Lesertelefon Extra: Krankenversicherung : Wie kann ich meinen Beitrag senken?

Wer bei den Leistungen abspeckt, kann die laufenden Beiträge für seine private Krankenversicherung mindern.
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Wer bei den Leistungen abspeckt, kann die laufenden Beiträge für seine private Krankenversicherung mindern.

Zahlreiche Leser stellten gestern Fragen zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung. Drei Experten gaben zwei Stunden lang Auskunft.

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02. September 2015, 12:00 Uhr

Ich bin in meinem Teilzeitjob gesetzlich, mein Mann als Selbstständiger privat krankenversichert. Im Herbst wird unsere Tochter geboren. Wird sie dann bei mir beitragsfrei gesetzlich krankenversichert?

Das hängt vom Einkommen Ihres Mannes ab. Wenn dieses regelmäßig über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt – das sind monatlich 4575 Euro oder 54 900 Euro jährlich – braucht ihre Tochter eine eigene Krankenversicherung. Das kann eine freiwillige gesetzliche Kasse oder eine private Krankenversicherung sein. Liegt das Einkommen unter dieser Grenze, ist eine beitragsfreie gesetzliche Familienversicherung bei Ihnen möglich. Die Kasse prüft das individuell.

Meine Chipkarte ist schon seit längerer Zeit abgelaufen. Muss ich jetzt unbedingt eine mit Passbild anfordern?

Ja, Chipkarten ohne Passbild werden nicht mehr ausgegeben.

Welche Varianten habe ich, um den Beitrag für meine private Krankenversicherung zu senken? Ich bin seit 1992 privat versichert.

Zunächst: Für langjährig Privatversicherte lohnt der Wechsel zu einem anderen Anbieter nicht. Denn Ihre Alterungsrückstellungen würden Sie bei einem solchen Schritt komplett bei dem verbleibenden Versichertenkollektiv lassen. Nur Neuversicherte können beim Wechsel einen Teil der Rückstellungen mitnehmen. Sie sollten stattdessen folgendes tun: Setzen Sie sich mit Ihrer Versicherung in Verbindung und fragen Sie nach einem anderen, leistungsmäßig gleichwertigen Tarif. In den können Sie ohne Verluste wechseln. Sollten Sie schon den günstigsten Tarif haben, bietet der Verzicht auf einzelne Leistungsbereiche wie das Einzelzimmer im Krankenhaus Einsparpotenzial. Auch die Erhöhung des Selbstbehaltes senkt den Monatsbeitrag. Als letzte Variante sollten Sie den Wechsel in den Standardtarif in Betracht ziehen. Die Leistungen sind hier ähnlich wie in der gesetzlichen Kasse, der Höchstbeitrag entspricht ebenfalls dem der Gesetzlichen. Allerdings werden Ihnen die Alterungsrückstellungen angerechnet und der Beitrag damit gesenkt. Am besten, Sie lassen sich alle Varianten ausrechnen und entscheiden dann.

Habe ich einen Anspruch darauf, in einen anderen, günstigeren Privattarif zu wechseln?

Ja, Sie haben einen Rechtsanspruch. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie nicht schon im günstigsten Tarif sind. Sollte der Alternativtarif in einzelnen Positionen höhere Leistungen beinhalten, können Sie diese abwählen. Wollen Sie die mitversichern, ist für die höheren Leistungen eine Gesundheitsprüfung notwendig.

Ich bin Altersrentner, arbeite aber noch. Bekomme ich im Fall der Fälle auch Krankengeld?

Nein. Da Sie eine Altersrente beziehen, haben Sie laut Gesetz keinen Krankengeldanspruch.

Welche Zusatzversicherungen kann ich als Kassenpatient überhaupt abschließen?

Es gibt Zusatzpolicen, die die Zusatzkosten für Chefarztbehandlung und Ein- bzw. Zweibettzimmer übernehmen. Angeboten werden drei Varianten von Pflege-Zusatzversicherungen – gefördertes und ungefördertes Tagegeld sowie Pflegekosten-Versicherungen. Krankengeld kann zusatzversichert werden, ebenso wie die Restkosten für Zahnersatz. Zudem gibt es Policen für ambulante Behandlungen wie etwa durch Heilpraktiker sowie für Krankenhaus-Tagegeld.

Derzeit bekomme ich ALG I. Danach werden ich wohl die Voraussetzungen für ALG II nicht erfüllen. Wie geht es mit meiner gesetzlichen Krankenversicherung weiter, wenn ich keine Festanstellung finde?

Sie benötigen dann eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung. Die Kasse prüft dann Ihre Einkünfte einschließlich Zinsen und Mieteinnahmen und legt dann den Beitrag fest.

Mein Sohn hat Ende August eine Lehre begonnen und wurde vom Ausbildungsbetrieb bei einer gesetzlichen Kasse angemeldet. Allerdings ist mein Sohn schon immer privat versichert. Was sollen wir machen?

Mit Beginn der Lehre wurde Ihr Sohn gesetzlich krankenversicherungspflichtig. Sie haben zwei Varianten: Entweder Sie stellen den Privatvertrag mit einer so genannten Anwartschaftsversicherung ruhend. Ihr Sohn behält seine Ansprüche und kann den Vertrag später wieder aktivieren. Das kostet einen geringen Monatsbeitrag. Wenn das für Sie nicht in Frage kommt, kündigen Sie die private Krankenversicherung. Das ist rückwirkend für zwei Monate möglich. Zuviel gezahlte Beiträge bekommen Sie zurückerstattet.

Meine Enkelin (26) macht nach dem Studium ein Praktikum auf 450-Euro-Basis. Muss Sie tatsächlich den Kassenbeitrag selbst zahlen?

Ja. Der Arbeitgeber zahlt zwar eine Pauschale an die Krankenkasse. Doch Ansprüche auf Krankenbehandlung erwirbt Ihre Enkelin damit nicht. Sie muss den Beitrag tatsächlich komplett selbst bezahlen.

Bekomme ich einen Zuschuss zu meiner privaten Krankenversicherung, wenn ich in Rente gehe?

Ja. Der Rentenversicherungsträger zahlt 7,3 Prozent der Altersrente als Zuschuss. Das müssen Sie dort beantragen. Abgesehen davon fällt der gesetzlich vorgegebene zehnprozentige Beitragszuschlag, den Sie für Ihre Alterungsrückstellungen zahlen, zum Ende des Jahres weg, in dem Sie 60 werden. Zudem endet mit Rentenbeginn der Krankengeldanspruch. Auch das spart Geld.

Meine Frau wird Beamtin und sich dann privat krankenversichern. Ich bin nicht berufstätig. Derzeit bin ich gesetzlich krankenversichert. Wie geht es mit meiner Krankenversicherung weiter?

Als Beamtin ist Ihre Frau beihilfeberechtigt. Das heißt, dass sie eine Privatversicherung braucht, die 50 Prozent der Behandlungskosten übernimmt. Die anderen 50 Prozent zahlt der Dienstherr. Sie selbst als Nichtberufstätiger haben die Wahl. Sie sind ebenfalls beihilfeberechtigt – mit 70 Prozent. Das aber nur, wenn Sie sich für eine private Krankenversicherung entscheiden. Dann benötigen Sie nur einen 30-Prozent-Vertrag. Sie können sich aber auch für eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung entscheiden. Den Beitrag zahlen Sie dann komplett allein. Bei freiwillig Versicherten verlangt der Gesetzgeber, das alle Einkünfte, also nicht nur Erwerbseinkommen, berücksichtigt werden. Dazu zählen Zinsen, Kapitalerträge, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Der Mindestbeitrag bei den so genannten „sonstig freiwillig Versicherten“ liegt bei rund 141 Euro monatlich, der Höchstbeitrag einschließlich durchschnittlichem Zusatzbeitrag bei etwa 640 Euro. Hinzu kommen rund 97 Euro für die Pflegeversicherung.

Ich bin gesetzlich krankenversichert. Mein Beitrag wird derzeit von meinem Angestelltengehalt abgezogen. Wie wird das mit Rentenbeginn?

Zunächst wird geprüft, ob Sie Pflichtmitglied oder freiwilliges Mitglied werden. Als Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner zahlen Sie zunächst auf Ihre Altersrente Beitrag. Das sind 7,3 Prozent plus Zusatzbeitrag plus Pflegeversicherung. Der Rentenversicherungsträger übernimmt weitere 7,3 Prozent. Er überweist auch Ihren und den Rentenversicherungsanteil an den Gesundheitsfonds. Für eine Betriebsrente zahlen Sie den vollen Beitrag allein. Weitere Einkünfte bleiben bei Pflichtversicherten unberücksichtigt. Bei freiwillig Versicherten hingegen werden bis zur Bemessungsgrenze von 4125 Euro monatlich neben Alters- und Betriebsrenten zusätzlich alle weiteren Einkünfte wie Miet- und Zinseinnahmen berücksichtigt. Für die weiteren Einkünfte gibt es keinen Zuschuss.

Wer entscheidet eigentlich, ob ich als Rentner freiwillig oder pflichtversichert werde?

Die Krankenkasse. Sie prüft die Dauer Ihrer Mitgliedschaft – egal in welcher gesetzlichen Kasse und auch unabhängig von Ihrem Status. Es spielt also keine Rolle, ob Sie familienversichert, Pflichtmitglied oder freiwillig versichert waren. Entscheidend ist, ob Sie 90 Prozent der zweiten Hälfte Ihres Berufslebens gesetzlich versichert waren. Ist das der Fall, werden Sie Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner. Wenn nicht, werden Sie freiwillig versichert.

Unsere Kinder und ich sind bei meinem Mann familienversichert. Ich kann jetzt eine Teilzeitanstellung bekommen. Ändert sich damit mein Krankenversicherungsstatus?

Bei den minderjährigen Kindern ändert sich nichts, sie bleiben familienversichert. Bei Ihnen selbst kommt es auf das Einkommen an: Ist Ihre Teilzeitanstellung auf 450-Euro-Basis, bleiben Sie ebenfalls familienversichert. Dabei müssen Sie beachten, dass auch andere Einkünfte, die Sie möglicherweise haben, mit berücksichtigt werden. Ist Ihr Gehalt plus eventueller Zusatzeinkommen höher, endet die Familienversicherung und Sie müssen sich selbst versichern.

Kann ich als gesetzlich Versicherte den Arzt wechseln?

Ja. Sie haben die freie Arztwahl.

Aus persönlichen Gründen will ich die Kasse wechseln. Hätte das Auswirkungen auf eine laufende Behandlung?

Nein. Es sei denn, Sie nutzen Satzungsleistungen Ihrer derzeitigen Kasse, welche die neue nicht hat.

Meine Kasse hat vor kurzem den Zusatzbeitrag erhöht. Sollte ich wechseln?

Das können natürlich nur Sie selbst entscheiden. Doch das sollten Sie nicht vorrangig vom Zusatzbeitrag abhängig machen, zumal die Unterschiede zwischen den Kassen in dieser Hinsicht nicht erheblich sind. Wichtiger für Ihre Entscheidung sollten die Erreichbarkeit, der Service und mögliche Zusatzleistungen Ihrer Kasse sein.






 

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