und vital werden kann.

Der erste Schritt ist, sich selbst zu kennen. Wie viel bewegt man sich und wo sind die Möglichkeiten, Sport einzubauen. Im Gegensatz zu anderen Programmen geht es beim Steiner Prinzip um das Verstehen des eigenen Körpers und des individuellen Alltags. „Ich habe auch mal drei Veranstaltungen hintereinander, bei denen das beste Essen serviert wird. Da esse ich auch nicht nur ein Salatblatt, sondern genieße.“ Er weiß aber auch, wie wichtig es ist, am nächsten Tag zur bewussten Ernährung zurückzukehren.

Das Steiner-Prinzip gibt es ebenfalls als interaktives Online-Programm. Es ist und bleibt sein größtes Projekt. „Ernährung und Bewegung sind immer ein Thema“, weist er auf die fortwährende Dringlichkeit seiner Arbeit hin. In der Position eines Vorbilds, dem man nacheifert, sieht er sich nicht. Er möchte eher jemand sein, der seine Ausstrahlung und seine Lebensfreude an die Menschen weitergibt. Er will zeigen, wie wichtig es ist, auf sich zu achten. Dieses Bewusstsein für sich sieht Matthias Steiner als eine seiner Stärken an. Er sei gut in der Lage auf sich selbst zu hören und kenne seine Grenzen. „Ich rufe jetzt aber nicht zum Egoismus auf“, erklärt Steiner seine Aussagen genauer. „Man braucht einfach eine gewisse Grundzufriedenheit“. Ihm ist es wichtig, für andere Menschen da sein zu können, was er aber nur kann, wenn er auf sich selber achtet und gesund lebt. Unterstützung auf diesem Weg erfährt er von seiner Frau. Sie entwickelt die Ideen und managt die Auftritte und Vorträge. Ohne sie wären viele Dinge nicht möglich.

Wie sehr seine Geschichte und auch seine weitere Entwicklung Gehör bei den Menschen fand, überraschte ihn zunächst. Eine Erklärung dafür hat er allerdings auch. „Bei mir ist nichts aufgesetzt. Ich habe genau dieselben Päckchen mit mir rumzutragen, wie Andere auch.“ Dadurch erklärt er sich, warum die Menschen ihm gerne zuhören und auch Wert auf seine Aussagen legen. So ist er zu einer Person geworden, die zum Einen für die Menschen da sein kann, andererseits aber auch die Möglichkeit hat, Fragen oder Anregungen an die richtigen Personen weiterzuleiten. „Die gesamte Ernährungskultur zu ändern ist sehr schwer“, beschreibt der ehemalige Profi-Sportler die Problematik. Dem zweifachen Familienvater ist es wichtig, Dinge anzusprechen. Hierbei geht es ihm nicht darum, das Negative öffentlich zu machen, sondern vielmehr sein Anliegen positiv zu präsentieren, indem er Alternativen aufzeigt. „Eigentlich möchte ich die Menschen mündig machen“, beschreibt Steiner sein Ziel in einem Satz. Der Mensch soll selber entscheiden können, wie viel Limonade er trinkt oder wie viel Süßigkeiten er isst. Vorher sollte er jedoch verstanden haben, was Zucker und andere Stoffe in seinem Körper bewirken.

Ein weiteres Steckenpferd des Ausnahmetalents ist die Musik. Sie begleitet ihn seit Kindertagen. Schon mit fünf Jahren lernte er Klavier, später kam das Akkordeon dazu. Mit zwölf Jahren musste er sich dann zwischen Sport und der Musik entscheiden. Seine Wahl fiel bekanntermaßen auf den Sport. Nach seiner Karriere als Gewichtheber fand er mehr durch Zufall zu seiner Leidenschaft zurück.

Einer Gesangseinlage bei der Sendung „Inas Nacht“ folgte ein Auftritt mit seiner Frau bei Florian Silbereisen. „Dann hat der ORF für einen Auftritt angefragt und plötzlich stand ich im Studio“, beschreibt er die Anfänge seiner musikalischen Karriere. In solchen Momenten kommt dann doch noch einmal eine Eigenschaft des Leistungssports in ihm hoch. Er nahm Gesangsunterricht, um sich weiter zu verbessern. Halbe Sachen gibt es bei Matthias Steiner eben nicht.

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