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Medizin und Gesundheit

23. November 2017 | 14:24 Uhr

Diabetis : Wachsame Lebensretter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dank ihres feinen Geruchssinns und viel Training können Diabetikerwarnhunde Alarm schlagen, wenn Herrchen oder Frauchen kurz vor einem Zuckerschock stehen.

Wenn Svea sich abends gemütlich ins Bett kuschelt, liegt Labradorhündin Luna im Körbchen dicht neben ihr. Auch ihre Mutter kann dann beruhigt schlafen gehen. Doch das war nicht immer so. Seit ihrem fünften Lebensjahr ist die Zwölfjährige an einem Diabetes Typ 1 erkrankt. Mehrmals in der Nacht musste die Mutter früher aufstehen, um den Blutzuckerspiegel ihrer Tochter zu messen. Heute ist das dank Luna nicht mehr erforderlich. Die Hündin erhielt bei Kati Zimmermann eine Ausbildung zum Diabetikerwarnhund.

„Ein Diabetikerwarnhund ist ein Assistenzhund, der gefährliche Schwankungen des Blutzuckerspiegels erkennt. Die Hunde können den Geruch einer Unterzuckerung oder Überzuckerung im Atem und Schweiß eines Diabetikers riechen, bevor er es selbst bemerkt“, erklärt sie. Die Hunde seien speziell darauf trainiert, dem Diabetiker eine Unterzuckerung oder Überzuckerung durch ein erlerntes Signal anzuzeigen. „Das kann ein Bellen, Kratzen oder Anstupsen sein“, so die Assistenzhundetrainerin.

Doch die Hunde können weit mehr. „Sie holen Traubenzucker oder ein Getränk, bringen das Blutzuckermessgerät, machen bei Bedarf das Licht an und aus oder organisieren Hilfe“, so Kati Zimmermann.

All das hat auch Luna gelernt. „Sie ist für Svea die beste Freundin. Die beiden sind unzertrennlich. Luna ist für uns ein Familienmitglied. Es ist für mich eine enorme Entlastung, sie in Sveas Nähe zu wissen. Wenn etwas ist, kommt Luna sofort angelaufen und gibt mir durch ein kräftiges Bellen Bescheid. Svea selbst merkt es manchmal nicht, wenn sie unter- oder überzuckert ist“, berichtet die Mutter des Mädchens. Kati Zimmermann ist es eine Herzensangelegenheit, Mensch und Tier als Partner zusammenzubringen und auszubilden. „Wenn ich sehe, dass ein Kind durch einen Hund viel seltener unterzuckert als früher, wenn ich spüre, wie viel sicherer und zufriedener es mit dem Hund an seiner Seite ist, weiß ich, wofür ich alles mache. Das ist Glück pur!“, sagt sie strahlend. Aber nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene könnten von einem Diabetikerwarnhund profitieren, ergänzt sie.

Während die Assistenzhundetrainerin spricht, liegen ihre Colliehündinnen Snow und Silver entspannt auf dem Boden und dösen. Die beiden wuscheligen Hundedamen sind als tierische Co-Trainerinnen im Einsatz. „Snow ist acht Jahre alt und Diabetikerwarnhund, Behindertenbegleithund, Therapiebegleithund und Besuchshund“, stellt die 44-Jährige ihre „Große“ vor. „Silver ist elf Monate alt und in der Ausbildung zum Diabetikerwarnhund und PTBS Hund. Die Abkürzung PTBS steht für Posttraumatische Belastungsstörung. Die Hündin lernt, wie sie Menschen aus einer Angst- oder Panikattacke zurückholen kann“.

Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund – davon ist Kati Zimmermann fest überzeugt. Deshalb bildet sie in ihrer Akademie für Assistenzhunde (AfA) in Hummelfeld im Kreis Rendsburg-Eckernförde, treue und wachsame Begleiter auf vier Pfoten aus, die ihren Besitzern einfach guttun und für mehr Sicherheit in den unterschiedlichsten Lebenssituationen sorgen.

Doch nicht jeder Hund eignet sich als Assistenzhund. „Er sollte ein menschenfreundliches, ruhiges und ausgeglichenes Wesen haben. Er sollte seinem Menschen gefallen wollen und ein hohes Maß an Sozialverträglichkeit mitbringen“, führt Kati Zimmermann aus. Außerdem dürfe er nicht aggressiv oder ängstlich sein. „Wichtig ist, dass er keinen Schutztrieb hat. Im Notfall muss er ja fremde Helfer an seinen Besitzer heranlassen“.

Bis ein Hund ein ausgebildeter Diabetikerwarnhund ist, dauert es einige Zeit. Die Assistenzhundetrainerin erkennt bei einem Welpen schnell, ob er sich für diese besondere Aufgabe eignet. Mit Luna und ihrer Besitzerfamilie machte sie dafür einen speziellen Test, den die Hündin mit Bravour bestand. „Wir ließen zum Beispiel ein Schlüsselbund laut auf den Boden fallen und beobachteten, ob Luna sich erschreckt oder ruhig bleibt“, blickt Sveas Mutter zurück. Zunächst ging Luna, die mit 16 Wochen in die Familie kam, zur Welpenschule und machte ein Einzeltraining. Danach begann ihre Ausbildung zum Assistenzhund. Diese absolvierte sie gemeinsam mit Svea und ihrer Mutter. Eine von vielen Übungen: Mit einem Beutel, in dem ein T-Shirt von Svea steckte, das sie während einer Unterzuckerung getragen hatte, trainierte Kati Zimmermann die Hündin auf den Geruch von Svea. Aus einer Vielzahl von T-Shirts konnte Luna später genau das Exemplar herausfischen, das nach Sveas Unterzuckerung roch. Die Ausbildung zum Diabetikerwarnhund bietet die Assistenzhundetrainerin deutschlandweit und in Dänemark als Selbstausbildung an. Diese ist individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmt. Nach fünf dreitägigen Wochenendseminaren legen die Hund-Mensch-Teams eine theoretische und praktische Prüfung ab. „Damit ich sicher sein kann, dass die Teams auch funktionieren“, betont Kati Zimmermann. Alle zwei Jahre absolvieren die Teams eine Nachprüfung.

Außerdem brauchen Diabetikerwarnhunde während des Alltags ein kontinuierliches Training mit den Besitzern, um ihre Fähigkeiten zu erhalten. Die Kosten für die Ausbildung eines Assistenzhundes werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Die Besitzer müssen sie selbst tragen oder sich Sponsoren suchen. Bei Svea übernahm der Verein „Aktion Kindertraum“ die Kosten.

Eines möchte Kati Zimmermann abschließend noch anmerken: „Das Wohl und die Gesundheit der Hunde stehen bei der Arbeit und Ausbildung an erster Stelle. Es wird mit Spiel und Spaß trainiert. Ein Diabetikerwarnhund ist ein Lebewesen und keine Maschine, die auf Knopfdruck immer funktioniert. Er braucht seinen artgerechten Ausgleich und genauso Zuwendung und Pflege wie ein Familienhund. Erfahrungsgemäß zeigt ein gut ausgebildeter Diabetikerwarnhund zu 97 Prozent sicher an. Er ersetzt jedoch nicht das Blutzuckermessen oder den Arzt“.

Weitere Infos im Internet unter www.assistenzhunde-akademie.de, Anfragen per Mail an: Kati@assistenzhundeakademie.de

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