Gesundheitlich bedenklich : Warnung vor Aloe-Produkten

Bei Verbrennungen – auch bei einem Sonnenbrand – schwören viele auf das Gel der Aloe vera.
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Bei Verbrennungen – auch bei einem Sonnenbrand – schwören viele auf das Gel der Aloe vera.

EU-Behörde stuft einige Produkte mit Pflanzenextrakt als gesundheitlich bedenklich ein

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29. Januar 2018, 21:00 Uhr

Aloe-Vera-Extrakte kommen in Kosmetik-Artikeln und auch in Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) rät jetzt aber zur Vorsicht, berichtet das Magazin „Scienxx“. Die oberste Schicht der Blätter der Pflanze enthalte Stoffe, die die DNA schädigen und krebserregend sein könnten, heißt es.

Zuvor hatte die Behörde alle verfügbaren wissenschaftlichen Studien zur Wirkung sogenannter Hydroxyanthracen-Derivate auf die Gesundheit unter die Lupe genommen. Diese Substanzen sind auch in den äußeren Blattschichten der Aloe barbadensis, auch Aloe Vera genannt, enthalten. Die EFSA kam zu dem Schluss, dass bestimmte Hydroxyanthracen-Derivate die DNA schädigen könnten. In Tierversuchen sei außerdem nachgewiesen worden, dass einige dieser Substanzen Darmkrebs verursachten. Die Behörde räumte zwar ein, dass einige Unsicherheiten blieben. Die Produkte, die solche Stoffe enthalten, stufte sie aber als gesundheitlich bedenklich ein.

Die Gattung Aloe umfasst mehrere Hundert Arten. Aloe-Produkte werden zumeist aus Echter Aloe (Aloe vera, Aloe barbardensis), Baumaloe (Aloe arborescens) und Kapaloe (Aloe ferox) hergestellt. Für die Herstellung von Lebensmitteln und Kosmetika wird in der EU meist das Blattmark aus der innersten Schicht der Blätter der Aloe barbadensis verwendet. Im Blattmark sind die gesundheitsschädlichen Substanzen nicht enthalten.

Den größten Teil der Aloe-Produkte auf dem deutschen Markt machen Duschgel, Cremes oder weitere Kosmetika mit Aloe-vera-Gel aus. Es ist für seine feuchtigkeitsspendende und kühlende Wirkung bekannt. In der Regel enthalten diese Produkte keine ganzen Blätter und damit auch nicht die schädlichen Substanzen. Das Gel wird aus dem Blattmark der Aloe barbardensis hergestellt.

Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass andere Produkte je nach Zubereitungsform die schädlichen Stoffe enthalten. Zum Beispiel Aloe-Extrakt, der als Saft mit abführender Wirkung angeboten wird, und möglicherweise aus ganzen Blättern hergestellt wird. Ob Aloe-haltige Abführmittel trotzdem gegen Verstopfung infrage kommen, sollte man auf jeden Fall mit den behandelnden Ärzten besprechen, rät der Krebsinformationsdienst.

Die Schlussfolgerungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit stehen im Einklang mit früheren Bewertungen dieser Stoffe durch andere europäische und internationale Einrichtungen, darunter die Weltgesundheitsorganisation, die Europäische Arzneimittel-Agentur und zuletzt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Das BfR rät Verbrauchern seit November vergangenen Jahres, am besten ganz auf Produkte, auf Säfte, Nahrungsergänzungsmittel und sonstige Lebensmittel auf der Basis von ganzen, ungeschälten Blättern der Aloe arborescens zu verzichten. „Bei der Herstellung von Lebensmitteln mit Blättern von Pflanzen der Gattung Aloe sollten die anthranoidhaltigen äußeren Blattschichten sorgfältig entfernt werden, um Verunreinigungen mit Anthranoiden so gering wie möglich zu halten“, heißt es. Schon im Jahr 2016 hatte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Extrakte aus ganzen Aloe-Blättern als möglicherweise krebserregend für den Menschen eingestuft.

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