Lesertelefon : Was tun, wenn der Sohn kifft?

Cannabiskonsum ist bei den unter 25-Jährigen der Hauptgrund für eine Suchtbehandlung. Laut aktuellem Drogenbericht der Bundesregierung ist die Zahl der Betroffenen zwischen 2007 und 2013 um 31 Prozent gestiegen.
Cannabiskonsum ist bei den unter 25-Jährigen der Hauptgrund für eine Suchtbehandlung. Laut aktuellem Drogenbericht der Bundesregierung ist die Zahl der Betroffenen zwischen 2007 und 2013 um 31 Prozent gestiegen.

Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gaben gestern Auskunft an unserem Lesertelefon

23-35419450_23-66108190_1416392711.JPG von
24. Juni 2015, 06:00 Uhr

Hauptsächlich um Cannabisprodukte wie Gras, Shit, Marihuana oder Haschisch ging es gestern in unserer Telefonaktion zu illegalen Drogen. Hier eine Auswahl der Fragen und die Antworten der Berater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:


Was kann denn groß passieren, wenn man mal Haschisch raucht?
Haschisch ist ein Harz, das aus der weiblichen Cannabispflanze gewonnen wird. Es bewirkt eine Einschränkung des Konzentrations- und Reaktionsvermögens und der Fähigkeit zur schnellen Informationsverarbeitung. Die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit ist vermindert. Das bewirkt beispielsweise, dass man nicht mehr fahrtüchtig ist.


Kann man von Cannabisprodukten abhängig werden?
Regelmäßiger starker Konsum kann psychische Abhängigkeit erzeugen, die an einer Reihe von Entzugserscheinungen deutlich wird. So können beispielsweise Abstinenzsymptome in Gestalt von innerer Leere, Freudlosigkeit, Antriebsmangel, Konzentrationsstörungen und Unruhe auftreten. Vegetative Symptome wie Schlafstörungen und Appetitmangel sind ebenfalls möglich. Auch wenn mit der Entwicklung einer Abhängigkeit gerechnet werden muss, so ist doch nur ein geringer Teil der Cannabiskonsumenten davon betroffen. Ähnlich dem Alkoholkonsum kann es auch beim Haschischkonsum über einen längeren Zeitraum hinweg ein Missbrauchverhalten geben, ohne dass es zur Ausbildung einer Abhängigkeit kommt.


Mein Neffe(23) ist heroinabhängig. Ich kenne ihn von klein auf und bin entsetzt, was das Zeug mit ihm macht. Besteht keine Möglichkeit, ihn zu einer Therapie zu zwingen?
Nein, es gibt in Deutschland keine Zwangstherapie. Menschen können frei entscheiden, ob sie sich behandeln lassen oder nicht. Vielleicht gelingt es Ihnen, trotzdem den Kontakt zu ihm zu halten und ihm deutlich zu machen, dass Sie für ihn da sind, wenn er vom Heroin weg will. Mit professioneller Hilfe gibt es einen Weg aus der Sucht.


Mein Sohn (17) versprach mir, kein Gras mehr zu rauchen. Aber ich glaube, er schafft es nicht. Was kann ihm helfen?
Dass Ihr Sohn mit den Drogen Schluss machen will, ist lobenswert. Bekräftigen Sie ihn darin, dass ein Ausstieg möglich ist. Aus eigener Kraft gelingt es allerdings wenigen. Professionelle Hilfe findet er bei Sucht- oder Drogenberatungsstellen. Adressen stehen im örtlichen Telefonbuch oder im Internet, zum Beispiel unter www.bzga.de.


Ich merke schon, dass Kiffen mir auf Dauer nicht guttut. Einfach so aufhören klappt aber nicht. Gibt es irgendwo anonym Hilfe? In eine Beratungsstelle will ich nicht.
Unter www.quit-the-shit.net finden Sie ein gutes Reduktions- und Ausstiegsprogramm, bei dem Sie per Chat anonym und kostenlos 50 Tage beim Ausstieg begleitet werden.


Ist Gras rauchen eigentlich immer noch per Gesetz verboten?
Der psychoaktive Wirkstoff in „Gras“ ist Cannabis. Und Cannabisprodukte gehören nach dem deutschen Betäubungsmittelgesetz BtMG zu den illegalen Suchtmitteln. Besitz, Anbau und Handel sind verboten und können strafrechtlich verfolgt werden.


Ich befürchte, dass mein Enkel (14) oft kifft. Das riecht man. Zu ihm habe ich ein gutes Verhältnis, das ich nicht aufs Spiel setzen möchte. Soll ich ihn zur Rede stellen oder besser abwarten?
Sie können ihm in einer ruhigen Minute sagen, warum Sie glauben, dass er Drogen konsumiert. Sagen Sie ihm auch, welche Folgen das aus Ihrer Sicht haben kann und dass Sie sich Sorgen machen. Lassen Sie ihm Zeit, sich dazu zu äußern. Vielleicht können Sie außerdem die Eltern des Jungen ermuntern, sich an Fachleute vor Ort zu wenden, um sich Hilfe zu holen. Professionelle Unterstützung finden sie bei Erziehungsberatungsstellen. Schauen Sie im Telefonbuch oder im Internet, zum Beispiel unter www.dajeb.de, nach ortsnahen Adressen.


Wie groß ist eigentlich die Gefahr, von Speed nicht mehr loszukommen?
Die Gefahr einer intensiven psychischen Abhängigkeit ist groß. Zum Beispiel kann es zur Gewohnheit werden, Speed zu konsumieren, um zu „funktionieren“ oder bestimmte Gefühle hervorzurufen. Ob sich eine Abhängigkeit entwickelt hat, wird meist erst offensichtlich, wenn die Betroffenen versuchen, den Konsum wieder einzustellen. Nach dem Absetzen der Droge kommt es dann zu Entzugserscheinungen wie Übellaunigkeit bis hin zu Depressivität, Müdigkeit, massiven Schlafproblemen, erhöhtem Appetit und dem starken Drang nach weiterem Konsum.



 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen