Mehr Rechte für Urlaub per Internet

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EU baut Schutz für Reisende aus – auch vor Preiserhöhungen

svz.de von
05. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Für mehrere hundert deutsche Urlauber endete oder begann die schönste Zeit des Jahres im Juni 2013 mit einem Schrecken: Ihr Reiseveranstalter meldete Konkurs an. Doch die Fluggäste hatten Glück: Denn Versicherungen für den Fall einer Pleite gehören längst zum Paket bei Pauschalreisen. Aber nicht bei Fahrten, die sich immer mehr Verbraucher im Internet zusammenstellen. Das wird nun anders. Die EU-Minister haben gestern eine weitreichende Aktualisierung der Pauschalreise-Richtlinie von 1990 beschlossen. Unser Korrespondent Detlef Drewes erklärt, welche neuen Rechte Urlauber künftig haben.

Ich buche keine Pauschalreisen, sondern stelle mir meinen Urlaub im Internet selbst zusammen. Was ändert sich für mich?
Rund 30 Prozent aller Urlaube werden inzwischen per Mausklick gebucht. Die Pauschalreise-Richtlinie der EU war in diesem Fall nicht gültig. Das wird nun anders. Ein Beispiel: Der Kunde bucht im Netz erst einen Flug, dann wird er gefragt, ob er auch ein Hotel braucht und zum Schluss geht es noch um einen Mietwagen. In diesen Fällen war man bisher nicht vor Schwierigkeiten geschützt, wenn ein Anbieter insolvent wurde. Nun gibt es einen Rechtsanspruch, auch im Fall eines Konkurses nach der Reise-Buchung aufgefangen zu werden.

Was ändert sich denn für den Pauschalreisenden?
Wer bei einem der großen Veranstalter die typische Pauschalreise (zwei Wochen Balearen, Flug, Hotel, Transfer, Ausflug ins Landesinnere) gebucht hatte, konnte bisher unter Umständen eine unangenehme Überraschung erleben. Denn im Kleingedruckten hielten viele Unternehmen fest, dass Preiserhöhungen an den Kunden weitergegeben werden konnten, nicht aber Preissenkungen (zum Beispiel wenn die Kosten für Flugkerosin nachgeben). Hier greift der europäische Gesetzgeber nun ein: Wer sich künftig das Recht vorbehalten möchte, Preiserhöhungen an den Kunden weiterzugeben, wird verpflichtet, dies auch bei Preissenkungen zu tun. Das ist eine Neuerung.

Müssen deutsche Urlauber fürchten, dass das hohe Niveau der bisherigen Pauschalreisen-Gesetzgebung durch die aktualisierte EU-Richtlinie verwässert wird?
Nein, ganz im Gegenteil. Es bleibt bei wichtigen Rechten für Kunden. Dazu zählt zum Beispiel die Möglichkeit von einer Reise, die jemandem bei einer „Kaffeefahrt“ aufgeschwatzt wurde, bis zu zwei Wochen nach Abschluss des Vertrages zurückzutreten. Diese Bestimmung haben die Deutschen erst in die EU-Richtlinie hineinverhandelt.

Schützen die EU-Vorschriften auch, wenn die angebotene Leistung nicht mit dem, was man gebucht hat, übereinstimmt?
Das ist in der Tat möglich. Wenn man unterwegs statt im gebuchten Vier-Sterne-Hotel in einem Zwei-Sterne-Haus untergebracht wird, kann der Reisende nachträglich eine Reduzierung und Erstattung verlangen. Außerdem werden die Reiseanbieter verpflichtet, schwerwiegende Mängel im Zimmer (Insektenbefall) unverzüglich zu beheben.

Gibt es einen Haken bei der neuen Richtlinie?
Leider ja. Die deutschen Bestimmungen sehen ein Rücktrittsrecht vor, wenn sich der Preis einer Pauschalreise zwischen Buchung und Abflug um fünf Prozent oder mehr erhöht. Im jetzt verabschiedeten Richtlinien-Entwurf wurde dieser Wert auf acht Prozent angehoben. Das wäre ein Nachteil, wenn es bei diesem Text bleibt.

Wann treten die neuen Regelungen in Kraft?
Die Richtlinie muss nun noch durch das Europäische Parlament gebracht werden. Danach haben die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, sie in nationales Recht zu übertragen. Somit treten die Änderungen wohl erst zur Urlaubssaison 2016 in Kraft.

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