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Tag der Ersten Hilfe : Von Verbrennung bis Herzmassage

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zum heutigen Internationalen Tag der Ersten Hilfe: Sieben Irrtümer über die medizinische Erstversorgung, die mehr schaden als nützen.

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2017 | 08:55 Uhr

„Bei Verbrennungen hilft Mehl“

Großmutters Hausmittelchen haben bei der Behandlung von Brandwunden nichts zu suchen. Wer Butter, Quark, Öl oder sogar Mehl auf eine Verbrennung aufträgt, der verunreinigt die Wunde und riskiert eine Infektion. Um den Schmerz zu lindern, können die betroffenen Stellen so lange mit sauberem Wasser gekühlt werden, bis der Schmerz nachlässt.

„Bei Pilzvergiftung: Viel Salzwasser oder Milch trinken“

Mit Pilzvergiftungen ist nicht zu spaßen. Selbst ungiftige Pilze können durch eine falsche und zu lange Lagerung gefährliche Giftstoffe entwickeln. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) in Frankfurt am Main rät bei einem Verdacht auf eine Pilzvergiftung allerdings dringend von Hausmitteln ab: „Milch zu trinken ist immer falsch. Aber auch Salzwasser zu trinken, um Erbrechen zu fördern oder Kohletabletten zu schlucken, um Durchfälle zu lindern, können schwere Nachteile mit sich bringen und die Prognose bis hin zum Tod verschlechtern.“ Mediziner wissen, dass der Fettanteil in der Milch die Aufnahme des Giftes in den Organismus sogar noch begünstigen kann. Bei dem Verdacht auf eine Vergiftung verständigt man am besten sofort den Giftnotruf und bringt Pilzreste beziehungsweise Reste der Mahlzeit mit zum Arzt, damit dieser das Pilzgift schneller identifiziert und die entsprechenden Gegenmaßnahmen einleiten kann. „Nur bei Verdacht auf eine schwerwiegende Vergiftung und wenn ein Krankenhaus zu weit entfernt und ein Arzt nicht zu erreichen ist, kann der Pilzsachverständige Medizinalkohle (1 g/kg Körpergewicht in 400 ml Wasser aufgeschwemmt) empfehlen, oder, falls nicht zu beschaffen, in einer derartigen Ausnahmesituation und wenn die Pilzmahlzeit nicht länger als fünf bis sechs Stunden zurückliegt, dem Betroffenen raten, durch ,Finger in den Hals stecken’ zu erbrechen“, rät die DGfM.

„Wer nicht hilft, kann auch nichts falsch machen“

Auch wenn der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon eine Weile her ist, so sollte sich deshalb doch niemand vom Helfen abhalten lassen. Nur wer gar nicht hilft, macht etwas falsch, sagen Sanitäter. Zudem kann die „unterlassene Hilfeleistung“ rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

„Im Ausland funktioniert unsere 112 nicht“

Wer in Deutschland die 112 wählt, landet automatisch in einer Leitzentrale, die je nach Bedarf den Rettungsdienst (Krankenwagen), die Polizei oder die Feuerwehr alarmiert. Das funktioniert europaweit länderübergreifend und sogar in vielen Nicht-EU-Ländern wie den USA oder Kanada, wo der Anruf dann auf die dortige Notrufnummer 911 umgeleitet wird. Die Rufnummer 112 lässt sich vom Handy aus auch ohne ein Guthaben oder einen Handyvertrag anrufen. Eine SIM-Karte muss in Deutschland allerdings eingelegt sein, damit der Notruf abgesetzt werden kann.

„Für die Wiederbelebung zuerst den Puls fühlen und dann die Rippen abzählen“

In der Fahrschule haben das viele noch so gelernt. Heute geht man davon aus, dass die meisten Ersthelfer in der ganzen Aufregung nur ihren eigenen Puls fühlen, und rät deshalb ganz davon ab. Bei Atemstillstand heißt es also sofort mit der Reanimation zu beginnen. Das Ertasten und Abzählen von Rippen wird heute meist nicht mehr empfohlen, da es für viele Laien zu kompliziert ist. Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Berlin weiß man, wie man es richtig macht: „Den Ballen einer Hand auf das untere Drittel des Brustbeins platzieren (Mitte des Brustkorbs). Den Ballen der anderen Hand auf die erste Hand aufsetzen. Die Arme des Helfers sind gestreckt und der Brustkorb wird senkrecht von oben durch Gewichtsverlagerung des eigenen Oberkörpers 30 mal mindestens fünf bis maximal sechs Zentimeter tief eingedrückt (Arbeitsfrequenz mindestens 100/Minute bis maximal 120/Minute). Die Druck- und Entlastungsdauer sollten gleich sein. Beatmung und Herzdruckmassage erfolgen dann im steten Wechsel: 30 mal Drücken, zweimal Beatmen.“ Bei Kindern und Säuglingen sind laut DRK allerdings abweichende Vorgehensweisen zu beachten.

„Ein Schlangenbiss muss sofort ausgesaugt werden“

Das sieht man zwar immer wieder in Hollywood-Filmen, ist aber falsch. Zum einen funktioniert das Ganze nicht so einfach, zum anderen würde sich der Ersthelfer so auch selber vergiften, da er das Gift dann direkt über seine Mundschleimhaut aufnähme. Je nach Art des Schlangengiftes können nämlich schon geringste Mengen schwerste Schädigungen nach sich ziehen, unter Umständen sogar den Tod. Manipulationen der Bissstelle sollten möglichst unterbleiben, denn mit jeder Bewegung verteilt sich das Gift nur noch schneller im Körper. Der entsprechende Körperteil sollte besser ruhiggestellt und der Giftnotruf verständigt werden. Hilfreich ist es, sich die Schlange möglichst genau einzuprägen, damit diese identifiziert werden kann, und somit das passende Gegengift möglichst schnell gefunden wird. Handyfotos sind hier eine gute Idee. In Australien, wo die gefährlichsten Giftschlangen vorkommen, empfehlen die Mediziner, die Wunde nicht zu reinigen, damit eventuelle Giftreste an den Wundrändern, der Haut oder Kleidung zur schnelleren Bestimmung des Giftes herangezogen werden können.

Bei Unterkühlung: „Das wärmste Jäckchen ist das Kognäkchen“

Mit einem Schlückchen Alkohol wird einem gleich warm ums Herz, denn Alkohol wärmt ja von innen. Das mag subjektiv zwar so empfunden werden, objektiv ist allerdings genau das Gegenteil der Fall. Alkohol erweitert nämlich die Gefäße und kühlt den Körper so noch mehr aus, weshalb man davon bei Unterkühlung die Hände lassen sollte.

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