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postprandiale Müdigkeit : Wenn das Schnitzelkoma kommt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dass nach dem Essen „die Luft raus“ ist, kennen die Meisten – vier Fakten über die postprandiale Müdigkeit

Nach einem reichhaltigen Essen schlägt die Schläfrigkeit zu, die im Volksmund als Schnitzelkoma bekannt ist. „Medizinisch heißt sie postprandiale Müdigkeit“, sagt Prof. Dr. med. Christoph A. Nienaber von der Universitätsmedizin Rostock.

Kann man ihr entgehen – oder sollte man der Schläfrigkeit einfach nachgeben?

 

Nach dem Essen

sollst du ruhen...
Der Kardiologe Nienaber empfiehlt, sich auszuruhen oder besser noch mittags zu schlafen. „Für Angestellte ist dies natürlich schwierig. Die sollten auf die Menge und Art ihres Mittagessens achten, um den Leistungsabfall so gering wie möglich zu halten“, sagt Nienaber und betont, dass das sogenannte Schnitzelkoma keine Krankheit oder ein Symptom für eine Krankheit ist. Es sei eine Folge von üppigem Essen, „die übrigens bei Menschen unterschiedlich stark auftritt. Manche Menschen kennen dieses Phänomen aus eigener Erfahrung überhaupt nicht“. Berufsgruppen wie Piloten, Berufskraftfahrer oder Polizisten, deren uneingeschränkte Konzentration lebenswichtig sein kann, sollten deshalb große Mahlzeiten vermeiden und auf fünf, sechs kleine umstellen.

…oder tausend

Schritte tun!
Mit Bewegung gegen das Schnitzelkoma kämpfen, das ist die Devise der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass langes Sitzen und körperliche Inaktivität zu Stoffwechsel- und Herzerkrankungen führen. „Von den positiven Effekten körperlicher Aktivität auf Konzentration, Muskel- und Gelenkbeschwerden ganz zu schweigen“, sagt Dr. med. Axel Preßler von der Technischen Universität München. Eine Grünanlage neben der Arbeit locke zum Beispiel zu kleinen Walking- oder Joggingrunden. Aber auch einfache Bewegungselemente lassen sich gut in die Mittagspause integrieren. Die Belohnung spüre man direkt im Anschluss: „Konzentration, Wohlbefinden und Selbstzufriedenheit sind nachhaltig gesteigert und die postprandiale Müdigkeit erwischt nur noch die Schreibtisch-Potatoes von nebenan“, sagt Preßler.

Schnaps stört

die Verdauung
Ein kleiner Schnaps kurbelt den Magen an? Nein, zumindestens nicht der Alkohol darin. Denn der lockert lediglich die Magenwände, dadurch fühlt man sich nicht so „vollgestopft“. Seine direkten Auswirkungen auf die Verdauung sind, einer Untersuchung nach, aber negativ. Im Universitätsspital Zürich hat man Probanden Schmelzkäse mit Brot gegeben, ein typisches Schweizer Fondue. Ein Drittel der Versuchsesser bekamen ein Glas Schwarztee dazu, ein Drittel trank Weißwein während des Essens und ein Drittel trank Weißwein und nahm anschließend noch ein Glas Schnaps zu sich. Über den Atem und die Blutwerte konnten die Forscher die Verdauungsgeschwindigkeit messen und das Ergebnis war eindeutig: Wer keinen Alkohol trinkt, weder dabei noch danach, verdaut am schnellsten.

Abläufe im Körper

verstehen
Eine große Mahlzeit führt dazu, dass die Darmschlingen deutlich mehr Blut und Sauerstoff fordern. Deshalb wird das Blut zum Magen und zum Darm gelenkt, um die extrahierten Nährstoffe dann in die Leber zu bringen. Das passiert natürlich bei jeder Mahlzeit, doch wenn besonders viel Essen besonders viel Blut verlangt, dann ist ein Blutdruckabfall die Folge und der bewirkt, dass man schläfrig wird. Besonders fordern wir unseren Nahrungsapparat bei folgenden Lebensmitteln: Fleisch, Fisch, Eiern, Käse und Hülsenfrüchten.

Besondere Vorsicht ist bei Süßigkeiten zum Nachtisch geboten, denn Glukose bewirkt noch auf einem zweiten Weg Schläfrigkeit. Ein Team der Universität Manchester hat herausgefunden, dass ein Glukoseüberschuss im Blut die Produktion des Botenstoffes Orexin aussetzt. Und dieses Neuropeptid-Hormon regelt unter anderem den Schlaf- und Wachrhythmus beim Menschen.


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