LEBE!MANN : „Das war perfekt. Gleich nochmal.“

Hinnerk Schönemann, Antje Naß und Marco Voß bei unserem Interviewtermin in Warnemünde.
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Hinnerk Schönemann, Antje Naß und Marco Voß bei unserem Interviewtermin in Warnemünde.

Ein Gespräch mit Hinnerk Schönemann, Antje Naß und Marco Voß über die Gegenwart und die Zukunft der Medienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern.

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21. März 2019, 11:51 Uhr

Hätten Sie gewusst, dass eine Szene aus dem Hollywood Film  „Kingsman: The Golden Circle“, der 2017 erschien, in Schwerin gedreht wurde? Regisseur Matthew Vaughn nutzte die imposante Außenansicht des Schweriner Schlosses für einige seiner Szenen. Im Film übernimmt es dann die Rolle des Schwedischen Königspalastes. Oder dass auf dem Filmplakat von „Shutter Island“ mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle der Warnemünder Leuchtturm zu sehen ist? Nein? Wundern Sie sich nicht, denn mir ging es zu Beginn der Recherche für diesen Artikel genauso. Aber das sollte sich ändern, als ich Antje Naß und Marco Voß von der FILMLAND MVgGmbH in Schwerin kennenlernte.

Beide genießen durch ihre langjährige, verlässliche Arbeit im Land großes Vertrauen in der Branche und sind mit den entscheidenden Playern vernetzt, so dass sie durch ihre persönlichen Kontakte Türen für Andere öffnen können.

Antje und Marco waren es auch, die mir ans Herz legten, noch einen dritten Protagonisten mit an Bord zu holen. Jemanden, der von der anderen Seite berichten kann, aber ebenso tief mit dem Bundesland MV verwurzelt ist. Die Rede ist von dem Schauspieler Hinnerk Schönemann. Geboren in Rostock, lebt er  mittlerweile seit über 10 Jahren wieder in MV. Ein Umstand, den er um nichts in der Welt missen möchte.

Es ist Ende Januar. Einer dieser wunderbar klaren und kalten Tage und ich habe das große Glück, mich mit meinen drei Interviewgästen in Rostock/ Warnemünde im Hotel Neptun zu treffen.  Geplant ist bereits erwähntes Gespräch zum Thema Film in MV und gleich zu Beginn möchte ich wissen: Was kann der Film für MV tun und wie ist die Branche aufgestellt? Ich lehne mich zurück. Alle drei schauen sich an. Marco Voß nickt und beginnt: „Filme sind Kulturgut. Sie erzählen Geschichten aus Mecklenburg-Vorpommern.

Meiner Meinung nach sind Medien und Film ein wichtiges Thema, um das Bundesland bekannt zu machen. Bewegte Bilder, das ist einfach die Zukunft, das ist die Aufmerksamkeit, das ist ein globales Thema. Medien und Film können es schaffen, Mecklenburg-Vorpommern als Standort wahrnehmbarer zu machen. Deshalb sind Geschichten von hier so wichtig.“

Das Fernsehen hat Mecklenburg-Vorpommern schon länger auf dem Schirm.  „Wir glauben, dass die Attraktivität als  touristischer Ort bei den Sendern durchschlägt. Gerade mit den ganzen Krimireihen nach skandinavischem Vorbild. Sei es ‚Soko Wismar’, ‚Polizeiruf Rostock’, der ‚Usedom Krimi’ oder ‚Stralsund’. Krimi geht schon lange hier im MV. Mit ‚Ella Schön’ kommt nun auch eine touristische Reihe dazu. Oder seit zwei Jahren mit dabei: ‚Praxis mit Meerblick’, eine Mischung aus Ferien und Gesundheit.“  Diese Serien zeigen Menschen, das Meer, schöne Orte. Es sind attraktive Formate, die deutschlandweit erfolgreich sind. Und so dafür sorgen, dass Mecklenburg-Vorpommern im gesamten Bundesgebiet wahrgenommen wird. „Das Fernsehen hat das Potential erkannt. Das ist die eine Seite, denn das Fernsehen ist schlau, die merken, wenn die Einschaltquoten gut sind, dass es funktioniert und machen weitere Folgen. Ob die Landesregierung das merkt?“  Marco Voß überlegt. „Ja, die Landesregierung freut sich, aber ich glaube nicht, dass es Verhandlungen darüber gibt, mit dem Sender Weiteres zu machen. So funktioniert das Fernsehen aber auch nicht.  Die verantwortlichen Redakteure haben Mecklenburg-Vorpommern als boomende Urlaubs- und Naturdestination mit dem besonderen Ostcharme oft selbst erlebt  und nehmen neue Ideen von dort positiv auf. Dabei rückt gerade das Hinterland stärker in den Fokus.“ Eine der neuen Ideen im Hinterland ist eine Reihe, die in Waren spielt: „Käthe und ich“. Bisher wurden zwei Folgen gedreht, die 2019 ausgestrahlt werden. Bei der titelgebenden „Käthe“ handelt es sich um einen Therapie-Hund. Christoph Schechinger spielt den Psychologen Paul, der sich mit seiner Hündin Käthe auf tiergestützte Therapien spezialisiert. Mit von der Partie ist Pflegeleiterin Hildegard, gespielt von Mariele Millowitsch. „Das Tolle am Film ist ja, dass du ziemlich gut die Möglichkeit hast, durch die Drehorte ein Spektrum von Mecklenburg-Vorpommern aufzublättern. Im Hinterland die Herrenhäuser, die umliegenden Dörfer, die Ostsee“, ergänzt Antje. 

Schneller kann man das Land gar nicht entdecken. Das hat auch der Tourismusverband MV erkannt und 2017 fünf kurze Spots produzieren lassen, die auf eine sehr charmante Weise Mecklenburg-Vorpommern und den Schlag Mensch, der hier lebt, vorstellen. „Endlich Ruhe!“ erschien dann 2018 und ist zudem „Made in MV“ – die Serie wurde von Akteuren aus dem Land geplant, gedreht und produziert. Umgesetzt wurde die Produktion von der Firma Populärfilm aus Rostock. Partner waren unter anderem Rabauke-Filmproduktion aus Rostock, das Landesmarketing MV und die FILMLAND MVgGmbH.

Mit von der Partie war der ebenfalls für seine charmante, nordische Art bekannte Mecklenburger Hinnerk Schönemann. In „Endlich Ruhe“ sieht man ihn an der Seite von Anneke Kim Sarnau in Binz auf Rügen, Schwerin, der Mecklenburgischen Seenplatte, Rostock-Warnemünde und auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. „Das war klasse“, erinnert er sich. „Wir wurden gefragt und haben nicht lange überlegt. Die Filme waren gut geschrieben und nachdem wir uns mit der Produktion getroffen haben war klar, das wird gut funktionieren. Der Dreh selbst war dann schon ein wenig Anarchie. (lacht) Schnell machen und improvisieren. Darin bestand aber auch der Reiz. Wir hatten keine Angst davor zu improvisieren oder uns spontan auf einen neuen Drehort einzustellen.“ „Die Motivation war großartig“, gerät auch Marco Voß ins Schwärmen. Das Team war jung und konnte seine Heimat portraitieren. „Es hatte ein bisschen was von Aufbruch. Es fühlte sich so an wie: Jetzt kommt auch endlich mal was aus Mecklenburg-Vorpommern. Das war echt gut“, stellt Hinnerk Schönemann stolz fest. „Ich würde es sofort wieder machen.“ Mecklenburg-Vorpommern liegt ihm am Herzen. „Ich merke einfach, dass ich hier gerne öfter drehen würde. Ich kann hier in Mecklenburg irgendwie noch tiefer atmen. Das ist vielleicht ein komisches Bild, aber es stimmt.“ Die Spots kamen super an. „Ich wurde sehr viel darauf angesprochen. Kurz nachdem sie veröffentlicht worden sind, bis heute. Wir werden auch immer wieder gefragt, wann neue Spots kommen.“ Die sind für 2020 geplant. „Dabei wollen wir am erfolgreichen Grundkonzept ‚Endlich Ruhe‘ und an den Protagonisten festhalten, die kreative Idee aber noch ein Stück weiterdenken und damit auch überraschen. Man darf also gespannt sein“, erklärte Tobias Woitendorf vom Landestourismusverband. Made in MV funktioniert. Also gern mehr davon.  Vielleicht auch ein Spielfilm? „Diesen Schritt haben wir jetzt auch geschafft. Es gibt den Film ‚Kahlschlag‘. Gemacht von dem talentierten Autor, Regisseur und Produzenten Max Gleschinski“, berichtet Marco Voß. Gemeinsam mit dem Kameramann Jean-Pierre Meyer-Gehrke führt Max Gleschinski die Rostocker Produktionsfirma „Von Anfang Anders Filmproduktion“, dessen Repertoire vor allem Imagefilme und Musikvideos für lokale Auftraggeber umfasst. ‚Kahlschlag‘ ist der Debüt-Spielfilm der jungen Firma und wurde im Herbst 2018 bei den 52. Internationalen Hofer Filmtagen mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino für den besten Film ausgezeichnet. Eine sensationelle Leistung, für die neben finanziellen Unterstützern auch das großartige Netzwerk der Filmschaffenden verantwortlich ist. „Das Netzwerk hat gezeigt, dass es zu schaffen ist. Gerade Mecklenburg-Vorpommern kann darauf wirklich stolz sein. Es gab seit Jahren keinen Film, der hier produziert wurde. Dass ein Spielfilm hier entwickelt wurde, das gab es ja öfter. Autoren und Regisseure, die von hier kommen und woanders arbeiten. Aber jetzt haben wir es geschafft, dass Leute, die von hier kommen, hier etwas auf die Beine stellen.“ Marco ist stolz auf „seine“ jungen Wilden. Antje nickt. Man muss allerdings auch dazu sagen, dass der Dreh von ‚Kahlschlag‘ etwa fünf Wochen Non-Stop war, mit einem 30-Mann-Team, fast gänzlich ohne Honorar. Das können nur junge Leute, Individualisten. Oder?

„Das gibt‘s in unserer Branche auch woanders. Natürlich sind fünf Wochen eine Ausnahme, aber es gibt immer wieder Filme, bei denen man ohne Bezahlung arbeitet, einfach weil man daran glaubt. Das passiert schon. Aber natürlich wäre es toll, wenn irgendwann in Mecklenburg so eine kleine Fabrik entstehen würde, eine Filmfabrik. Ein Ort, der kleine, feine Filme machen würde – das wäre ganz toll! Wenn ich ein Teil davon wäre, würde mich das sehr freuen. Also wenn man das irgendwie hinkriegen würde.“ Das filmisch visuelle Kapital ist in Hinnerks Augen auch vorhanden. „Es gibt, glaube ich, kaum ein Bundesland, wo man so eine Weite hat und so eine Ruhe. Dieses Kapital muss erst noch richtig erkannt werden. Man kann sich hier ausbreiten, muss richtig weit fahren, ohne dass etwas passiert. Das hast du in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin nicht. Und das wäre natürlich toll, wenn das praktisch auch ganz oben irgendwann mal erkannt wird.“

Also bitte liebe Akteure, macht weiter. Legt euch ins Zeug für Mecklenburg-
Vorpommern und sein visuelles Kapital. Vernetzt euch. Bündelt eure Kompetenzen und erzählt Geschichten.

Die  FILMLAND MV gGmbH richtet das traditionelle  FILMKUNSTFEST MV in Schwerin aus und ist seit 2008 auch für die Drehstandortbewerbung in  der Film- und Fernsehbranche zuständig. Im Auftrag der Landesregierung bietet sie unter dem Label FILM COMMISSION MV  einen kostenlosen Service für nationale und internationale  Filmproduktionen an. Zu den Aufgaben zählen u.a. die Beratung zu Drehorten und Drehgenehmigungen, die Unterstützung bei der Suche nach Filmteams und Dienstleistern in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Stärkung der landeseigenen Produzenten.

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