LEBE!MANN : Im Rausch der Geschwindigkeit

Die Glashager Illbruck
1 von 3

Die Glashager Illbruck

Die Erfolgsgeschichte der Firma Speedsailing und was das Volvo Ocean Race damit zu tun hat

von
26. August 2019, 15:37 Uhr

Wer sich für den Segelsport interessiert, dem ist das Volvo Ocean Race ein Begriff . Für alle anderen: Es handelt sich um die härteste Segelregatta der Welt. Auf baugleichen Booten stellen Spitzensportler bei einer Weltumseglung auf verschiedenen Etappen ihr Können unter Beweis. Früher wurde die Regatta auf sogenannten V.O.60-Rennyachten (Volvo Ocean Racer mit 60 Fuß Länge) durchgeführt. Drei dieser Rennziegen haben nach erfolgreicher Teilnahme am Volvo Ocean Race einen neuen Heimathafen in Rostock gefunden. Und genau an dieser Stelle beginnt die Erfolgsgeschichte der Firma Speedsailing.

Speedsailing ist mittlerweile vielen Menschen ein Begriff. Egal ob Segler oder nicht, wer einmal einen Tag auf einer der drei Rennyachten verbringen durfte, und sei es Jahre her, schwärmt noch heute und würde jederzeit wieder aufsteigen. 2016 haben Felix Hauß, Martin Krinkel und Oliver Schmidt-Rybandt mit Speedsailing eine Firma und gleichzeitig eine Marke übernommen, die Träume erfüllt und Suchtpotential bereithält.

Bekannt ist Speedsailing vor allem im Bereich Corporate Sailing. „Wir veranstalten Segel-Events von der kleinen Schreinerei mit sechs Personen bis hin zum DAX Konzern. Letztes Jahr war unser größtes Event mit 148 Personen an einem Tag. Das ist keine Kaffeefahrt, sondern authentisches Rennsegeln.“ Felix Hauß strahlt übers ganze Gesicht, wenn er über Speedsail spricht. Überhaupt strahlen sie hier alle. Was wohl auch damit zusammen hängt, dass Speedsailing vor wenigen Tagen Anfang Juli während der Warnemünder Woche einen neuen Rekord bei der Regatta Rund Bornholm aufgestellt haben. Die Crew konnte die eigene Bestzeit aus dem Jahr 2017 um satte 3 Stunden und 40 Minuten unterbieten und ist somit die 270 Seemeilen (500 km) in 24 Stunden 54 Minuten und 23 Sekunden gesegelt.

Damit all das überhaupt umsetzbar ist, verbirgt sich hinter Speedsailing ein Team aus neun Festangestellten und einer Pool-Crew von 25 bis 30 Seglern. Eine perfekte Maschinerie, die 80 bis 100 Segelevents pro Saison auf die Beine stellt. Und das nicht nur für Kunden wie Airbus oder die Luft hansa, sondern auch für interessierte Einzelpersonen. Der Segeltag selbst startet für die Teilnehmer dabei immer gleich, erzählt mir Felix: „Um 9 Uhr geht’s los und das bei jedem Wetter. Man bekommt Regensachen von Musto, Leihstiefel und Sicherheitsausstattung, wird auf dem Boot eingewiesen und läuft hier im Rostocker Stadthafen aus. Immer mit dabei sind drei Crewmitglieder und ein Skipper.“ Leinen los und schon ist man auf der Warnow und eine Stunde später auf der Ostsee. Was das eigentliche Segeln anbelangt, greift bei Speedsailing das Prinzip, man muss nicht, aber man kann. „In der Regel brauchen wir alle Gäste und Hände, um das Boot vernünft ig zu bewegen. Wir können die Yacht den Gästen dann auch sehr gut übergeben, zumindest gefühlt. Unsere Mitsegler wissen zwar noch immer nicht, was sie da eigentlich genau tun, aber sie kriegen das Boot irgendwie über den Rennkurs gefahren.“ Dabei ist es völlig egal, ob man Segelerfahrung hat oder nicht. Alles an Bord greift ineinander, wie bei Zahnrädern, wo alle Teile funktionieren müssen, damit man schnell vorwärts kommt. Gerade für Unternehmen und Teambuilding- Maßnahmen ein klasse Aha-Effekt, aber genauso beeindruckend für Einzelpersonen, wenn Geschwindigkeiten über 20 Knoten (ca. 37 Kilometer pro Stunde) und mehr erreicht werden.

Neben den Mitsegelangeboten verfolgt Speedsailing noch weitere ambitionierte und spannende Projekte. Eines davon ist die Kooperation mit HanseYacht aus Greifswald, berichtet Felix. „Wir haben gemeinsam ein Boot (eine Dehler 30 One Design) entwickelt, das jetzt in Serie geht. Eine 30 Fuß (ca. 9 Meter) Regatta-Yacht. Ein Off shore- Neubau, eine Einheitsklasse und wir sind der Exklusivpartner. Ab Oktober werden wir die Prototypen hier haben. Alles daran ist sehr innovativ entwickelt und wir waren vom ersten Zeichenstrich dabei mit unserem Team. Das war total klasse für uns.“ Das Boot hat ein Potential von 20 Knoten und wird von zwei bis vier Personen gesegelt. Besonders spannend in dem Zusammenhang: 2024 bei den Olympischen Spielen werden erstmals mixed Offshore Kielboote erlaubt sein. Also Einrümpfer mit einem Deckslayout für eine Minimalcrew von zwei bis vier Personen. Eben jene also, wie sie mit der Dehler 30 One Design ab Oktober in Rostock zu finden sind. Klar, dass alle hier aufgeregt sind, Felix inbegriffen. „Die Jungs hier sind total heiß drauf, wieder mehr im Sportbereich zu machen. Wenn also morgen ein Sponsor um die Ecke käme, könnten wir sofort loslegen, weil Basis und Infrastruktur vorhanden sind.“

Das Team von Speedsailing blickt lächelnd in die Zukunft und freut sich tagtäglich über neue Herausforderungen. In ihrer ganzen Art sind sie dabei auf dem Teppich geblieben und nicht abgehoben. Sie leben ihren Traum, konnten ihn zum Beruf machen. Das steckt an und macht unglaublich Lust, selbst einmal einen der Volvo Ocean Racer auszuprobieren und dem Rausch der Geschwindigkeit zu verfallen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen