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Medizin und Gesundheit

23. Oktober 2017 | 02:53 Uhr

Lesertelefon : Wenn mein Kind Drogen nimmt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie gefährlich ist Kiffen? Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beantworteten Fragen von besorgten Eltern

svz.de von
erstellt am 24.Jun.2014 | 17:03 Uhr

Mein Sohn (26) gibt ganz offen zu, dass er hin und wieder einen Joint raucht. Ich mache mir große Sorgen, kann schon kaum noch an etwas Anderes denken. Aber ihn kümmern meine Einwände nicht. Was soll ich bloß tun?
Ihr Sohn ist ein erwachsener Mann, er geht seinen eigenen Weg und will gewiss auch viel ausprobieren. Sie können ihn nicht daran hindern. Wenn Sie sich weiter vor allem damit beschäftigen, was er macht, besteht die Gefahr, dass Sie selbst krank werden. Versuchen Sie, loszulassen. Wenn Ihnen das nicht gelingt, rate ich Ihnen, sich bei einer Selbsthilfegruppe Unterstützung zu suchen, damit Sie wieder Freude am Leben finden – unabhängig vom Handeln Ihres Sohnes. Entsprechende Selbsthilfegruppen finden Sie zum Beispiel unter www.dajeb.de.
Zwar sagt mein Sohn (16), dass er nicht kifft. Aber ich denke, er tut es doch. Wie bringe ich ihn dazu, es zu gestehen?
Es bringt nichts, Geständnisse auf irgendeine Art zu erzwingen. Das funktioniert nicht. Aber fragen Sie bei unklaren Antworten in aller Ruhe nach. Erklären Sie ihm ganz sachlich, warum Sie bei ihm Drogen-Konsum vermuten und warum Sie sich Sorgen machen.
Bei meiner Tochter hat es im Zimmer so süßlich gerochen. Ich glaube, es war Haschisch. Soll ich sie zur Rede stellen?
Sie können Ihre Vermutung ruhig aussprechen. Aber steigen Sie nicht gleich mit Vorwürfen in das Gespräch ein. Auch verhörartige Gesprächstaktiken sind ungeeignet. Da ziehen sich die Jugendlichen eher zurück. Sorgen Sie für ein offenes Gesprächsklima, benennen Sie ganz sachlich Ihre Sorgen und Ängste, ohne Ihre Tochter mit Unterstellungen zu überfallen. Lassen Sie ihr Zeit, sich dazu zu äußern.
Meine Tochter meint, sie könne ruhig kiffen. Davon wird man nicht abhängig. Stimmt das?
Eine psychische Abhängigkeit von Cannabis kann bei häufigem Gebrauch durchaus entstehen. Die Betroffenen geraten unmerklich immer öfter in Versuchung, schwierige Alltagssituationen und damit verbundene unangenehme Gefühle oder Gedanken durch das Kiffen auszublenden. Und je länger Cannabis zur Alltagsgestaltung benutzt wird, umso weniger können sich Konsumierende vorstellen, gut leben zu können ohne zu kiffen.
Kann der Konsum von Cannabis eigentlich auch psychische Krankheiten verursachen?
Trotz vieler Studien ist der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Ausbruch einer Psychose nicht abschließend geklärt. Vermutlich wird die Ursache-Wirkungs-Frage auch nicht endgültig zu klären sein. Kaum noch Zweifel bestehen allerdings, dass Personen, die anfällig sind für eine Psychose, ein erhöhtes Risiko für einen Ausbruch einer psychischen Krankheit haben, wenn sie kiffen.
An meinen Sohn (16) komme ich nicht mehr ran. Er nimmt häufig Drogen und das seit Monaten. Er scheint mir völlig abwesend zu sein. Was soll ich tun?
Scheuen Sie sich nicht, mit einer psychosozialen Beratungsstelle Kontakt aufzunehmen. Das sind entweder Jugend- oder Drogenberatungsstellen. Dort bekommen Sie fachkundige Hilfe. Die Beratungsstelle ist auch eine gute Anlaufstelle für Ihren Sohn. Beratungsstellen nach Postleitzahlen finden Sie z.B. unter www.bzga.de, Bereich Service.
Neulich erwischte ich meine Tochter, als sie auf dem Balkon einen Joint rauchte. Sie sagte, dass sie rauchen könne, was sie will. Ich rauche ja auch. Wie reagiert man da?
Am besten ganz ruhig, lassen Sie sich nicht provozieren. Aber vielleicht können Sie den Anfang machen und etwas zu Ihrem eigenen Suchtverhalten sagen. Das kann zu einem Gespräch auf Augenhöhe führen und Ihre Tochter wird sich vielleicht öffnen und auch über ihren Drogen-Konsum sprechen. Klare, ehrliche Antworten bringen beide Seiten weiter.

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