zur Navigation springen
Ratgeber

23. November 2017 | 16:16 Uhr

Krankenkassen : Mehrkosten auf breiter Front?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hintergründe zu den ab Januar 2015 geltenden Zusatzbeiträgen in der gesetzlichen Krankenversicherung

Ab Januar wird die Krankenkassenfinanzierung umgestellt: Die gesetzlichen Krankenkassen können künftig wieder über einen Teil ihrer Beiträge selbst bestimmen. Der bisher geltende generelle Versicherten-Sonderbeitrag von 0,9 Prozent entfällt. Die Kassen entscheiden künftig selbst, ob und in welcher Höhe sie Zusatzbeiträge erheben. Was kommt im nächsten Jahr auf die gesetzlich Versicherten zu? Werden die Beiträge auf breiter Front steigen? Fragen, die sich auch unsere Leser stellen. Hier die Antworten darauf und Hintergründe zum neuen Finanzierungsmodus bei den Krankenkassen von Antje Schroeder.

Was kommt 2015 auf die Krankenversicherten zu?

Viele gesetzlich Versicherte erhalten derzeit Post von ihrer Krankenkasse, die über ihre künftigen Zahlungen informiert. Der allgemeine Beitragssatz sinkt zunächst um 0,9 Punkte auf 14,6 Prozent. Die Krankenkassen können aber zugleich einen Zusatzbeitrag erheben, dessen Höhe sie selbst festlegen dürfen. Experten erwarten, dass die meisten Kassen früher oder später solche Beiträge fordern werden. Sollte eine Kasse also statt des bisherigen Sonderbeitrags einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent erheben, bleiben die Kosten für den Versicherten genau gleich. Finanziert wird der allgemeine Beitragssatz paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Diese zahlen also jeweils 7,3 Prozent des Bruttolohns bis zur Beitragsbemessungsgrenze.
Den Zusatzbeitrag müssen die Versicherten dagegen, wie schon bisher den Sonderbeitrag, alleine tragen. Abgeschafft wird auch die Möglichkeit für die Kassen, Prämien an die Versicherten zu zahlen.


Warum wird das Finanzierungssystem umgestellt?

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will den Wettbewerb unter den Krankenkassen stärken. Denn mit der Finanzreform ist ein Sonderkündigungsrecht verbunden: Wenn eine Kasse einen Zusatzbeitrag neu erhebt oder ihn erhöht, dürfen Versicherte die Kasse wechseln. Die Kasse muss den Versicherten auch explizit darauf hinweisen, wenn es günstigere Angebote gibt. Das Kalkül: Günstige Kassen, die sparsam wirtschaften, werden mit der Reform gestärkt.

Werden die Kassenbeiträge auf breiter Front steigen?

Im nächsten Jahr halten die Kassen offenbar noch weitgehend still und achten darauf, dass die Versicherten nicht mehr bezahlen müssen als bisher. So erheben die Barmer GEK, die DAK und viele Allgemeine Ortskrankenkassen, etwa in Bayern, Baden-Württemberg und die AOK Nordwest, nach einer Aufstellung des Portals „Krankenkassen.de“ exakt den bisher auch geltenden Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent. Rund 45 Kassen nehmen weniger als die 0,9 Prozent, beispielsweise die Techniker Krankenkasse (TK) mit 0,8 Prozent und die AOK Niedersachsen (ebenfalls 0,8 Prozent). Fünf Kassen haben angekündigt, über den bisherigen Sonderbeitrag hinauszugehen. Viele Kassen haben derzeit noch ein gutes Finanzpolster. Auch im Gesundheitsfonds liegen noch Reserven von 13 Milliarden Euro. Langfristig wird die Krankenversicherung nach Einschätzung von Experten aber teurer. Im Schnitt rechnet die TK mit einer jährlichen Erhöhung der Beitragssätze um 0,2 Beitragssatzpunkte. Im Jahr der nächsten Bundestagswahl 2017 könnte dann der Beitragssatz 16 Prozent erreichen.

Was sind die grössten Kostentreiber im Gesundheitssystem?

Vor allem die geplante Krankenhausreform, aber auch steigende Kosten für Arzneimittel und die Verstärkung der Prävention dürften die Kosten in den nächsten Jahren in die Höhe treiben. 2013 waren die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) laut Bundesgesundheitsministerium um mehr als zehn Milliarden Euro auf 194 Milliarden Euro gestiegen, für 2014 hatte der GKV-Schätzerkreis bereits Ausgaben von mehr als 200 Milliarden Euro prognostiziert. Insgesamt entwickeln sich die GKV-Finanzen erstmals seit Jahren spürbar schlechter, sagt der Chef der Barmer GEK, Christoph Straub.


Ist ein Wechsel der Krankenkasse ratsam?

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung warnt vor einem übereilten Wechsel. Die Versicherten sollten nicht nur auf die Höhe des Zusatzbeitrags achten, sondern auch die teilweise unterschiedlichen Leistungen berücksichtigen, sagte ein Sprecher.

Wechseln kann jeder – auch chronisch Kranke. Um Versicherten den Wechsel zu erleichtern, müssen die Kassen generell auf die Beitragsliste des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hinweisen. Sie ist ab 1. Januar unter www.gkv-zusatzbeitraege.de abrufbar.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen