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Medizin und Gesundheit

22. November 2017 | 17:53 Uhr

Krebsforschung : Wie gefährlich sind E-Shishas?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Krebsexperten warnen vor Gesundheitsschäden. Sie fordern ein Verbot von Aromastoffen in Tabak, E-Zigaretten und E-Shishas.

Die Heidelberger Krebsexpertin Martina Pötschke-Langer hat ein generelles Verbot von Aromastoffen in Tabak, E-Zigaretten und E-Shishas gefordert. Der Gesetzgeber sollte einzig und allein den Tabakgeschmack zulassen, sagte die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Dies sei insbesondere nötig, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Die ganze Fülle von Sorten wie Mango, Schokolade oder Käsekuchen sei eine permanente Versuchung für sie. Dabei seien die Inhalationsprodukte von E-Zigaretten und E-Shishas keinesfalls harmlos, selbst wenn sie kein Nikotin enthielten.

Der Dampf von E-Zigaretten sei mit verschiedenen Gefahren verbunden, die von Entzündungen der Atemwege durch Propylenglykol und Aromen bis hin zum Krebsrisiko durch Nikotin reichten, sagte Wolfgang Schober vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die Aromen seien zwar für Lebensmittel zugelassen. Aber es sei überhaupt nicht untersucht, welche Wirkung sie beim Inhalieren entfalten.

E-Zigaretten verdampfen Flüssigkeiten zum Inhalieren. Die Liquids können Nikotin enthalten und sind oft aromatisiert. Vor allem für Kinder und Jugendliche seien auch Sorten wie Bubble Gum oder Gummibärchen sehr attraktiv, sagte Pötschke-Langer. Die Folgen seien messbar: In einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung habe rund ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren angegeben, mindestens einmal eine E-Zigarette oder E-Shisha ausprobiert zu haben.

Anders als Zigaretten fallen elektrische Inhalationsprodukte bislang nicht unter das Jugendschutzgesetz: Diese Lücke soll schon bald geschlossen werden. Das Bundeskabinett hat im November beschlossen, den Verkauf an Kinder und Jugendliche zu verbieten, nun muss der Bundestag dem Gesetzentwurf noch zustimmen. Das Verbot tritt voraussichtlich 2016 in Kraft. Der für gesundheitlichen Verbraucherschutz zuständige Bundesminister Christian Schmidt (CSU) betonte, dass für ihn der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Gefahren des Rauchens im Vordergrund stehe. „Rauchen ist nie harmlos, auch wenn es nach Kaugummi schmeckt.“ Laut Verena Viarisio vom DKFZ gibt es eine Fülle neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Schädlichkeit von Nikotin (siehe Hintergrund). „Nikotin ist wirklich keine harmlose Entspannungsdroge.“ Vom Verband des eZigarettenhandels war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Autoren: Sandra Cartolano, Sönke Möhl

Hintergrund

Hirn-Reifung wird gestört

Experten des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg sehen in den Inhaltsstoffen von E-Zigaretten und E-Shishas diverse Gesundheitsgefahren. In vielen Flüssigkeiten, die in E-Zigaretten und E-Shishas zum Inhalieren verdampft werden, ist Nikotin enthalten. Dieses Gift macht körperlich und psychisch abhängig. Es schwächt das Immunsystem und mindert den Therapieerfolg bei Krebs. Nikotin fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. In Versuchen mit Zellkulturen und Tieren ist es krebsauslösend. Bei Ungeborenen werden Lungen- und Hirnentwicklung gestört. Bei Jugendlichen kann Nikotin die Reifung von bestimmten Hirnarealen stören.

Neben dem Nikotin wirken sich nach Angaben des DKFZ weitere Inhaltsstoffe des Dampfes schädlich aus. So reize das als Trägersubstanz verwendete Propylenglykol die Atemwege. Aromastoffe können Atemwegsentzündungen auslösen. Aus Verunreinigungen können Stoffe entstehen, die krebserzeugend wirken, etwa Nitrosamine. Gefahren gehen nach Überzeugung des Experten auch von hohen Temperaturen des Verdampfers oder selbstgemischten Flüssigkeiten aus.

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