Lesertelefon : Wie komme ich vom Alkohol los?

Insgesamt trinken knapp 10 Millionen Deutsche mehr, als gut für sie ist.
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Insgesamt trinken knapp 10 Millionen Deutsche mehr, als gut für sie ist.

Sucht-Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gaben zahlreichen Lesern bei unserem Telefonforum Auskunft.

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23. März 2016, 06:15 Uhr

Alkohol ist eine legale Droge und gesellschaftlich völlig akzeptiert. Mitunter vergisst man darüber, dass eine gewisse Vorsicht im Umgang mit dem Stoff geboten ist. Ständiger Ge- und Missbrauch kann zu einer Sucht führen, aus der man nur mit viel Anstrengung und oft nur mit professioneller Hilfe wieder heraus kommt. Während unserer Telefonaktion meldeten sich viele Leser, die ihren Alkoholkonsum als problematisch einschätzten und weniger trinken wollten. Außerdem riefen Menschen an, deren Angehörige zu viel und zu oft dem Alkohol zusprachen. Die Berater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung standen Rede und Antwort. Hier eine Zusammenfassung:

Meine Frau macht Stress, weil ich abends meistens eine Flasche Rotwein austrinke. Da muss man doch kein Drama draus machen, oder?

Für einen gesundheitsbewussten Mann ist das definitiv zu viel, er sollte nicht mehr als 20 Gramm reinen Alkohol pro Tag trinken. Die stecken zum Beispiel in einem viertel Liter Wein oder in einem halben Liter Bier oder in einem doppelten Schnaps (0,04 Liter). Die Frage ist, wie Sie selbst zu der Trinkmenge stehen. Empfinden Sie das als eine Beeinträchtigung oder sagen Sie: Genau so möchte ich leben.

Wenn ich morgens aufwache, empfinde ich den Alkohol vom Vorabend schon als Beeinträchtigung. Man ist einfach nicht so fit. Wie komme ich von der Menge Alkohol runter?

Wenn man sicher ist, dass man anders leben möchte, dann kann man sein bisheriges Verhalten ändern. Aber keiner wird kommen, die Hand auflegen und man kommt dann plötzlich mit weniger Alkohol zurecht. Die Entwöhnung kann man nur selbst schaffen. Das ist ein Prozess, das ist richtig Arbeit. Zögern Sie nicht, sich dabei helfen zu lassen. Suchtberatungsstellen beraten nicht nur schwer abhängige Menschen, sondern auch jene, die weniger trinken möchten. Eine Auflistung der Beratungsstellen vor Ort findet man zum Beispiel unter www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme.

In den letzten Monaten wurde es bei mir immer mehr Alkohol. Ob ich abhängig bin?

Auf der Seite der BZgA: www.kenn-dein-limit.de finden Sie einen Selbsttest zum Alkoholkonsum. Das Ergebnis des Tests kann eine Antwort auf Ihre Frage liefern.

Mein Bruder schüttet Unmengen von Bier in sich rein. Ich kenne ihn nur noch halb oder ganz betrunken. Wenn ich ihn Alkoholiker nenne, braust er auf und will es nicht wahrhaben. Aber er ist doch bestimmt schon einer, oder?

Diese Frage zu diskutieren führt in der Regel nicht weit. Egal ob Sucht oder nicht – schon der Missbrauch von Alkohol kann gefährlich sein, denn die Risikobereitschaft steigt und es kommt häufiger zu Unfällen. Außerdem kann bei regelmäßigem Missbrauch die Leber verfetten und sich entzünden, es kann zu ernsteren Magenbeschwerden kommen und langfristig kann beispielsweise eine Herz-, Hirn- oder Nervenschädigung auftreten. Anhaltendes, übermäßiges Trinken begünstigt auch das Entstehen von Krebs, zum Beispiel von Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs oder Brustkrebs.

Mein Mann versucht seit Wochen mit Medikamenten vom Alkohol weg zu kommen. Aber es gelingt ihm nicht. Was kann er noch machen?

Generell muss man sagen, dass durch das bloße Einnehmen von Medikamenten eine Alkoholabhängigkeit nicht überwunden werden kann. Das funktioniert nicht, denn Medikamente verändern ja in keine Weise die innere Einstellung eines Menschen. Wenn Ihr Mann weiterkommen will, rate ich ihm, sich an seinen Hausarzt oder an eine Suchtberatungsstelle in der Nähe zu wenden.

Mein Mann trinkt, seit er keine Arbeit mehr hat. Seitdem ist er sehr launisch geworden, manchmal auch aggressiv. Kann das am Alkohol liegen? Was kann ich dagegen tun?

Alkohol verändert den Menschen. Sie werden in der Tat oft launisch, aggressiv und unberechenbar. Sie können Ihren Mann nicht ändern. Das kann er nur selbst. Voraussetzung ist, dass er den Alkohol als sein Problem erkennt und sich zu einer Therapie entschließt. Sie selbst können nur überlegen, wie lange und wie weit Sie das Verhalten Ihres Mannes tolerieren. Wenn er weiter trinken will, bleibt Ihnen nur, auf Abstand zu gehen und ein Leben zu leben, an dem Sie wieder Freude haben. Unterstützung finden Sie bei Beratungsstellen für Angehörige von Alkoholsüchtigen. Adressen in Wohnortnähe gibt es im örtlichen Telefonbuch und im Internet, zum Beispiel unter www.dajeb.de.

Ich war bei einer Suchtberatung, da Alkohol für mich als Freiberufler zu einem echten Problem geworden ist. Aber die wollten mich gleich zu einer Reha schicken. So viel Arbeitsausfall kann ich mir jedoch nicht leisten. Was nun?

Es gibt auch ambulante Therapieformen, die am Wohnort stattfinden und die den Arbeitsprozess nicht behindern. Ich rate Ihnen, noch einmal die Suchtberatungsstelle aufzusuchen und klar zu sagen, was für Sie möglich ist und was nicht.

Wäre eine Selbsthilfegruppe nützlich?

Ganz bestimmt, idealerweise im Anschluss an eine Therapie zur langfristigen Stabilisierung. Gespräche mit Menschen in einer ähnlichen Situation und das Gefühl, mit seinem Problem nicht allein zu sein, haben viele positive Wirkungen. Man kann erst einmal hingehen und nur zuhören und man sollte nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn die ersten Besuche noch unbefriedigend sind. Wenn man zwei- bis dreimal dort war, lässt sich leichter entscheiden, ob es nützt.

Dürfen Menschen, die einmal süchtig waren, irgendwann mal wieder Alkohol trinken?

Nein, der Drang nach dem Alkohol würde sofort wieder aktiviert werden. Es müssen andere Varianten gefunden werden – zum Beispiel um sich zu entspannen oder um locker zu werden oder um gut einzuschlafen. Selbst Süßigkeiten mit Rum-Geschmack oder alkoholfreies Bier oder alkoholfreier Wein sind in den ersten Jahren der Abstinenz tabu. Denn durch den Geschmack würde der Körper zu stark an den Alkohol erinnert.

Mein Mann sagt, er trinke nur, weil ich oft depressive Phasen habe. Was kann ich tun?

Sie müssen gar nichts tun, denn Ihr Mann trinkt. Es ist typisch für Süchtige, dass sie die Schuld an ihrem Alkoholmissbrauch immer im Umfeld und nie bei sich selbst suchen. Hätten Sie keine depressiven Phasen, würde er etwas anderes finden, um sein Trinken zu rechtfertigen. Um es noch einmal klar zu sagen: Ihr Mann muss etwas bei sich verändern, nicht Sie.

Seitdem meine Frau gestorben ist, verbringe ich die Abende, indem ich Bier trinke. Da kommen immer drei bis vier Flaschen zusammen. Ich möchte schon weniger trinken, aber es funktioniert nicht …

Wenn Bier nicht Ihr alleiniges Abendprogramm sein soll, können Sie sich an Ihren Hausarzt oder an einen Psychiater wenden. Letzterer ist auch für Süchte zuständig. Außerdem wären Suchtberatungsstellen ein guter Anlaufpunkt. Vielleicht helfen Ihnen schon die regelmäßigen Gespräche mit den Fachleuten weiter, vielleicht wird Ihnen auch eine Reha vorgeschlagen, um schneller voran zu kommen. Bei der Erstellung der benötigten Gutachten und der Beantragung erhalten Sie bei den genannten Stellen Hilfe.

Kontakt

Sucht-Beratungstelefon
Für weitere Fragen ist das Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Mo-Do von 10-22 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr unter 0221/892031 erreichbar.


Kostenlose Info-Materialien
Alle Materialien sind unter www.bzga.de/Infomaterialien zu bestellen oder zum Download bereit.


Seiten zur Alkoholprävention im Internet
Für Jugendliche unter 16 Jahren: www.null-alkohol-voll-power.de , für Jugendliche von 16 bis 20 Jahren: www.kenn-dein-limit.info, für Erwachsene: www.kenn-dein-limit.de.
 

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