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Ratgeber

11. Dezember 2017 | 22:09 Uhr

Mit neuer Heizung darf die Miete steigen

vom

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2010 | 07:16 Uhr

Die Mieten könnten wegen Klimaschutz-Sanierungen bald deutlich steigen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte gestern an, Hausbesitzer sollten künftig einen größeren Teil der Kosten für Wärmedämmung oder neue Heizungen auf die Mieter umlegen dürfen. Der Deutsche Mieterbund reagierte empört. "Es kann nicht sein, dass die energetische Sanierung auf dem Rücken der Mieter ausgetragen wird", sagte Verbandssprecher Ulrich Ropertz. Das Bundeskabinett hatte im Energiekonzept beschlossen, den Wärmeverbrauch in Gebäuden bis 2050 um 80 Prozent zu senken.

Die Kosten für eine Sanierung können Vermieter schon heute auf die Miete umlegen. Was dabei zu beachten ist, haben wir zusammengestellt.

Sanierungskosten

Jeder Eigentümer eines Hauses kann frei darüber entscheiden, ob und wie er es energetisch saniert. Klassische Maßnahmen sind der Austausch der Heizung, die Dämmung von Wänden und Geschossdecken sowie der Einbau von besser abdichtenden Fenstern. Laut Vermieter-Verband Haus & Grund kostet etwa die komplette energetische Sanierung einer 70-Quadratmeter-Wohnung aus dem Jahr 1970 rund 50 000 Euro.

Mieterrechte

Mieter können grundsätzlich gegen eine Sanierung klagen. Im Gesetz steht lediglich, dass Maßnahmen geduldet werden müssen, die der Erhaltung der Mietsache dienen. Ob Energiesanierung dazu gehört, ist rechtlich strittig. Zudem hat der Mieter das Recht, während der Arbeiten die Miete um 50 Prozent bis 100 Prozent zu kürzen - je nach Beeinträchtigung der Wohnqualität. Für eine Mieterhöhung muss der Vermieter zudem exakt nachweisen, wie hoch die Energieersparnis ist. Das ist laut Vermieter-Verbänden in der Praxis schwierig.

Umlage

Nach geltendem Recht darf der Vermieter elf Prozent seiner Kosten - zu denen auch die Zinsen zählen - auf die Miete umlegen. Hat die Sanierung also 50 000 Euro gekostet, so kann er die Miete um bis zu 5500 Euro pro Jahr erhöhen. Das entspricht einer monatlichen Mietsteigerung von rund 460 Euro. Bundeskanzlerin Merkel hat angekündigt, dass die Vermieter künftig noch mehr ihrer Investitionen von den Mietern wiederholen können sollen. Nach den Protesten versuchte sie, die Mieter zu beruhigen. Anreize sollten so gesetzt werden, dass es sich für Eigentümer von Häusern oder Wohnungen lohne, eine Wärmedämmung durchzuführen. Es müsse eine Balance geschaffen werden zwischen den Investitionen der Eigentümer und den Vorteilen für die Mieter, die sie aus der energetischen Sanierung ziehen.

Staatliche Förderung

Die Energiesanierung von Gebäuden wird mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen gefördert, vor allem über die Staatsbank KfW. Diese staatliche Förderung wird bei der Berechnung der Miet-Umlage von den Sanierungskosten abgezogen. Die Ersparnis durch die Förderung liegt meist bei zehn bis 20 Prozent. Die Mietsteigerung für die 70-Quadratmeter-Wohnung würde also von 460 Euro auf etwa 400 Euro sinken.

Energieersparnis

Die Bundesregierung argumentiert, dass die Mieter von der Modernisierung von Gebäuden profitieren, weil weniger Nebenkosten für Heizung und Warmwasser anfallen. Laut Mieterbund machen die Mieter aber schon heute oft ein schlechtes Geschäft. Eine unsanierte Standardwohnung mit 70 Quadratmetern hat laut Mieterbund Heizkosten von rund 80 Euro pro Monat. Nach einer Sanierung sinken diese Kosten demnach im Schnitt um rund 50 Prozent, also hier auf 40 Euro. Die Ersparnis von 40 Euro wäre deutlich niedriger als die Mieterhöhung.

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