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Lesertelefon : Wann sind Rentner Pflichtmitglieder?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei den gesetzlichen Kassen gibt es freiwillig und pflichtversicherte Rentner – dazu und zu anderen Themen gab es gestern beim Telefonforum zahlreiche Fragen.

von
erstellt am 30.Mär.2017 | 11:45 Uhr

Ich bin nicht mehr erwerbstätig und erhalte wegen einer Erkrankung eine Berufsunfähigkeitsrente von rund 800 Euro. In der gesetzlichen Kasse zahle ich als freiwillig Versicherter einen Beitrag von knapp 180 Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung. Für mich ist das ziemlich viel. Kann ich den Beitrag senken?

Nein. Das ist der Mindestbeitrag, der vom Gesetzgeber für so genannte freiwillig Versicherte vorgesehen ist. Dabei wird ein monatliches Einkommen von 991,67 Euro als Berechnungsgrundlage genommen. Das gilt auch dann, wenn Sie eine niedrigere Rente bekommen.

Neben meiner Altersrente bekomme ich eine Witwenpension, da mein verstorbener Mann Beamter war. Muss ich für die Pension wirklich auch Beiträge an meine gesetzliche Kasse zahlen?

Ja, für solche Versorgungsbezüge neben der gesetzlichen Rente ist der volle Beitragssatz zur Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen. Das sind 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag plus Pflege. Einen Zuschuss vom Rentenversicherungsträger gibt es dafür nicht.

Wie wird eigentlich der Kassenbeitrag für gesetzlich versicherte Rentner berechnet?

Unterschiedlich. Denn es gibt bei den gesetzlichen Kassen freiwillig und pflichtversicherte Rentner – je nachdem, wie man eingestuft wird, gelten andere Beitragsregeln. Für beide gilt, dass von Ihrer Bruttorente 7,3 Prozent als Kassenbeitrag abgezogen wird. Abgezogen werden zudem der kassenindividuelle Zusatzbeitrag sowie der volle Beitragssatz für die Pflegeversicherung. Für Betriebsrenten ab 148,75 Euro monatlich ist der volle Beitrag plus Zusatzbeitrag und Pflegebeitrag zu zahlen. Ist die Betriebsrente geringer, bleibt sie beitragsfrei. Im Unterschied zu den Pflichtmitgliedern der Krankenversicherung der Rentner müssen die „Freiwilligen“ auch auf weitere Einkünfte, wie Zinsen, Mieterträge, private Renten- und Lebensversicherungen Beiträge zahlen. Das gilt bis zur Bemessungsgrenze von 4350 Euro im Monat.

Kann man sich aussuchen, ob man als Rentner Pflichtmitglied der Kasse oder freiwillig versichert wird?

Nein. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die Kasse den Status prüfen muss. Wer 90 Prozent der zweiten Hälfte des Erwerbslebens gesetzlich versichert war, wird Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner. Wer diese 90 Prozent nicht erreicht, wird zum freiwilligen Mitglied.

Ich bin seit 1991 als Selbstständiger ununterbrochen freiwillig gesetzlich versichert. Bleibe ich das, wenn ich Rentner werde?

Nein. Da Sie die geforderten 90 Prozent Mitgliedschaftsdauer in der gesetzlichen Kasse erreichen, werden Sie mit Rentenbeginn zum Pflichtmitglied der Kasse.

Ich bin 77 Jahre alt und privat krankenversichert. Kann ich trotzdem noch in einen anderen Tarif wechseln, um Beiträge zu sparen?
Ja, das Recht haben Sie laut Versicherungsvertragsgesetz. Lassen Sie sich am besten Alternativen zu Ihrem jetzigen Tarif von ihrem Versicherer schicken. Wenn ein Angebot dabei ist, welches Ihnen zusagt, können Sie ohne Nachteile wechseln. Nur, wenn der neue Tarif höhere Leistungen als der alte beinhaltet, sind für diese neuen Vertragsbestandteile Gesundheitsprüfungen obligatorisch. Sie können darauf aber verzichten. Möglich ist auch der Wechsel in den Standardtarif. Der ist für wirtschaftliche Notlagen vorgesehen. Dabei sollten Sie aber auch berücksichtigen, dass dieser Tarif nur dem Leistungsumfang der gesetzlichen Kassen entspricht. Zwar kann der Wechsel in den Standardtarif den Monatsbeitrag senken. Allerdings sind die Eigenanteile an Behandlungskosten schwer kalkulierbar. Über die verschiedenen Varianten sollten Sie sich ausführlich beraten lassen.

Kann ich als Selbstständiger von der privaten Krankenversicherung wieder in die Gesetzliche zurückwechseln? Mein Geschäft hat sich doch nicht so gut entwickelt, wie erhofft.

Solange Sie hauptberuflich selbstständig sind, können Sie nicht wechseln. Dafür müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein: Grundvoraussetzung ist die Beendigung der Selbstständigkeit. Dann kommt es auf Ihr Alter und Ihre Einkünfte an. Nehmen Sie eine Festanstellung mit einem Einkommen von über 450 Euro und unter 4800 Euro monatlich an, werden Sie gesetzlich versicherungspflichtig. Das ist jedoch laut Gesetz nur bis zum 55. Lebensjahr möglich. Danach können Sie nur wechseln, wenn Sie keine Gesamteinkünfte – einschließlich Zinsen oder Mieteinnahmen – über 425 Euro monatlich haben. Dann ist eine beitragsfreie Mitversicherung beim gesetzlich versicherten Ehepartner möglich.

Mein Sohn ist privat versichert. Jetzt bekam er seine erste Arztrechnung. Muss er die sofort bezahlen?

Als erstes sollte Ihr Sohn im Vertrag prüfen, ob der einen so genannten Selbstbehalt beinhaltet. Damit ist vereinbart, dass der Versicherte eine bestimmte Summe selbst zahlt. Das können beispielsweise 800 Euro pro Jahr sein. Mit einer solchen Regelung ist ein Beitragsnachlass verbunden. Hat Ihr Sohn keinen Selbstbehalt, muss er entscheiden, ob es sich lohnt, die Rechnung einzureichen. Denn wenn man ein Jahr lang keine Rechnungen von der Versicherung bezahlen ließ, hat man je nach Tarif Anspruch auf eine Beitragsrückerstattung. Die kann sich je nach rechungsfreien Jahren und Tarif bis auf sechs volle Monatsbeiträge summieren, die von der Versicherung zurückgezahlt werden.

Ansonsten ist der übliche Weg, dass die Arztrechung vom Patienten an die Versicherung geschickt wird. Diese prüft die Rechnung, überweist – wenn alles korrekt ist – dem Patienten den entsprechenden Betrag auf sein Konto. Der Patient wiederum begleicht dann die Rechnung an den Arzt.

Weitere Informationen

Die AOK Nordost ist im Internet unter www.aok.de erreichbar. Dort findet man auch die regionalen Geschäftsstellen.

Weitere Informationen zur privaten Voll- oder Zusatzversicherung, können unter kontakt@pkv.de oder unter Telefon 030-20458966 angefordert werden. Alle Anbieter für private Voll- und Zusatzversicherungen sind im Internet unter www.pkv.de verlinkt.

Unter www.test.de können Preis-Leistungs-Vergleiche von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen nachgelesen werden.



Ich bekomme demnächst eine 450-Euro-Job. Wie werde ich dann krankenversichert? Derzeit bin ich über meine Frau gesetzlich familienversichert.

Sie bleiben – wenn Sie keine weiteren Einkünfte haben – weiter familienversichert. Ihr Arbeitgeber zahlt zwar für Sie eine Pauschale an die Gesetzliche Krankenversicherung. Doch eine eigene Krankenversicherung mit entsprechenden Ansprüchen können Sie daraus nicht ableiten.

Ich muss in der Apotheke immer für meine Medikamente zuzahlen. Gilt das eigentlich unbegrenzt?

Nein. Die Belastungsgrenze für Zuzahlungen liegt bei zwei Prozent der jährlichen Einnahmen zum Lebensunterhalt. Bei schwerwiegend chronischen Erkrankten beträgt die Grenze ein Prozent. Wenn Sie schon zuviel gezahlt haben sollten, wird Ihnen der Betrag, der jenseits der Belastungsgrenze liegt, auf Antrag erstattet. Sie können aber auch den jährlichen Zuzahlungsbetrag vorab an die Kasse zahlen und werden dann von weiteren Zuzahlungen für das laufende Jahr befreien lassen. Wie hoch Ihre Belastungsgrenze ist, kann Ihnen ihre Kasse ausrechnen.

Ich studiere im zweiten Semester. Im Moment bin ich noch über meine Mutter beitragsfrei gesetzlich versichert. Wie lange bleibt das so?

In der Regel bis zum 25. Lebensjahr. Wenn Sie dann noch studieren, müssen Sie sich eine eigene Kasse suchen. Dort werden Sie Mitglied der Krankenversicherung der Studenten und müssen einen eigenen Beitrag zahlen. Der kostet derzeit 66,33 Euro monatlich. Hinzu kommen der Zusatzbeitrag der Kasse und der Beitrag zur Pflegepflichtversicherung.

Ich hatte kürzlich die gesetzliche Kasse gewechselt. Nun hat meine neue Kasse ihre Geschäftstelle im Ort geschlossen. Als ich nun wieder wechseln wollte, wurde mir das verwehrt. Ist das zulässig?

Ja. Laut Gesetz ist ein regulärer Wechsel immer erst nach 18-monatiger Mitgliedschaft in einer Kasse möglich. Ausnahme: Erhöht die Kasse ihren Zusatzbeitrag, gibt es ein Sonderkündigungsrecht. Dafür steht dann ein Zeitfenster von zwei Monaten zur Verfügung.

 

Die Fragen beantworteten Peter Klipp von der Stiftung Warentest, Arne Bender vom Verband der privaten Krankenversicherung und Markus Juhls von der AOK Nordost




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