Wettlauf gegen die Zeit

23-28320454.jpg

von
29. Juli 2009, 11:25 Uhr

Emil Reisinger lasse sich entschuldigen, er komme einige Minuten später ins Labor, sagt seine Sekretärin. Denn in der Nacht von Montag zu gestern wurde ein Patient eingewiesen, der nach der Reise aus England über Husten, Schnupfen und hohes Fieber klagte. Ein Schnelltest ergab: Der Rostocker steckte sich mit dem H1N1-Virus an. "Es geht dem Patienten schon besser", beruhigt Emil Reisinger später, "er bekommt ein Grippe-Medikament und liegt zur Beobachtung noch einige Tage in Isolation auf Station." Professor Emil Reisinger leitet die Abteilung Tropenmedizin und Infektionskrankheiten an der Universität Rostock.

"Momentan hat die Grippe recht klassische Symptome. Patienten stecken sich noch vorwiegend im Ausland an ", erklärt der Facharzt. Doch in den nächsten Monaten erwartet er, dass sich viele Menschen auch hier im Lande untereinander mit dem Virus infizieren. "Für Einige wird die Grippe ,stumm verlaufen. Die Symptome werden nicht erkennbar und die Menschen erkranken nicht oder nur gering." Die gebildeten Antikörper würden dann vor einer weiteren Infektion schützen.

Nach Ausbruch der Krankheit könne mit Hilfe von Medikamenten das Virus innerhalb von zwei Tagen vernichtet werden. Ohne Medika menten einahme benötigen die körpereigenen Abwehrstoffe nach seinen Worten für die Zerstörung rund eine Woche. Der beste Schutz vor der Schweinegrippe sei eine Impfung: "Vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen und solche, die viel Publikumsverkehr haben, wie Ärzte und Krankenschwestern, sollten sich impfen lassen, wenn ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird." Ab Mitte Oktober könnte ein Impfstoff für die Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Seit zehn Jahren hat er den Lehrstuhl in der Abteilung Tropenmedizin und Infektionskrankheiten inne. Doch das Besondere an dieser Grippe: "Wir haben es hier mit einer Pandemie zu tun." Nun sei es ein Wettlauf gegen die Zeit, einen Impfstoff zu entwickeln. Denn: "Viren neigen dazu, zu mutieren. Zum Glück blieb das H1N1-Virus bislang unverändert", meint der Wissenschaftler. Hauke Hoffmeister

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen