Ernährung kann den Krankheitsverlauf aber positiv beeinflussen : Mit Diät lässt sich Krebs nicht stoppen

Krebskranke sollten sich ausgewogen ernähren - dazu gehören ausreichend Vitamine und Spurenelemente, aber auch fette Gerichte dürfen auf dem Speiseplan stehen. Andrea Warnecke
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Krebskranke sollten sich ausgewogen ernähren - dazu gehören ausreichend Vitamine und Spurenelemente, aber auch fette Gerichte dürfen auf dem Speiseplan stehen. Andrea Warnecke

Jedes Jahr erkranken 490 000 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe sterben 218000 Menschen jährlich daran. Die Sterberate sinkt jedoch und die Lebensqualität der Erkrankten steigt.

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28. Mai 2013, 10:05 Uhr

Jedes Jahr erkranken 490 000 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe sterben 218000 Menschen jährlich daran. Die Sterberate sinkt jedoch und die Lebensqualität der Erkrankten steigt stetig. Patienten werden heute länger behandelt und von unterschiedlichen Fachbereichen in den Tumorzentren der Kliniken betreut.

Dennoch leiden viele Krebspatienten an Appetitlosigkeit und Übelkeit, einer verhängnisvollen Symptom-Kombination, der mit einer guten Diät jedoch beizukommen ist. Eine Krebszelle verbraucht 30-mal mehr Zucker als eine gesunde Zelle. Patienten brauchen deshalb viele Nährstoffe und viel Energie. So könne man Gewichtsverluste aufhalten und ausgleichen, erklärt Dr. Gisela Krause-Fabricius, die ein Buch zur Ernährung bei Krebs verfasst hat.

Übelkeit und Erbrechen als automatische Folge einer Chemotherapie sind heute nicht mehr die Regel. "Seit den neunziger Jahren hat sich für die Patienten viel getan", sagt der Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie der Schweriner Helios Kliniken, Dr. Detlev Hähling. Mit den 5-HT3-Antagonisten, den Setronen, könne man vielen Erkrankten während der Behandlungsphase helfen und ihre Lebensqualität deutlich erhöhen. Diese Mittel besetzen die Serotonin-Rezeptoren und verhindern damit im besten Falle Übelkeit. "Mittlerweile haben wir für jede Form der Chemotherapie ein passendes Mittel", fügt Hähling hinzu.

Ernährung abhängig vom Typ der Erkrankung

Hinzu kommt bei vielen Patienten eine psychische Komponente, weil das Thema Übelkeit und Erbrechen im Allgemeinwissen so eng mit den Therapien verknüpft ist. Diese antizipierte Form der Übelkeit könne durch Psycho-Onkologen therapiert oder gemildert werden, fügt der Chefarzt hinzu. "Bei einigen Patienten war dieser Reflex so groß, dass sie sich übergeben mussten, wenn bestimmte Schwestern oder Ärzte den Raum betraten. Das war für alle Betroffenen ein schwieriges Arbeiten", erinnert sich Hähling.

Eine spezielle "Krebsdiät", mit der man Krebs besiegen kann, gibt es nicht, wie Dr. Gisela Krause-Fabricius erklärt. Natürlich gebe es immer wieder Studien und Forscher, die diese endgültige Lösung veröffentlichen. "Wenn man diese Diäten aber miteinander vergleicht, wird man feststellen, dass jede einzelne für sich behauptet, die richtige zu sein. Was aber die eine als schädlich verbietet, preist möglicherweise die andere als Gesundmacher an". Erwiesen sei, dass der Patient ausreichend Energie bekommen muss, da Krebszellen sehr viel Energie verbrauchen. Das schaffe man zumeist mit sehr eiweißreicher Ernährung. Von ketogener Diät, wie sie in einigen amerikanischen Tumorzentren praktiziert wird, hält sie nicht viel. Die ketogene Ernährung ist eine kohlenhydratarme, dafür aber fettreiche Diät. Die Idee dahinter ist, den Krebszellen Zucker zu entziehen und so ihr Wachstum einzuschränken.

Für die Schweriner Spezialisten kann diese Diät aber allein keine Lösung der Ernährungsschwierigkeiten sein, da "jede Krebserkrankung differenzierte Ansprüche an die Ernährung stellt oder eine Ernährung auf herkömmlichem Wege ganz ausschließt", erklärt Hähling. Ein Patient mit Kehlkopfkrebs kann zum Beispiel nicht mehr schlucken und ein Patient mit Magenkrebs darf nur noch sehr kleine Mahlzeiten zu sich nehmen, mit Bluterkrankungen ist oft der Tropf das einzige Mittel.

"Vergessen Sie während Ihrer Behandlungs- und Genesungsphase erst einmal alles, was Sie über gesunde, fettarme Ernährung im normalen Alltag unserer Überflussgesellschaft gelesen haben", fordert Krause-Fabricius. Für Menschen mit einer Krebserkrankung gelte die Empfehlung: "Essen Sie bevorzugt fett- und eiweißreiche Speisen!"

Die 120-seitige Broschüre "Wie ernähre ich mich bei Krebs?" ist für zehn Euro bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erhältlich. Weitere Infos per Telefon unter 0211-3809555.

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