Lesertelefon : Wann sich ein Kassenwechsel lohnt

Viele Leser nutzten unserer Telefonforum, um sich bei den Experten zu informieren.
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Tarife, Zusatzbeiträge, Steuerfragen: Viele Leser nutzten unserer Telefonforum, um sich bei den Experten zu informieren

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12. April 2018, 12:00 Uhr

Das Interesse an unserem Telefonforum war wieder enorm. Für jene, die nicht durchgekommen sind, haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten notiert.

Ich bin als Angestellter gesetzlich krankenversichert. Im Sommer gehe ich in Altersrente. Wofür muss ich dann Beiträge zahlen?
Das hängt davon ab, ob Sie Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) oder als freiwilliges Mitglied eingestuft werden. Um das zu entscheiden, prüft die Krankenkasse, ob Sie 90 Prozent der zweiten Hälfte des Erwerbslebens gesetzlich versichert waren. Wenn dem so ist, werden Sie KVdR-Mitglied. Sie zahlen dann 7,3 Prozent als Kassenbeitrag. Hinzu kommen der Zusatzbeitrag und der zur Pflegeversicherung. Letztere zahlen Sie ohne Zuschuss von der Rentenversicherung. Auch für eventuelle Betriebsrente müssen Sie den Beitrag allein zahlen. Wenn Sie nicht auf die 90 Prozent kommen, werden Sie zum so genannten freiwilligen Mitglied. Zusätzlich zu den genannten Beiträgen haben Sie dann auf weitere Einkünfte – private Lebens- oder Rentenversicherungen, Zinsen und Mieteinnahmen – bis zur Bemessungsgrenze Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zu zahlen. Die Bemessungsgrenze liegt in diesem Jahr bei 4425 Euro monatlich.

Bekomme ich als privat versicherter Rentner auch einen Zuschuss zur Krankenversicherung?
Selbstverständlich. Der Zuschuss beträgt 7,3 Prozent der Altersrente. Den Zuschuss müssen Sie bei der Rentenversicherung beantragen.

Ich bin seit kurzem nicht mehr berufstätig, beziehe aber wegen meiner Ersparnisse keine Sozialleistungen. Bisher war ich als Angestellte gesetzlich versichert. Wie geht es jetzt weiter? Was habe ich zu zahlen, wenn ich in vier Jahren Altersrente bekomme?
Machen Sie unbedingt einen Termin mit Ihrer Krankenkasse. Sie werden dann freiwillig versichert. Für die Beitragsberechnung wird vom Gesetzgeber ein Mindesteinkommen von 1015 Euro monatlich unterstellt. Daraus ergibt sich für Krankenversicherung einschließlich Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung ein Monatsbeitrag von rund 200 Euro monatlich. Was das Rentenalter betrifft: Da Sie schon immer gesetzlich versichert waren, werden Sie mit Rentenbeginn gesetzlich pflichtversichert und zahlen nur auf die Altersrente und auf eine Betriebsrente ihren Beitrag.

Ich bekomme nur eine geringe Altersrente, muss aber ziemlich viel Kassenbeitrag zahlen. Kann ich irgendwie am Beitrag sparen? Meine Krankenkasse verlangt 1,7 Prozent als Zusatzbeitrag.
Der Zusatzbeitrag ist die einzige Möglichkeit, um Beiträge zu sparen. Dazu müssten Sie allerdings in eine Kasse wechseln, die einen niedrigeren Zusatzbeitrag verlangt. Einen Vergleich der Zusatzbeiträge finden Sie unter www.gkv-spitzenverband.de im Internet. Allerdings sollten Sie bei Ihrer Entscheidung auch die unterschiedlichen Leistungen berücksichtigen.

Muss man beim Kassenwechsel etwas beachten?
Ja, hier gibt es Vorgaben. Ein Wechsel ist möglich, wenn Sie mindestens 18 Monate Mitglied Ihrer Kasse sind. Sollten Sie einen Wahltarif haben, muss die entsprechende Bindungsfrist beachtet werden. Nach der Kündigung Ihrer alten Kasse haben Sie zwei volle Monate Zeit, die Mitgliedschaft bei einer neuen Kasse zu vereinbaren.

Mein Geschäft werde ich demnächst aufgeben. Damit ist auch meine private Krankenversicherung nicht mehr bezahlbar. Kann ich irgendwie in die Gesetzliche zurück? Ich bin 48 Jahre alt.
Sie haben zwei Optionen: Bekommen Sie eine Festanstellung mit einem Gehalt über 450,01 Euro und unter 4950 monatlich, werden Sie gesetzlich pflichtversichert. Das ist laut Gesetz bis zum 55. Lebensjahr möglich. Die andere, altersunabhängige Option ist: Liegen Ihre Gesamteinkünfte – einschließlich Zinsen oder Mieteinnahmen – unter 435 Euro im Monat und sind Sie mit einen Mitglied einer gesetzlichen Kasse verheiratet, ist eine beitragsfreie Familienversicherung in dessen Kasse möglich. Das wird aber immer individuell geprüft.

Ich bekomme in zwei Monaten meine Lebensversicherung ausgezahlt. Muss ich dafür Beiträge an meine gesetzliche Kasse zahlen?
Das hängt von Ihrem Status ab. Sind Sie Pflichtmitglied, fallen keine Beiträge an. Sind Sie hingegen freiwillig versichertes Mitglied, zahlen Sie 14,6 Prozent Kassenbeitrag. Hinzu kommen der Zusatzbeitrag und der zur Pflegepflichtversicherung. Wenn Sie sich die Lebensversicherung als Einmalbeitrag auszahlen lassen, wird dieser auf zehn Jahre „gestreckt“.

Da meine Selbstständigkeit seit einer Weile nicht so viel Ertrag abwirft, möchte ich den Beitrag meiner privaten Krankenversicherung gern reduzieren. Ist das möglich?
Grundsätzlich ja. Lassen Sie sich Angebote für den Wechsel in einen gleichartigen, aber jüngeren und dadurch günstigeren Tarif machen. Laut Versicherungsvertragsgesetz haben Sie das Recht auf einen solchen Tarifwechsel. Ihre Alterungsrückstellungen bleiben Ihnen dabei erhalten. Eine neue Gesundheitsprüfung findet auch nicht statt – es sei denn, der neue Tarif bietet höhere Leistungen. Dann gilt die Gesundheitsprüfung aber nur für die Mehrleistungen. Auf die können Sie aber auch verzichten. Lassen Sie sich auch ausrechnen, was Sie durch die Erhöhung des Selbstbehaltes oder durch Leistungsverzicht sparen können. Den Standardtarif für langjährig Versicherte sollten Sie nur in finanziellen Notlagen in Erwägung ziehen.

Lohnt sich ein Wechsel zu einem preiswerteren Versicherer? Ich bin seit 23 Jahren privat beim gleichen Unternehmen versichert.
Ein Wechsel lohnt sich für Sie nicht. Zum einen würden Sie alle Ihre Alterungsrückstellungen beim bisherigen Versichertenkollektiv zurücklassen und beim neuen Unternehmen neu anfangen. Zum anderen müssen Sie bei dem neuen Versicherer Gesundheitsfragen beantworten. Bei Vorerkrankungen sind dann Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge möglich. Lassen Sie sich am besten von Ihrem derzeitigen Versicherer Vorschläge für preiswertere Tarife unterbreiten.

Von meinen Großeltern habe ich ein Ferienhaus an der Küste geerbt und will es ab Juli vermieten. Muss ich die Einkünfte der Krankenkasse mitteilen? Als Freiberufler bin ich freiwillig gesetzlich versichert.
Da Sie freiwilliges Mitglied sind, müssen Sie auf alle Ihre Einkünfte Beiträge zahlen. Also auch auf den Gewinn aus der Vermietung Ihres Ferienhauses. Entscheidend ist letztlich der Steuerbescheid für dieses Jahr. Den müssen Sie ohnehin bei der Kasse vorlegen. Dann wird geprüft, ob Sie zu viel oder zu wenig an Beiträgen gezahlt haben. War es zu viel, bekommen Sie den entsprechenden Betrag erstattet. Wenn es zu wenig war, müssen Sie die Differenz nachzahlen. Auf der Basis des Steuerbescheides wird dann der künftige Beitrag festgelegt.

Ich bereite mich gerade auf meine berufliche Selbstständigkeit vor. Da meine Kinder bei mir familienversichert sind, will ich auch gesetzlich versichert bleiben. Mit welchen Kassenbeiträgen muss ich rechnen? Gibt es einen Mindestbeitrag?
Ja, den gibt es, wobei hier zwischen Haupt- und Nebenberuflern unterschieden wird. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass hauptberuflich Selbstständige ein Mindesteinkommen von 2283,75 Euro monatlich haben. Das gilt für alle Kassen gleichermaßen und auch dann, wenn Sie real weniger verdienen. Daraus werden dann die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung berechnet. Der Mindestbeitrag liegt bei rund 400 Euro, der Höchstbeitrag bei knapp 800 Euro im Monat. In Ausnahmefällen – etwa, wenn ein Existenzgründerzuschuss gezahlt wurde – kann das Mindesteinkommen mit 1522,50 Euro monatlich festgelegt werden. Auch für nicht hauptberuflich Selbstständige gibt es ein fiktives Mindesteinkommen: 1015 Euro monatlich. Eines müssen Sie noch berücksichtigen: Egal, ob Sie haupt- oder nebenberuflich selbstständig tätig sind – Sie werden als freiwilliges Mitglied eingestuft. Dann müssen Sie auf alle Ihre Einkünfte, also auch Zinsen oder Mieteinnahmen Beiträge zahlen.

Ich musste 2017 keine Rechnungen bei meiner privaten Krankenversicherung einreichen und werde – wahrscheinlich im Mai – eine Beitrags-Rückerstattung bekommen. Muss ich die bei der Steuererklärung angeben?
Ja, das müssen Sie. Sie können zwar Ihre Beiträge zur privaten Krankenversicherung im gesetzlich vorgegebenen Rahmen steuerlich geltend machen. Doch die Beitragsrückerstattung muss entsprechend „gegengerechnet“ werden. Das gilt übrigens auch für gesetzlich Versicherte mit entsprechendem Wahltarif.

Ich werde verbeamtet. Was ist da besser – eine gesetzliche oder eine private Krankenversicherung?
Für Beamte ist eine private Krankenversicherung in der Regel die bessere Wahl. Denn Sie erhalten Beihilfe für 50 Prozent der Krankheitskosten. Nur für die anderen 50 Prozent brauchen Sie eine private Krankenversicherung. Im Rentenalter erhalten Sie dann sogar 70 Prozent Beihilfe. Für eine gesetzliche Kasse müssten Sie den Beitrag komplett allein bezahlen, einen Zuschuss vom Arbeitgeber erhalten Sie im Unterschied zu Arbeitnehmern nicht.

Kontaktdaten

Die AOK Nordost ist im Internet unter www.aok.de erreichbar. Dort findet man auch die regionalen Geschäftsstellen. Telefonisch ist die AOK unter 0800-2650800 erreichbar.

Weitere Informationen zu privaten Voll- oder Zusatzversicherung, können unter kontakt@pkv.de oder unter Telefon 030-20458966 angefordert werden. Alle Anbieter für private Voll- und Zusatzversicherungen sind im Internet unter www.pkv.de verlinkt.


Die Verbraucherzentrale MV ist in der Strandstraße 98 in 18055 Rostock oder im Internet unter www.verbraucherzentrale-mv.eu erreichbar. Termine können telefonisch unter 0381-2087050 vereinbart werden.

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